Kabarett mit Helmut Herles und Manfred Stützer: Von fieser Fistelstimme bis zur Raute

Kabarett mit Helmut Herles und Manfred Stützer : Von fieser Fistelstimme bis zur Raute

Wenn plötzlich die fiese Fistelstimme Walter Ulbrichts erklingt und der ganze Saal Halleluja singt – dann sind „Macher“ am Werk. Im voll besetzten Weinhaus „Alter Zoll“ erklärten Helmut Herles, der frühere Chefredakteur des General-Anzeigers, und Bauingenieur Manfred Stützer: „Macht kommt von machen.“

Die kabarettistische Macht in Oberpleis übernahmen die beiden jedenfalls im Handumdrehen, quasi handstreichartig, bei ihrem „Heimspiel im Sommerloch“ und stellten dabei Sinn für das richtige Maß an Humor unter Beweis. Bei den Gesangseinlagen des Duos trat Siegfried Keynes am Klavier in Aktion.

Stützer, der bei der Renovierung des alten Gasthauses ohnehin die Statik berechnet hatte, kam in „Dienstkleidung“ – mit Bauarbeiterhelm und Zollstock in den „Zoll“. Der Ittenbacher: „Heute dient der Helm allerdings als Schutz vor Eier- und Tomatenwerfern.“ Die Bedenken waren überflüssig. Am Schluss des launigen Programms wurden die Akteure vom Publikum mit Applaus bombardiert.

„Manche schreiben Macht groß, wir schreiben macht klein. Denn wir beiden machen was am Rhein“, reimten Herles und Stützer im Duett. „Merkwürdig. Ich glaube, aus Ihrem Text eine mitteldeutsche Sprachmelodie herauszuhören. Kommen Sie eventuell aus Dresden?“, fragte Herles, mit zwei Presseausweisen und einer „Durchblick-Brille“ behängt, seinen kabarettistischen Kompagnon. „Neee“, meinte Stützer. Leipzig, Halle? Volltreffer. Manfred Stützer: „So is es. Aber Sie denken wohl auch, in Halle werden die Dummen nicht alle?“

Und dann zählte er auf, welche Berühmtheiten bis hin zu Genscher von dort stammten. Einer fehlte. Herles: „Denk an die Musik!“ Der Tipp genügte. „No klar, den Händel hätt ich doch beinah vergessen. Der hätte sein himmlisches Halle-luja nie geschrieben, wenn er nicht von uns aus Halle käme!“ Schon dirigierte Helmut Herles die Besucher – alle gemeinsam sangen sie das „Halleluja“.

Köstlich: Manfred Stützer mimte Walter Ulbricht, den DDR-Staatsratsvorsitzenden und SED-Chef, als er mit dessen berühmt-berüchtigter Stimme in sächsischer Tonlage eine Rede des allwissenden Mauerbau-Spitzbarts über die Bonner Ultras vortrug. Helmut Herles: „Sächsisch hebt sprachlich die Schwerkraft auf!“

Ob er denn als Statiker viel stützen müsse, fragte der Zeitungs-Mann seinen Kabarett-Kollegen. „Brauche ich nicht. Ich habe die Aufhebung der Schwerkraft beschlossen.“ Was das bedeutet, wollte Helmut Herles wissen. Und ob er diese fulminante Entdeckung auch schon der Frau Bundeskanzlerin mitgeteilt habe? Herles kannte schon die Reaktion: „Nachdem sie sich um 180 Grad gewendet hat und von der friedlichen Nutzerin der Kernkraft zur Kernkraft-nein-danke-Merkel geworden ist, wird sie sich in ihrer nächsten Regierungserklärung sicher auf Statiker Stützer stützen und zutiefst überzeugt ausrufen: Schwerkraft, Schwerkraft, nein danke! Wir schaffen das, das ist alternativlos. Ich bin überzeugt.“

Dazu zeigten die beiden Kabarettisten natürlich auch die Raute. Und sie widmeten sich dem rheinischen Grundgesetz. Während Helmut Herles die einzelnen Paragraphen vortrug, übersetzte Manfred Stützer sie in „die Sprache Luthers“. Eine Kostprobe: „Et hätt noch immer joot jejange.“ Stützer: „Es ist Murks, aber es wird schon gutgehen.“ Oder: „Jede Jeck is anders!“ – „Das ist das rheinische Toleranzgebot.“

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