Brauchtumspflege: Kreuzwege im Kreis Ahrweiler feiern Renaissance

Brauchtumspflege : Kreuzwege im Kreis Ahrweiler feiern Renaissance

Die Katholischen Gemeinden in Adenau, Westum, Kripp, Gelsdorf und Kempenich engagieren sich für den Erhalt historischer Kreuzwege. Teilweise schufen sie sogar neue Anlagen.

Einen Kreuzweg singend, betend oder meditierend abzuschreiten, Station für Station, mit der Pfarrgemeinde, mit Familie, Freunden, Verwandten oder ganz allein, das gehörte für die meisten katholischen Gläubigen auch am Rhein und in der Eifel bis in die 1950er und 1960er Jahre hinein zur Karwoche wie bunt gefärbte Eier zum anschließenden Osterfest.

Mit Kreuzweg-Gängen wird in den Tagen von Palmsonntag bis Karsamstag auch heute noch in etlichen Pfarrgemeinden an die Leidensgeschichte Jesu erinnert – von seiner Verurteilung am Amtssitz des römischen Statthalters Pontius Pilatus in Jerusalem über seinen Gang über die Via Dolorosa bis zum Ort seiner Kreuzigung auf dem Hügel Golgotha. Dabei wird auch all jener Menschen gedacht, die zu Unrecht verurteilt, gefoltert, verspottet oder getötet wurden und werden.

Dennoch hat die Pflege dieser im 14. Jahrhundert geborenen Tradition, die sich vom Heiligen Land rasch über die gesamte christliche Welt verbreitete, inzwischen eher Seltenheitscharakter. Umso bemerkenswerter ist deshalb, dass in den vergangenen Jahren in einigen Orten des Kreises Ahrweiler – mitunter beachtliche – Anstrengungen unternommen wurden, um bestehende Kreuzwege zu erhalten, ihnen zu einer Wiederauferstehung zu verhelfen oder sogar, um neue Kreuzwege zu schaffen.

Beispiel Westum

Der Kreuzweg, der von der Ortsmitte auf die Koisdorfer Höhe führt, ist der jüngste Kreuzweg im Kreis Ahrweiler. Am ersten Fastensonntag des Jahres 2015 wurde er vom Trierer Bischof Stephan Ackermann eingesegnet. Kreuzwege gebe es in vielen Pfarreien des Bistums, sagte der Bischof bei der Feier, dass aber ein neuer Kreuzweg angelegt wird, sei „wirklich etwas Besonderes“. Westumer Ortsvereine, Familien und Einzelpersonen hatten zuvor fast 30.000 Euro gesammelt, um die 14 Kreuzwegstationen bei Bernd Dobrzynski in Auftrag zu geben. Der Riedener Bildhauer hatte sich in Westum bereits bewährt: Von ihm stammten Altar, Ambo und die Konsolen der Heiligenfiguren in der Sankt-Peter-Kirche.

Gelsdorf

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts war der Ort von 14 Kreuzwegstationen umgeben. Nachdem Wind und Wetter den Relieftafeln aus französischem Kalksandstein und dem Bruchsteinmauerwerk viele Jahrzehnte lang zugesetzt hatten, sind die Stationen um 1960 abgerissen worden. Ihr Mauerwerk wurde zum Ausbessern von Wirtschaftswegen genutzt; die Spur der Tafeln verlor sich im Dunkeln – bis Ortsvorsteher Hermann-Josef Linden Mitte der 1990er Jahre per Zufall auf sieben der 14 Reliefs stieß. Die Idee lag nahe, sie zu restaurieren, in neue Stationen zu integrieren und ihnen wieder einen gut sichtbaren Platz in Gelsdorf zu geben.

Kripp

Dort gab es in alter Zeit einen Sieben-Kniefälle-Bittweg, an dem die Bewohner des Treidelorts für eine gute Ernte, für erkrankte Verwandte oder gegen Hochwasserfluten von Ahr und Rhein beteten. Dieser historische Weg war bei den meisten Bewohnern des Orts in Vergessenheit geraten und längst verfallen, als der örtliche Bürger- und Heimatverein vor ein paar Jahren einen 3,4 Kilometer langen neuen Weg auswies, der an bereits dort stehenden Wegkreuzen und Bildstücken vorbei rund um den Ort führt.

Kempenich

Der Kreuzweg von Kempenich bildet zusammen mit Wallfahrtskapelle, Lourdes-Grotte, einem Weg der „Sieben Schmerzen Mariens“, einer Grablege Jesu sowie einem Grabesgarten die fast einen Hektar große Anlage „Kreuzwäldchen“. Sie befindet sich auf einem Hügel südlich des Ortes, auf dem einst eine Burg stand, deren Reste beim Bau der Anlage in den Jahren von 1873 bis 1881 wieder zutage kamen. Weil diese Anlage, längst Wahrzeichen der Gemeinde, permanenter Pflege bedarf, wurde ein Förderverein gegründet. Initiator und Planer des Kreuzwäldchens war übrigens Stanislaus Ladislaus Ferdinand Freiherr von Freyhold (26. April 1839-1. August 1919). Er war Pfarrer in Kempenich, aber auch Architekt und Landschaftsarchitekt.

Adenau

Der Kreuzweg dort führt auf verschlungenen Pfaden über 700 Meter durch ein mit Vulkan- und Lavasteinen übersätes Waldgebiet oberhalb des Friedhofs. Am Palmsonntag 2011, 150 Jahre, nachdem die Bauarbeiten für den in Eifler Vulkanstein festgehaltenen Leidensweg Christi begonnen hatten, wurde mit Wort, Gesang und Gebet der erste Adenauer Stationenweg und damit so etwas wie die Wiederauferstehung dieses mystischen Orts gefeiert. Fast 200 Akteure wirkten unter der künstlerischen Leitung des Münchener Regisseurs und Drehbuchautors Clemens Keiffenheim an der Uraufführung mit und machten Christi Leidensweg damit auf neue Weise erfahrbar.

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