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Künstlerforum: Unbunt, aber nicht farblos

Künstlerforum : Unbunt, aber nicht farblos

Schlanke Röhrchen, verbacken wie die Kalkhüllen von Würmern an der Nordsee, sieht man am Boden, und auf Podesten mal eine Rolle mit wulstigen Oberflächen, mal kantige Körper in rätselhafter Durchdringung. An den Wänden aber fordern gemalte und gezeichnete Szenarien aus graden Linien das Auge heraus.

Keramik von Brigitte Wüster und Malerei von Jürgen Middelmann sind im Künstlerforum (Küfo) präsent, wo sie, jeder ganz eigenständig, dennoch einen prickelndem Dialog führen. Um nichts Geringeres als um Struktur und Form, zwei Säulen des Gestaltens, geht es in der Ausstellung. Überdies loten beide Künstler das Spannungsfeld von Hell und Dunkel aus.

In Remagen machen sie anschaulich, wie selbstverständlich ein perfektes Zusammenspiel von Bild- und Objektkunst funktionieren kann. Denn die Exponate korrespondieren miteinander, ohne sich ins Gehege zu kommen und liefern jeweils Impulse zur Reflektion über Raum und Zeit, Festes und Durchlässiges. Da überrascht es nicht, dass niemand in ihrem unbunten Zusammenspiel die Farbe vermisst.

Zur Vernissage hießen Küfo-Mitglied Rosmarie Feuser und der Beigeordnete Rolf Plewa willkommen. Als Glücksfall erwies sich Kunsthistorikerin Heidrun Wirth, die aus der tiefen Kenntnis der gezeigten Arbeiten Wege des Sehens eröffnete. 2013 begann der 1962 in Wuppertal geborene Middelmann, der an der Freien Kunstakademie Rhein/Ruhr in Essen studiert hat und in Bonn lebt, mit den schwarz-weißen Arbeiten, in denen einzig waagerechte und senkrechte Striche regieren: "Alles wird über dieses Koordinatensystem entwickelt", sagt der Maler, dem es wichtig ist, "die Dinge einfach zu machen - ein Pinsel, eine Farbe - und aus der Einfachheit Varianten zu schaffen".

Zudem ringt er in den vermeintlich gegenstandslosen Bildern mit der Frage "was ist abstrakt, was ist gegenständlich". Betrachter glauben zuweilen einen Vorhang zu sehen oder Licht, das auf Wasser oder einen Teppich fällt. "Das Licht bestimmt den Raum", stellte Wirth fest, die erläuterte, wie differenziert dies geschieht: "Das Licht kann rieseln oder wie ein Keil vorstoßen, es kann sich wie durch einen Trichter fallen lassen, es kann wie die Gischt am Meeressaum in kleinstem Gekräusel aufeinander zustoßen." Middelmann treibe das Konkrete bis zu jenem Punkt, "wo es mystisch" wirkt.

Wie der Maler setzt auch die 1964 in München geborene Brigitte Wüster, sie studierte Keramik in Genf und Freie Kunst-Keramik in Koblenz, ihre Gebilde aus "Bausteinen" zusammen. Die Aufbautechnik mit Ton-Wülsten wurde schon in der Steinzeit von der Töpferscheibe überholt, doch erzeugt sie ein lebendiges Relief und lässt die menschliche Hand durchblicken.

Wenn Wüster mit Terra Nigra, einem bei hohen Temperaturen zu brennenden Steinzeugton gestaltet, geht sie meist von der zylindrischen Grundform aus, gestaltet aber auch eckige Körper. Interessant ist das Verhältnis der Teilformen zueinander und zur Gesamtform sowie der dunklen Flächen und hellen Durchblicke.

Verbindung, Trennung und Annäherung werden im Material der nur auf den ersten Blick einfachen Arbeiten vollzogen. Tatsächlich handelt es sich um raffinierte Durchdringung, schwer zu begreifen, wie die Beziehung zweier Personen, die Wüster visualisieren will.

Die Ausstellung läuft bis einschließlich 6. Dezember. Sie ist samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Beim Remagener Nikolaus-Markt gelten folgende Öffnungszeiten: Samstag, 5. Dezember, 11 bis 19 Uhr sowie Sonntag, 6. Dezember, 11 bis 18 Uhr.