Interview mit Musiker und Extremsportler: Joey Kelly will am Rhein-Ahr-Marsch teilnehmen

Interview mit Musiker und Extremsportler : Joey Kelly will am Rhein-Ahr-Marsch teilnehmen

Extremsportler und Musiker Joey Kelly erklärt, was ihn an extremer Verausgabung motiviert. Spätestens nächstes Jahr will er beim 100 Kilometer langen Rhein-Ahr-Marsch mitlaufen.

Welchen Tipp haben Sie für die Teilnehmer des Rhein-Ahr-Marsches, wenn sie die „Hysterie des Körpers“ spüren?

Joey Kelly: Einfach nicht aufgeben: starten und ankommen. In einem Wettbewerb ist es meistens einfacher als allgemein, weil du einfach ein klares Ziel hast. Du hast ein Startfeld, du hast Verpflegungsstellen, im Sommer ist gutes Wetter, die Strecke ist toll und gut organisiert, es gibt viele Helfer und gefühlt alle kommen an.

Wenn ich mir plötzlich vorstellen könnte, in drei Monaten den Rhein-Ahr-Marsch in Angriff zu nehmen: Was müsste ich beim Training beachten?

Kelly: Es ist eigentlich relativ einfach. Du musst dich anmelden.

Das ist einfach. Und dann?

Kelly: Dann kommt der halbe Druck schon von alleine. Dann hast du drei Monate Zeit. Am Anfang würde ich keinen Kaltstart machen: Wer nicht besonders trainiert ist, sollte damit anfangen, jeden zweiten Tag zu trainieren – eine Dreiviertelstunde bis zu einer Stunde. Dann steigerst du dich und in den letzten vier bis sechs Wochen trainierst du bis zu fünfmal in der Woche. In den letzten drei Tagen vor dem Start pausierst du, und dann starte einfach und genieße. Du wirst dich wundern, wie viele Menschen starten, denen man das niemals im Leben zugetraut hätte. Sie tun es nur, weil sie kopfstark sind, Erfahrung haben und im Ziel ankommen. Das schafft jeder, der gesund ist.

Startpunkt und Zielort beim Rhein-Ahr-Marsch ist Rheinbach. Sie wohnen im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Könnten Sie sich vorstellen, an den Start zu gehen, um am Rhein, an der Ahr und in der Voreifel eine ganz andere Natur zu erleben als am Südpol oder im Death Valley?

Kelly: Definitiv. Ich habe schon mal einen 24-Stunden-Marsch mitgemacht. Ich finde es genial. Die Stimmung ist absolut großartig. Ich habe mal einen in Kassel gemacht und auch zwei andere – jeweils in Teams. Wir sind in Teams gestartet, bei denen ich der Guide, das Maskottchen oder der Clown war – je nachdem. Meine Aufgabe war es, die Gruppe ein wenig zusammenzuhalten und meine Erfahrungswerte einzubringen.

Wie fühlt es sich an, nach 24 Stunden endlich im Ziel anzukommen?

Kelly: Du musst dich selbst quälen, selbst ins Ziel kommen. Das ist genial, einfach ein unfassbares Gefühl. Wenn du im Ziel bist, hast du dich körperlich verausgabt. Dann bist du stolz darauf, und es steckt an. Wenn ich es dieses Jahr nicht schaffen werde mitzumachen, möchte ich 2020 definitiv mit dabei sein.

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