Buchtipp: Tim Mälzer präsentiert neues Kochbuch

Buchtipp : Tim Mälzer präsentiert neues Kochbuch

Zurück zur einheimischen Küche. "Neue Heimat" heißt das neue Buch des Fernsehkochs, in dem er viele deutsche Gerichte beschreibt - aber immer auch mit ausländischem Akzent.

"Essen ist Heimat auf dem Teller." Und Heimat liegt derzeit ganz im Trend. Weine sollen Heimat widerspiegeln. Urlaub verbringen die Deutschen inzwischen am liebsten in der Heimat. Selten wurde so viel renoviert und eingerichtet, um sich selbst eine Heimat zu schaffen. "Der moderne Mensch hungert nach Heimat." Tim Mälzer hat das ganz richtig erkannt.

Wir haben uns in den letzten Jahren quasi durch die ganze Welt gefuttert. Mit Italien fing es an, durch Frankreich, Spanien, dann Asien und den Orient, zuletzt Skandinavien. Es ist also kulinarisch gesehen Zeit, in die Heimat zurückzukehren. Mit der regionalen Küche ist das zwar längst geschehen - und Mälzer hat ja auch schon vor vier Jahren das Kochbuch "Heimat" herausgebracht -, aber jetzt folgt die "Neue Heimat": "nicht brutal regional und erst recht nicht national". Deutschland schmeckt heute eben anders, mal mit italienischem, mal mit türkischem, mal mit marokkanischem Akzent.

Mälzer kocht nach einem zeitgenössischen Heimatbegriff, schlägt eine Küche vor, "die satt macht, körperlich und emotional". Gekocht wird dabei nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Das gelingt ihm ganz und gar - und bisweilen auch ganz einfach. Beim Salat mit Sauerampferdressing und Granatapfelkernen beispielsweise oder beim Ziegenkäse und Avocado mit Zitronengras-Vinaigrette.

In Hamburg lebt Mälzer, fühlt sich als Norddeutscher und entsprechend rezeptiert er auch eine Räuchermakrele in Tomatenfond oder Hering mit Bärlauch-Kartoffelsalat. Er würde aber große Teile seiner Heimatstadt ausgrenzen, wenn er daneben nicht auch den Miso-Lachs mit dicken Bohnen empfehlen würde oder frittierte Baby-Calamari mit Mango, Gurke und Chiliflocken. Und genauso gibt es Kartoffelhacktorte neben Cevapcici vom Lamm mit Hummus oder Rote Bete mit Portwein und Gorgonzola.

Die Rezepte werden begleitet von Texten, Reportagen, Interviews und Bildern von Mälzer - alles modern und attraktiv ums Essen drapiert. Und auch die Food-Fotografie ist passend zu ihm eher lässig. Nichts sieht inszeniert aus, sondern ist sehr authentisch angerichtet. Es reizt zum Durchblättern und Lesen ebenso wie zum Nachkochen. Sehr empfehlenswert, und vor allem auch geschenketauglich im Hinblick auf Weihnachten.

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