Blick in landwirtschaftliche Betriebe: Tag der offenen Höfe in Gelsdorf

Blick in landwirtschaftliche Betriebe : Tag der offenen Höfe in Gelsdorf

Dank der Möglichkeit, wieder einen Blick hinter die Kulissen der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Grafschaft werfen zu können, lockte auch die 22. Auflage Tausende Besucher an.

„Entschuldigung, können Sie mir vielleicht sagen, wo ich hier einen Stall mit echten Kühen finden kann?“ Fragend blickte am Samstag ein älterer Herr mit seinem Enkel an der Hand durch die Bonner Straße in Gelsdorf und sprach Passanten an. Gerne wurde den beiden der Weg in die Stallung von Thomas Gerharz gewiesen. Dort warteten sie, die echten Kühe, die der Junge wohl zum ersten Mal im Leben sah. Genau für dieses Publikum wurden in Gelsdorf vor mehr als 20 Jahren die „Tage der offenen Höfe“ ins Leben gerufen.

Und die haben auch nach 22 Jahren noch nichts von ihrer Beliebtheit eingebüßt, nach wie vor kommen die Menschen überwiegend aus den umliegenden Ballungsräumen in Scharen. Das war besonders am Sonntag so. Am Auftakttag hatten die Standbetreiber vor allem im oberen Bereich der Bonner Straße, die zur großen Fußgängerzone geworden war, den Eindruck, es wären weniger Menschen als sonst unterwegs. Schon vor 18 Uhr schlossen einzelne Stände. „Aber bei uns war der Döppekooche wieder der Renner. Wir haben so viel verkauft, wie im vergangenen Jahr“, so das Zwischenfazit von Martina Ernst an ihrem Partyservicestand.

Über die sonst viel befahrene L 81, die wegen der Veranstaltung gesperrt war und auf der quer stehende Lkw und Anhänger nach den jüngsten Terroranschlägen ein Gefühl der Sicherheit verbreiten sollten, flanierten die Menschen. Es knatterte nur ab und zu ein alter Hanomag R435. Der Traktor aus dem Jahr 1960 war Teil einer Ausstellung historischer Trecker, die hin und wieder auch zu Rundfahrten einluden. Mit den riesigen Landmaschinen von heute hat der Hanomag, der seinerzeit stolze 12 000 Mark kostete, nichts zu tun.

Waren er und die anderen alten Traktoren Hingucker für die älteren Gäste, so sorgten die modernen Gerätschaften zur Bearbeitung der Äcker mit ihren mannshohen Reifen bei den kleinsten Gästen für große Augen. Solche Riesen hatten viele noch nie gesehen. Das galt aber auch für vieles andere, was bei den offenen Höfen zu sehen, zu riechen oder zu schmecken war – Landwirtschaft pur eben.

Kuhherde weckt Interesse

Die Mutterkuhherde der Limousin-Fleischrinder weckte besonders viel Interesse. Den ganzen Rummel im riesigen Stall steckten die Tiere dabei locker weg, auch wenn sie die Hälfte ihrer sonstigen Aufenthaltsfläche dem Nachwuchs zum Spielen im Stroh überlassen und sich dabei unentwegt streicheln lassen mussten. Das war vor allem für die Kinder einen Tag lang wie „Ferien auf dem Bauernhof“.

Tiere aus den umliegenden Wäldern hatte die Kreisjägerschaft in ihrer Waldschule mitgebracht. Die waren zwar alle ausgestopft, zogen aber dennoch viele Blicke auf sich. Dass die Tiere den Menschen in erster Linie als Nahrung dienen, konnte man an allen Ecken und Enden schmecken. Produkte vom Wildschwein, wie Gulasch oder Bratwurst, dufteten lecker. Gleiches galt für Porchetta, gefülltes Schwein aus der italienischen Küche. Tierisch gute Produkte waren aber auch Wurst oder Käse, vor allem der Ziegenkäsestand auf dem Bio-Obsthof von Johannes Nachtwey war umlagert.

Selbstbedienung bei Saft und Obst

Groß auch das Angebot an Honig und anderen Bienenprodukten. Äpfel und Birnen waren die Renner, mehrmals am Tag mussten die großen Holzboxen nachgefüllt werden. Selbstbedienung war angesagt, seinen Beutel konnte man bei den zahlreichen Obstbauern beliebig füllen. So manch ein Gast hatte schwer zu tragen, die Tüte Obst in der einen, den Kanister Saft in der anderen Hand. Denn das, was die Obstbauern geerntet hatten, gab es auch in flüssiger Form, mit und ohne Alkohol. Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Quittensaft ging in großen Mengen über die Ladentheken.

Was gibt die Grafschafter Landwirtschaft noch her? Kartoffeln gab es säckeweise zu verkaufen, Eier von freilaufenden Hühnern fanden neue Besitzer, Rübensirup aus dem nahen Meckenheim war gefragt. Und auch für die Chicorreé-Zucht von Theo Münch begeisterten sich die Besucher. Den Andrang in Gelsdorf wollten aber auch ganz andere Anbieter nutzen. Da gab es Besen aus natürlichen Materialien, Senf in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, aber auch Holzspielzeug, Antikes und Trödel.

Nur an den Glühwein- und Punschständen herrschte kein Hochbetrieb, dafür war es einfach zu warm.

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