Glosse: Amseln: Ab in den Süden

Glosse : Amseln: Ab in den Süden

Forscher untersuchten das Zugverhalten von Amseln. Der Vogel ist nicht der klassische Standortvogel, sondern gehört zu den Teilziehern. vor allem die Weibchen zieht es im Winter in den Süden, die Männchen bleiben hier, weil sie sich so zum Brutstart bessere Chancen ausrechnen.

Der Winter ist nicht jedermanns Sache, so auch bei den Vögeln. Zugvögel sind bekannt dafür, dass sie sich beim ersten kühlen Lüftchen im Herbst aus dem Staub machen und erst bei wärmeren Temperaturen im Frühjahr zurückkehren. Dazu zählen die Schwalben, der Kuckuck, der Mauersegler und die Kraniche.

Daneben gibt es die Standvögel; also jene, die hier treu im Winter ausharren und uns vielleicht am Futterhäuschen besuchen – allen voran die Blaumeise, der Sperling und auch die Amsel. Letztere allerdings legt sich dabei nicht ganz so fest. Amseln gehören zu den Teilziehern: Manche bleiben hier, manche zieht's in den Süden.

Welche Auswirkungen das auf ihre Gesundheit hat, untersuchten Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für Ornithologie in Radolfzell. Sie versahen 500 Amseln mit Peilsendern und Ringen und beobachteten sie von 2009 bis 2016. Jetzt geben sie ihr Ergebnis bekannt: Egal, ob die Tiere wegziehen oder bleiben, der Winter zählt zu den kritischsten Phasen im Leben einer Amsel.

Aber: Wenn Amseln den Winter im Süden verbringen, überleben sie ihn häufiger. Der Flug sei zwar gefährlich, aber am Ziel ist es wärmer, und es gibt genug Nahrung – die Überlebenschance steigt. Soll heißen, die Wärme tut den Tieren gut.

Interessant ist auch das unterschiedliche Zugverhalten von Amselweibchen und -männchen: Denn sie zieht es tendenziell häufiger in den Süden als ihn. Als Grund vermuten die Forscher allerdings keine gesteigerte Reiselust, sondern wohl eher das Kalkül der Männchen, durch Ausharren in der Kälte beim Start der Brutsaison hierzulande den Schnabel vorn zu haben.

Während sich die männliche Konkurrenz noch auf dem Rückflug befindet, sichern sich die Winteramselmänner bereits die besten Brutplätze.

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