Wildvögel füttern: „Es lohnt sich, wenn man's richtig macht“

Wildvögel füttern : „Es lohnt sich, wenn man's richtig macht“

Der Bonner Nabu-Vorsitzende Alexander Heyd empfiehlt, Wildvögel im Winter zu füttern - aber richtig. Das heißt: Ausschließlich artgerechte Nahrung anbieten und dabei auf Hygiene achten.

Seit Wochen schon werden Futter, Ringe und Knödel sowie Häuschen zur Fütterung der Wildvögel im Handel angeboten. Viele Tierfreunde freuen sich über erste Besucher am gefüllten Futterstand. Andere wiederum halten dieses Angebot für überflüssig.

Ist die Vogelfütterung hilfreich oder nicht? „Befragt man drei Experten dazu, erhält man fünf Antworten. Ich bin der Meinung, das lohnt sich in jedem Fall, wenn man's richtig macht“, sagt Alexander Heyd, Vorsitzender vom Naturschutzbund (Nabu) Bonn.

Heyd füttert selbst und verbraucht rund 100 Kilogramm Futter pro Winter. Er schätzt, dass allein in Bonn an rund 5000 privaten Futterstellen Zehntausende Wintervögel fressen. „Das ist schon viel und lohnt sich allein aus pädagogischen Gründen, weil Kinder so die unterschiedlichen Vogelarten sehen und erleben können“, sagt er.

Vor allem aber profitieren die Vögel davon, besonders auch im Hinblick auf die ohnehin bestehende Nahrungsknappheit. „We-gen der intensivierten Landwirtschaft finden die Insektenfresser im Sommer weniger Futter und die Wintervögel im Winter auch weniger Samen, Gräser und Beeren.“ Ihnen im Winter Futter anzubieten, sei deshalb sinnvoll.

Vogelfreunde sollten jedoch ein paar Dinge beachten. „Das A und O der Fütterung ist Sauberkeit an der Futterstelle“, so Heyd. Denn vergammelte und eingekotete Futterreste sorgten für die Übertragung gefährlicher Krankheiten. Wer tote oder kranke Vögel an seinem Häuschen findet, sollte deshalb die Fütterung sofort einstellen, damit andere Vögel nicht erkranken.

Wann sollte gefüttert werden?

Peter Meyer vom Nabu Bonn rät, schon im Herbst mit der Fütterung zu beginnen und bis zu zwei Esslöffel Futter täglich anzubieten. So lernen die Vögel zeitig die Futterstelle kennen und wissen, wenn es richtig kalt ist, wo sie Nahrung finden. Erst wenn es mehrere Tage gefroren hat, sollte die eigentliche Fütterung beginnen und die Menge gesteigert werden. Es sollte aber nur immer soviel ausgelegt werden, wie an einem Tag gefressen wird. So wird die Gefahr von Schimmelbildung reduziert.

Die Fütterung sollte zum Frühjahr beendet werden. „Über eine ganzjährige Fütterung gehen die Meinungen doch sehr auseinander, und wir tun uns auch schwer. Um Vögel im Sommer zu unterstützen, bieten sich im eigenen Garten auch andere Maßnahmen an, beispielsweise die Gestaltung eines naturnahen Gartens“, sagt Heyd.

Was sollte gefüttert werden?

Tabu sind Essensreste, gewürzte und gekochte Lebensmittel sowie Brot. Der Handel bietet artgerechtes Futter für Sing- und Kleinvögel, die unterschiedliche Nahrung benötigen. Allerdings sollte es keinen Ambrosiasamen enthalten, der aufgrund seiner Allergene für Mensch und Tier als gefährlich gilt.

Es gibt Weich- und Körnerfresser. Zu den Weichfressern gehören die Amseln, Drosseln, Stare, Kleiber, Rotkehlchen und Spechte. Sie bevorzugen Früchte, Insekten und Weichtiere. Über getrocknete Beeren, getrocknetes Obst, Rosinen, Haferflocken, gemahlene oder geschrotete (ungesalzene!) Nüsse und frische Äpfel oder Birnen freuen sie sich. Frisches Obst sollte aber nicht einfrieren und nur in geringen Mengen angeboten werden.

Körnerfresser sind alle Finken (etwa Buch- und Grünfinken, Kernbeißer, Zeisige, Stieglitze), Meisen und Sperlinge. Sie benötigen deshalb Samen wie Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Mohn, Lein, Rübsamen, Buchweizen und Haferflocken, aber niemals Müsli. Körner- wie Weichfresser haben beide eine Vorliebe für „Fettfutter“, das der Handel in Meisenringen und -knödeln oder auch als Streufutter anbietet und das sehr gehaltvoll ist. Spechte, Kleiber und Eichehäher mögen außerdem Walnüsse und Eicheln.

Wo sollte gefüttert werden?

Der Platz sollte den Vögel einen Rundumblick ermöglichen, um frühzeitig Gefahren wie anschleichende Katzen zu erkennen. In direkter Nähe sollte sollte ein Baum oder Strauch Zuflucht und Rastplatz bieten können. Das Futter sollte nicht nass und die Fläche gut und mehrmals die Woche mit heißem Wasser gereinigt werden. Bodenfutterplätze sollten aus Hygienegründen oft verlegt werden.

Info: www.nabu-bonn.de

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