Ehrenamt gewürdigt: Dialog im Ringener Bürgerhaus zu Flüchtlingen

Ehrenamt gewürdigt : Dialog im Ringener Bürgerhaus zu Flüchtlingen

Ehrenamtliche, Vertreter der Ökumenischen Flüchtlingshilfe (ÖFH) und der Caritas sprachen auf Einladung der Gemeindeverwaltung und Asylbewerbern über das „Miteinander“ in Ringen.

Rund 80 Betroffene und Vertreter der Ökumenischen Flüchtlingshilfe (ÖFH), von Caritas sowie Ehrenamtliche folgten der Einladung der Gemeindeverwaltung und Asylbewerbern, die das „Miteinander“ in den Mittelpunkt rücken wollten.

Viele der 84 auf der Grafschaft wohnenden Flüchtlinge, von denen 27 noch nicht anerkannt sind, brachten zum Dank für den Einsatz der Helfer in den vergangenen zwei Jahren eine landestypische Speise mit. So entstand in kürzester Zeit ein internationales Büfett mit Köstlichkeiten aus Syrien, Iran, Eritrea, Afghanistan oder Armenien, das nach dem offiziellen Teil zum Verweilen und besseren Kennenlernen verleitete.

Schon im Vorfeld hatte das Verwaltungs-Quartett mit Edgar Schwanz (Fachbereichsleiter), Lisa Helm und Franziska Eitle (Asyl) sowie Dolmetscher Imad Mardo sich die Mühe gemacht, Fluchtgründe, erlernte Berufe, Willkommenskultur, Erfahrungen, Integrationserfolg und Zukunftswünsche abzufragen und zu Papier zu bringen. „Krieg“, „Kein Job“, „Angst um die Familie“ standen dann „Sicherheit“, „Eigene Wohnung“, „Familiennachzug“ und „Neuen Freundeskreis aufbauen“ gegenüber. Auf die Frage „Haben Sie sich in der Grafschaft willkommen gefühlt?“, antwortete nur einer mit „Nein, selten hat uns jemand geholfen“. Alle anderen lobten die Hilfsbereitschaft der neuen Nachbarn, die Bemühungen der Verwaltungsmitarbeiter und die Tatsache, dass Mardo schon früh als Arabisch-Dolmetscher parat stand.

Vermisste der eine seine Kinder, die noch nicht in Deutschland sind, fühlten sich andere im Kindergarten, Verein oder Spielkreis „angekommen“ und angenommen. „Bürokratie“, „Viele Vorurteile und befremdliche Blicke“, „Lange Dauer von Familienzusammenführung, Wohnungssuche und Kindergartenplatz- sowie Sprachkurszuweisung“ führten die Negativliste an.

Wiederum wurde der Umstand, dass der Lantershofener Mediziner Rainer Böhm jeden Montag im Rathaus eine Sprechstunde abhält und sich um annähernd 100 Patienten kümmert – eine einmalige Besonderheit im Kreis – als sehr positiv empfunden. „Sie haben vor der Bundestagswahl genug Reden über 'Asyl' und 'Flüchtlinge' gehört“, so Bürgermeister Achim Juchem in seiner Begrüßung. „Mir drängte sich da oft der Eindruck auf, dass über und nicht mit den Menschen gesprochen wurde.“ An die Ehrenamtlichen gewandt lobte er: „Sie haben fantastische Arbeit geleistet. Ihre freie Zeit hätten Sie auch anders verbringen können, aber es war wertvolle Zeit.“ Auf die laufenden Koalitionsverhandlungen ging ÖFH-Vorsitzender Werner Rex ein. „Wir wissen noch nicht, wie es in Sachen Familiennachzug weitergeht.“ Und: „Alle aus Afghanistan stammenden Flüchtlinge haben leidvolle Erfahrungen gemacht. Wir halten eine Abschiebung für nicht vereinbar mit unseren Gesetzen.“

Ohne Ehrenamt funktioniert die Integration nicht

„Sorgenkinder“ seien die 18- bis 25-Jährigen mit Fluchterfahrung, die nicht unter „integrationsfördernde Maßnahmen“ fallen. „Die Bad Neuenahrer Berufsbildende Schule hat Integrationsklassen eingerichtet. Wir müssen diese jungen Menschen von der Straße holen.“ Rex appellierte an die Ehrenamtlichen, die Unternehmer kennen, den oft hoch qualifizierten Flüchtlingen Praktika in Betrieben zu ermöglichen, aber auch an die Betroffenen, die Deutschkurse zu nutzen. Die gibt es auf der Grafschaft wegen geringer Nachfrage derzeit nicht, so Schwanz, der mittels Grafik darstellte, dass derzeit nur zwei Flüchtlinge pro Monat der Grafschaft zugeteilt werden. Er nannte noch einmal wichtige Ansprechpartner und die Unterstützungsmöglichkeiten durch die Gemeinde in Form von Bereitstellung eines Minivans, Zuschüssen für die Integration der Kinder in Vereinen oder Übernahme der Fahrtkosten für Ehrenamtliche, die mit Asylbewerbern zu Arzt oder Amt fahren.

Dann ergriff der syrische Schneider Hassan das Wort. „Ich habe von den Bürgern die Sprache gelernt, die Gemeinde hat mir die Möglichkeit gegeben, Assistent des Hausmeisters zu werden. Herzlichen Dank.“ Ein junger Iraner war vor zwei Jahren in die Ahrweiler Aufnahmeeinrichtung gekommen. „Alle wollten dort raus, nach fünf Monaten war es schwer zu gehen“, sagte der in Holzweiler lebende junge Mann, der alle Verantwortlichen darum bat, „ein ruhiges und friedliches Leben zu ermöglichen“. Als „Flüchtling aus dem Schwabenland“ trat Reinhold Mang aus Leimersdorf ans Mikro. Er hatte vier jungen Afghanen geholfen, sie eingekleidet, Deutsch mit ihnen gelernt. Heute nennt er sie seine Söhne. „Was wir jetzt brauchen: offene Herzen, Wohnungen, Ausbildungsplätze, Arbeit, Beschleunigung der Asylverfahren. Mein Anspruch: Die Menschen begleiten, denn ohne Ehrenamt läuft bei der Integration gar nichts.“

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