1. News
  2. Politik
  3. Deutschland

Bonn: Minister rufen beim Coronavirus zu Gelassenheit auf

Zum Coronavirus : Minister rufen in Bonn zu Gelassenheit auf

Der Gesundheitsminister und die Verteidigungsministerin informieren auf der Hardthöhe über den Stand der Bedrohung durch das Coronavirus. Sie mahnen zur Ruhe, warnen vor Verschwörungstheorien – und bestätigen das Landeverbot für die Bundeswehr-Maschine mit Rückkehrern aus Wuhan in Moskau.

Am Anfang macht nur die Höhenverstellung der beiden Mikrofonständer Probleme. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer und ihr einen Kopf größerer Kollege Jens Spahn lösen die Lage pragmatisch und tauschen lächelnd die Plätze. Die Verteidigungsministerin und der Gesundheitsminister (beide CDU) stehen an diesem Samstagmittag nebeneinander im Moltke-Saal auf der Bonner Hardthöhe vor den Fernsehkameras, um zu zeigen: Die Bundesregierung hat die Bedrohung durch das Coronavirus im Griff, Verteidigungs- und Gesundheitsministerium arbeiteten gut zusammen. „In diesen Zeiten ist es wichtig, dass der Staat funktioniert“, sagt Spahn.

In diesen Zeiten. Das klingt nach Ausnahmezustand, und tatsächlich machen sich viele in Deutschland Sorgen. Gleichwohl ruft Spahn die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Ich verstehe die Sorgen der Menschen, aber ich möchte dazu auffordern, dass wir mit Wachsamkeit, aber auch mit der nötigen Gelassenheit damit umgehen“, sagt er. Am meisten Sorgen bereiteten ihm die zahlreichen Verschwörungstheorien, die im Internet um sich griffen. Diese hätten nur ein Ziel: „Unsicherheit zu verbreiten“.

Deshalb betont der Minister auch gleich zwei Mal, dass die rund 130 Passagiere, die die Luftwaffe aus der vom Ausbruch des Virus besonders betroffenen chinesischen Millionenstadt Wuhan ausgeflogen hat, symptomfrei seien. „Es kehren gesunde Menschen zu uns nach Deutschland zurück“, sagt Spahn. Zum Schutz der Betroffenen und der Bevölkerung sei es aber wichtig, dass sichergestellt werde, dass sich niemand infiziert habe.

Rückholaktion mit Hürden

Die Rückholaktion stieß indes vor unerwartete Hürden. Kramp-Karrenbauer, die sich seit Freitag in Bonn aufhielt, bestätigt Berichte, wonach die russischen Behörden die geplante Zwischenlandung des Luftwaffen-Airbus in Moskau untersagt hat. Deshalb musste die Maschine in die finnische Hauptstadt Helsinki umgeleitet werden. Man habe eine Überfluggenehmigung für den russischen Luftraum gehabt, so die Ministerin, die Landeerlaubnis sei „in Aussicht gestellt“ gewesen, aber „das hat sich jetzt anders entwickelt“. Moskau habe dies mit mangelnden Kapazitäten am Flughafen erklärt. „Was jetzt neben der offiziellen Erklärung die Gründe sind, das werden wir sicherlich in der nächsten Woche gemeinsam dann noch mit dem Auswärtigen Amt besprechen“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Die Maschine war in der Nacht in Wuhan gestartet und soll am Samstagnachmittag auf dem Frankfurter Flughafen landen. Dort sollen die Passagiere untersucht und befragt werden. Sollte jemand Symptome zeigen, soll er in die Frankfurter Universitätsklinik in eine Isolierstation gebracht werden. Die Rückkehrer werden ansonsten zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen.

Auf dem Stützpunkt Germersheim dient ein gerade grundsaniertes Gebäude als isolierte Unterkunft für die Rückkehrer. „Wir haben das Ziel, für die betroffenen Menschen die Zeit so leicht und so angenehm wie möglich zu machen“, sagt Kramp-Karrenbauer. Im Einsatz dafür seien in Germersdorf rund 80 Soldaten.

Zu Gelassenheit aufgerufen

Spahn ruft am Ende der Pressekonferenz dann noch einmal zu Gelassenheit auf. Er berichtet, wie die Angehörigen der Infizierten in Bayern teilweise von ihrer Umgebung gemieden würden, sogar die Kinder im Kindergarten. Es gebe weiterhin sieben bestätigte Infektionsfälle in Deutschland, aber die Betroffenen seien „alle in einem sehr guten gesundheitlichen Zustand“. Der Minister rät, sich zur Prävention ähnlich zu verhalten wie bei der gerade beginnenden Grippesaison: die Hände gut waschen und in die Armbeuge niesen.