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Bauvorhaben in Bad Honnef: Neues Wohnen an der alten Quelle

Bauvorhaben in Bad Honnef : Neues Wohnen an der alten Quelle

Ein Investor plant mindestens 51 Eigentumswohnungen und Gewerbe in Bad Honnef. Bürger sind besorgt wegen der künftigen Parksituation.

In einer ersten Bürgerversammlung hat der Investor am Mittwochabend seine Baupläne auf dem Areal der früheren Drachenquelle zwischen Au- und Steinstraße vorgestellt. Auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück plant die Bad Honnefer Michael Nickel GmbH vier Häuser für mindestens 51 Eigentumswohnungen mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche und „ruhige Gewerbe- und Büroflächen“ mit 1000 Quadratmetern Nutzfläche zu errichten. Projektleiter Fred Czerwinski sagte am Mittwochabend: „Wir sind sicher, etwas schaffen zu können, was das Gebiet und seine Umgebung aufwerten wird.“

Der Bad Honnefer Mineralbrunnen füllte an eben dieser Stelle bis ins Jahr 2009 Trinkwasser ab, musste aber damals Insolvenz anmelden. Seitdem ist das zurzeit komplett versiegelte Gelände mehr und mehr zur Industriebrache verkommen und „wartet auf eine städtebauliche Idee“, wie der Bad Honnefer Stadtplaner Dirk Wiehe es formulierte.

Für das Projekt „Ehemalige Drachenquelle“ müsste allerdings der rechtskräftige Bebauungsplan aus dem Jahr 1969 abgeändert werden, in dem eine Gewerbenutzung festgeschrieben ist. Es sieht nach derzeitigen Plänen eine dreigeschossige moderne Bebauung plus Dachgeschoss an der Austraße (ein Block) und an der Quellenstraße (zwei Blöcke) vor sowie einen zweigeschossigen Bau plus Dach an der Steinstraße.

Das unter Denkmalschutz stehende Badehaus bleibt erhalten. „Wir versprechen uns davon eine gewisse Ruhe in diesem heterogenen Bereich mit dörflicher Struktur, der Nähe zur Innenstadt und der sogenannten Rettungsmeile“, so Herbert Klein vom Fachdienst Stadtplanung.

Wie Projektleiter Czerwinski sagte, sind zwei Tiefgaragen angedacht, um der eh angespannten Parksituation gerecht zu werden. Wie groß diese Garagen genau werden, ist aber noch nicht klar. In der Stadt Bad Honnef gibt es Richtlinien, nach denen statistisch 1,3 bis 1,5 Parkplätze pro Wohnung zu schaffen sind. „Wir sind da noch in der Abstimmung mit der Stadt, ob die Richtlinie bei diesem Projekt sinnvoll ist, denn wir wollen auch kleinere Wohnungen mit etwa 50 Quadratmetern bauen“, erklärte Czerwinski.

Geschäftsführer Michael Nickel sagte dem General-Anzeiger, in nahezu allen Objekten, die die GmbH im Siebengebirge fertiggestellt habe, gebe es Leerstände in den Tiefgaragen; die Michael Nickel GmbH hat unter anderem den Rhöndorfer Turmpark, den Parkbogen Frankenweg und in Königswinter das Baugebiet Im Rheingarten errichtet.

Die künftige Parksituation war es vor allem, die den knapp 20 teilnehmenden Bürgern Sorge bereitete. „Es ist jetzt schon sehr eng in diesem Bereich. Wie wird sich das auf den Verkehr auswirken?“, fragte eine Anwohnerin. Ein anderer Anwohner wollte wissen, ob und wie gewährleistet werde solle, dass Technisches Hilfswerk und Malteser bei einem Rettungseinsatz mit den großen Fahrzeugen nicht durch Falschparker auf der parallel zur B42 liegenden Quellstraße behindert würden. Der Investor will ein Verkehrsgutachten in Auftrag geben und bezahlen, um die Auswirkungen besser abschätzen zu können. Stadtplaner Wiehe gab zu bedenken, dass auch mehr Verkehr über die Straßen lief, als der Mineralbrunnen noch betrieben wurde.

Dass zwei Tiefgaragen mit jeweils einer Ein- und Ausfahrt zur Au- und Steinstraße angedacht sind, hat mit dem mitten durchs Grundstück fließenden Ohbach zu tun. Die Projektentwickler haben vor, das zurzeit unterirdisch verlaufende Gewässer freizulegen und den Ohbach zum Mittelpunkt eines Parks zu machen. Ein Teil des Laufs zur Quellenstraße hin müsste allerdings aus Sicherheitsgründen abgedeckt werden. Ein Bürger äußerte Bedenken: „Der Ohbach ist ein kräftiger Bach und kann bei Starkregen zum Problem werden.“

Aus Sicht von Michael Nickel liegt die Sohle des Ohbachs mit fünf Metern unter dem Straßenniveau ziemlich tief. Er ist sich sicher, die Lage bei Starkregen mit dem Anlegen eines Parks eher zu verbessern. Schließlich könne Wasser dort versickern. Für die Pflege des Ohbachs wird der Wasserverband Rhein-Sieg-Kreis zuständig sein, mit dem es schon Gespräche gegeben hat.

Neben Bedenken äußerten Anwesende durchaus Lob für die Pläne. Es sei Zeit, dass endlich etwas passiere auf dem früheren Industriegelände. Zwölf Millionen Euro will die Michael Nickel GmbH in das Projekt investieren. Wenn alle Baugenehmigungen planmäßig vorliegen, könnten die Abrissarbeiten des Mineralbrunnens im kommenden Herbst beginnen. Die Errichtung der Wohn- und Büroriegel wird voraussichtlich anderthalb Jahre Zeit in Anspruch nehmen.

Die Bürger werden im Zuge des weiteren Bauleitplanverfahrens (nach Zustimmung der politischen Gremien) die Baupläne einsehen und Anregungen einbringen können.