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Weilerswist: Sohn soll Eltern getötet haben

Totes Ehepaar in Weilerswist : 30-jähriger Sohn räumt Tötung seiner Eltern ein

Ein 30-Jähriger soll am Dienstag in Weilerswist seine Eltern getötet haben. Eine Mordkommission der Bonner Polizei ermittelt. Es gibt Hinweise, dass der Sohn während der Tat unter dem Einfluss von Drogen stand.

Rot-weißes Absperrband flattert im Wind rund um das gut gepflegte Einfamilienhaus in Weilerswist. Eine Nachbarin, die in unmittelbarer Nähe des Gebäudes wohnt, in der am späten Dienstagabend zwei Menschen getötet worden sind, ist am Donnerstagvormittag noch immer fassungslos über das, was sich in dem Gebäude mit den orangeroten Klinkersteinen zugetragen haben soll.

Am Mittwoch hat ein Haftrichter in Bonn Haftbefehl wegen zweifacher Tötung gegen einen 30 Jahre alten Mann aus Weilerswist erlassen, der seinen 62 Jahre alten Vater und seine 60 Jahre alte Mutter in der Nacht zu Mittwoch offenbar im Streit getötet haben soll. Die Haustüre ist am Donnerstag noch polizeilich versiegelt. Einige aufgeklebte Pfeile am Türrahmen weisen auf Indizien der Spurensicherung hin.

„Absolut nichts hat auf dieses Drama hingewiesen“, sagt die Nachbarin dem General-Anzeiger. Ihre Nachbarn bezeichnet sie als „sehr freundlich, nett und umgänglich – auch deren Sohn“, so die Frau. Noch am Dienstag, dem Tag der erschütternden Tat, habe sie mit der 60 Jahre alten Mutter des Tatverdächtigen gesprochen und „alles ist in Ordnung gewesen“, so die Nachbarin.

Mutter wählte den Notruf

Am Dienstagabend um 20.09 Uhr hatte die Mutter den Polizeinotruf gewählt und den Beamten am Telefon mitgeteilt, dass ihr Sohn gerade ihren Mann attackiert. Kurz darauf brach das Gespräch urplötzlich ab, berichtete die Polizei in einer Mitteilung.

Als Beamte der Polizei Euskirchen wenig später eintreffen, finden sie die 60 Jahre alte Frau und ihren 62 Jahre alten Ehemann leblos und blutüberströmt vor. Beide sind noch am Tatort an ihren schweren Stichverletzungen gestorben.

Im ersten Stock des Hauses entdecken die Beamten den 30 Jahre alten Sohn des Ehepaares in seinem Zimmer. Die Polizisten stellten bei ihm ein Messer sicher, von dem sie anhand der Spurenlage davon ausgehen, dass es sich um die Mordwaffe handelt. Noch am Dienstagabend hatte die Bonner Kriminalpolizei, die für Kapitalverbrechen im Kreis Euskirchen zuständig ist, eine Mordkommission unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Norbert Lindhorst in enger Abstimmung mit Oberstaatsanwalt Robin Faßbender eingerichtet.

30-Jähriger wollte fliehen

Nachdem die gerufenen Polizisten den 30-Jährigen zum Geschehen in dem Einfamilienhaus befragt hatten, habe dieser zu fliehen versucht, berichtet Oberstaatsanwalt Robin Faßbender. Den Beamten sei es aber gelungen, den Mann trotz erheblichen Widerstands vor seinem Elternhaus zu überwältigen und festzunehmen.

In einer ersten Vernehmung habe der Tatverdächtige eine laut Faßbender „massive Gewaltanwendung“ gegenüber seinem Vater und seiner Mutter eingeräumt. Als Geständnis sei diese Aussage allerdings noch nicht zu werten, da die Aussagen zunächst überprüft werden müssen. Auch zur Motivation seiner Tat habe sich der 30-Jährige, der mit seinen Eltern unter einem Dach wohnte, geäußert, Details nannte der Oberstaatsanwalt im Hinblick „auf weitere notwendige Ermittlungen in dieser Sache“ nicht. Fest stehe aber, dass der Sohn seinen Eltern „zahlreiche Messerstiche“ zugefügt habe.

Hinweise auf Einfluss von Drogen

„Es gibt Hinweise“, sagt Faßbender, „dass der Tatverdächtigte während der Tat unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol gestanden hat.“ Außerdem haben die Ermittler Kenntnis darüber erlangt, dass der Sohn an einer psychischen Erkrankung litt. Welche Auswirkung diese Erkrankung für den Verhafteten mit sich geführt habe, sei noch Teil der Ermittlungen. Ebenso unklar ist, ob er einen Beruf gelernt und ausgeübt hat. Fest stehe lediglich, dass er zurzeit arbeitslos sei und aktuell an einer Umschulungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit teilnehme, so der Oberstaatsanwalt.

Eine Nachbarin der Opfer beschreibt den 30-Jährigen als „unauffälligen und stets freundlichen Menschen“. Sie könne sich solch einen Gewaltausbruch nicht erklären. Der Schock sitze in der gesamten Nachbarschaft tief. „Es ist ein Drama“, sagte sie.

*Zunächst hatte die Polizei Bonn irrtümlich mitgeteilt, die Tat habe in Swisttal stattgefunden. Dies wurde inzwischen auf Nachfrage von der Leitstelle richtiggestellt. Die Kriminalpolizei in Bonn ist zuständig für Kapitalverbrechen im Kreis Euskirchen.