Wählscheibe, VHS und Tamagotchi: Diese Technik kennen Jugendliche heute nicht mehr

Wählscheibe, VHS und Tamagotchi : Diese Technik kennen Jugendliche heute nicht mehr

Smartphone, Tablet und Virtual Reality kennen die Kids von heute. Aber schon Technik aus den 1990er Jahren dürfte ihnen Kopfzerbrechen bereiten. Wir stellen sie vor und erklären sie.

Vor gut 20 Jahren war ein klotziger Röhrenfernseher das Freizeit-Highlight für Jugendliche, und wer etwas auf sich hielt, kaufte sich vom Konfirmationsgeld einen VHS-Rekorder dazu. Technik, die heute bestenfalls noch in der Abstellkammer ihr Dasein fristet. Denn Jugendliche von heute schauen seltener Fernsehen als sie mit dem Smartphone ins Internet gehen. Wir stellen ein paar Highlights aus der alten Zeit vor.

Unsere Bildergalerie zeigt Technik, die 1998 noch zur Ausstattung in den meisten Elternhäusern gehörte. Dazu gehört neben dem Fernseher auch der Computer. Der war vor gut 20 Jahren laut der Studienreihe "Jugend Information und (Multi-)Medie/JIM" zwar schon in 78 Prozent der Haushalte zu finden, aber nur 35 Prozent der Jugendlichen hatten ein eigenes Gerät. Heute unvorstellbar ist die Internetnutzung in dieser Zeit. Gerade einmal fünf Prozent der Jugendlichen surften regelmäßig durchs Netz.

Technik, die Kinder heute nicht mehr kennen

Die Teens von damals sind die Eltern von heute und die haben ihren Spaß daran, den Kids die "Uralt"-Technik zu erklären. Auch wir versuchen es einmal: Eine Schreibmaschine beschreibt ein Blatt Papier. Will man ein zweites Exemplar haben, braucht man Kohlepapier und kräftige Fingermuskulatur. Hat man sich verschrieben, fängt man mit demselben Text noch einmal von vorne an. Eine Hörspielkassette ist ein Magnetband. Man muss es aufbewahren - und kann es nicht täglich neu downloaden. Noch komplizierter wäre das mit VHS-Kassetten, die nach Gebrauch mit lautem Geräusch zurückgespult werden müssen.

WhatsApp von damals - das war ein Brief mit einem Foto-Abzug

Ein Gameboy von damals wiegt mindestens so viel wie ein Ziegelstein - würden Jugendliche schätzen. Doch bei dem ganzen Gewicht ist seine Funktion maximal begrenzt. Ein Spiel zu dieser Zeit konnte man in den Schacht stecken. Der Bildschirm hatte nur zwei Farben. Ladekabel brauchte man nicht, denn der Ur-Gameboy verzichtete auf Akkus zugunsten von umweltschädlichen Einwegbatterien.

Analog funktionierte Ende der 1990er noch ein Großteil der Fotoapparate. "WhatsApp" von damals ging ungefähr so: Foto aufnehmen, Film entwickeln lassen - es gab den Stundenservice, der eben eine Stunde dauerte -, Fotoabzug in einen Briefumschlag stecken, ein paar Zeilen dazu auf Briefpapier schreiben und das Ganze dann mit der Post verschicken. Nach ein paar Tagen kam dann die Antwort. Praktischer war da noch die Ansichtskarte.

Laut der aktuellen Shell Jugendstudie sind viele analoge Medien für die Jugendlichen von heute obsolet. Praktisch die ganze Generation ist im Internet unterwegs. Sie verbringen durchschnittlich 18,4 Stunden in der Woche online. Die Zahlen wurden 2015 veröffentlicht. Noch 2006 waren Jugendliche weniger als zehn Stunden in der Woche online.

Soziale Netzwerke spielten 1998 praktisch noch keine Rolle. Heute stellt die Studie "Jugend und Medien 2019" fest, dass 99 Prozent der 14- bis 24-Jährigen WhatsApp nutzen, 96 Prozent sind regelmäßig bei Youtube unterwegs. Der Messenger-Dienst hat auch das Telefonieren mit Freunden in der Beliebtheit abgelöst.

Jugendliche nutzen ihr Smartphone lieber für Texte, Sprachnachrichten und Co als zum Gespräch mit ihren Freunden, stellt die Studie fest. Ab 1997 widmeten sich Jugendliche auch dem Tamagotchi zu. Das digitale Haustier kostete damals um die 60 D-Mark.

Was die "Computer-Kids" der 1980er mit ihren Computern der Sorte Commodore 64 gemacht haben, können sich heute nur noch die Nerds unter den Teens vorstellen: Viele von ihnen haben "programmiert", wie eine pädagogische Fachzeitschrift 1989 feststellte.

Die Funktion einer Floppy-Disk müssen Jugendliche heute nicht mehr kennen. Ihr Speicherplatz lag gerade einmal bei rund 166 KByte - entsprechend 0,000166 Gigabyte. Wer es retro mag, ist im Internet Archive richtig. In der digitalen Sammlung gibt es auch C-64-Software, darunter knapp 9000 Games - von "Sim City" über "Gauntlet" und "Castle Wolfenstein" bis hin zu "Crazy Cars" oder "The Last Ninja".

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