GA-Serie "Rheinische Redensarten": Isch han Höpp am Been

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Isch han Höpp am Been

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Zahlreiche rheinische Redensarten betreffen Lebensregeln und Verhaltensratschläge. Oft stammen sie aus dem häuslichen und bäuerlichen Sektor. Meist haben sie eine konkrete Alltagsbedeutung und dazu eine übergeordnete – Stichwort: Meta-Ebene.

Im vorliegenden Fall ist das anders. Hier geht es rein um eine medizinische Anamnese. „Isch han Höpp am Been.“ Das ist zwar leicht zu verstehen, aber schwer zu übersetzen. Am ehesten vielleicht mit: Ich haben Beschwerden am Bein, weshalb ich hinke.

Wenn man das bönnsche Wörterbuch von Herbert Weffer zu Rate zieht, dann nennt man eine hinkende Person auch Höppebeen oder schöner: Höppelepöpp.

Höppemötzje nennt man übrigens das Kästchenhüpfen auf dem Schulhof. Wir erinnern uns: Meist waren es die Grundschulmädchen, die in der großen Pause mit Kreide ein paar Quadrate auf den Boden malten und dann mit einigem Geschick nach besonderen Regeln auf einem oder beiden Beinen über die Kästchen hinweghüpften. Besonders schön ist, dass das Spiel eigentlich nie so richtig aus der Mode gekommen ist und noch heute zum Spielerepertoire in den Schulen gehört. Aber um beim medizinischen Aspekt zu bleiben müssen wir ganz klar unterscheiden zwischen vorübergehendem und lebenslangem Höpp am Been. Da sind die einen, die sich vielleicht sogar bei einer sportlichen Betätigung den Fuß umgeknickt haben und über einige Tage oder Wochen hinken. Das kann sehr schmerzhaft und lästig sein, aber es hat irgendwann ein Ende.

Schlimmer ist es, wenn jemand ein Leben lang humpelt, etwa weil er einen Klumpfuß hat. Das war in früheren Zeiten gar nicht mal so selten und konnte die unterschiedlichsten Ursachen haben.

Da derjenige dann nicht in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte, war das auf dem Land oft ein Grund dafür, dass er eine Sonderstellung hatte, was nicht immer positive Auswirkungen hatte.

Oft mussten sich die Betroffenen von Kindesbeinen an mit Hänseleien herumschlagen. Und manchmal fand die offensichtliche Behinderung auch Widerhall in abwertenden Spitznamen. So wurde in unserem Dorf die humpelnde Elisabeth von allen nur Höppelisje. Unnötig zu sagen, dass sie es nicht leicht hatte. Sie galt als Original im Dorf. In der direkten Ansprache verzichtete man allerdings genauso konsequent auf das Suffix „Höppe-“, wie man es hinter ihrem Rücken konsequent benutzte.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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