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Frühere Weizenernte wegen Hitze: Schlechte Ernte: Gibt's jetzt Brötchen-Notstand?

Frühere Weizenernte wegen Hitze : Schlechte Ernte: Gibt's jetzt Brötchen-Notstand?

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) rechnet mit einer früheren Reife des Weizens von bis zu drei Wochen - durch die Hitze bedingt. Daher würden nicht so gute Erträge erwartet, was auch Einfluss auf den Weizenpreis haben könnte.

Die Weizenernte wird in diesem Jahr nicht rekordverdächtig. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) aus Bonn rechnet damit, dass der Weizen durch die Hitze vermutlich drei Wochen früher reif wird als üblich. Normalerweise wäre Ende Juli/Anfang August Erntezeit.

In Erwartung nicht so guter Erträge hätten an der Warenbörse bereits die Getreidepreise leicht angezogen, heißt es beim RLV. Wenn die Erträge wirklich schlechter werden sollten, was man jetzt noch nicht sagen könne, dann können die besseren Preise das nicht ausgleichen.

Auch die Gerstenernte sei etwa eine Woche früher als üblich dran. Die Bestände auf sandigen Böden seien „notreif“. Notreif bedeutet, dass die Pflanze aufgrund der Hitze aufhört zu wachsen. Die Körner sind kleiner oder nicht vollständig gefüllt oder der Stärkegehalt ist geringer. „Trotzdem dürften die Erträge im Durchschnitt liegen“, teilte der RLV mit. In der Rheinschiene hat die Gerstenernte begonnen und auch in anderen Gegenden werden frühreife Bestände vom Feld geholt.

Keine erhöhte Kosten für die Brötchenproduktion

Doch die Sorge, dass Brot und Brötchen durch die schlechte Ernte teurer werden müssten, sei unbegründet, so der RLV. Denn der Anteil des Weizenpreises am Brötchen liege bei unter einem Cent. Seien die Weizenpreise niedrig, sind es etwa 0,7 Cent, sind sie hoch, sind es etwa 0,9 Cent. Strom und Energie sowie Arbeitskosten seien die Hauptkostenfaktoren. Deshalb fordert der RLV „Augenmaß“ bei der augenblicklichen Diskussion um eine mögliche Erhöhung der Brot- und Brötchenpreise.

„Wenn jemand steigende Brotpreise mit dem Weizenpreis begründet, ist das zumindest nicht die ganze Wahrheit“, äußerte sich der RLV kritisch zu Mitteilungen aus der Mühlen- und Bäckereibranche. Zur Verdeutlichung macht der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg, Theo Brauweiler, folgende Rechnung auf: Zum Brötchenbacken benötige ein Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 70 Prozent seien das nur 49 Gramm Weizen. Der Landwirt als Rohstofflieferant des Weizens bekomme bei einem Getreidepreis von augenblicklich 17 Euro pro 100 Kilogramm weniger als einen Cent. Im Jahr 2010 beispielsweise erhielten die Landwirte elf Euro pro 100 Kilogramm Weizen, das entspreche gut 0,5 Cent pro Brötchen.

Das heißt: Die Materialkosten für den Bäcker hätten sich gerade mal um 0,5 Cent pro Brötchen erhöht. Erst bei einem für Landwirte wohl schwindelerregenden Getreidepreis von 36 Euro pro 100 Kilogramm dürften Brötchen um einen Cent teurer werden, so Brauweiler.

„Der Verbraucher wird sich fragen müssen, warum Brot und Brötchen eigentlich in den Jahren fallender Getreidepreise nicht preiswerter werden“, so der RLV weiter. Dann argumentiere die Branche eben mit jenem geringen Anteil der Getreidepreise an den Gesamtherstellungskosten.

Maßgeblich für den Preis scheinen Energie- und Personalkosten zu sein. „Was damals richtig war, kann heute nicht falsch sein“, betont der RLV. Landwirte gönnten Mühlen und Bäckereien ein gutes Auskommen, bei der Diskussion um steigende Getreidepreise und die Auswirkungen auf die Brotpreise sollte man aber „den Ball wohl eher flacher halten“, so der RLV.