CD-Tipp: So klingt Paolo Fresus "Altissima Luce"

CD-Tipp : So klingt Paolo Fresus "Altissima Luce"

In Paolo Fresus spannendem Projekt „Altissima Luce“ begegnet Chorgesang einem Jazzquartett und einem klassischen Streicherorchester.

Fusion ist ein alter Hut, das Amalgam aus Jazz und Rock oder Soul. Auch Jazz und Klassik sind Verbindungen eingegangen. Aber bislang nicht so betörend, ergreifend wie das neue Projekt des Jazztrompeters Paolo Fresu, der mit dem Akkordeonisten Daniele di Bonaventura eine aberwitzige Komposition auf die Beine gestellt hat: Jazz (ein Quartett mit Trompete und Akkordeon plus Schlagzeug und Kontrabass) trifft auf ein klassisches Streicherorchester aus Perugia und mittelalterlichen Chorgesang. Entrückt singt das Ensemble Gruppo Vocale Armoniosoincanto aus dem Werk „Altissima Luce – Laudario die Cortona“ aus der toskanischen Stadt Cortona, das Lobgesänge auf Maria beinhaltet. Genau handelt es sich um den Codex Ms. 81 der Etruskischen Akademie.

Aufgefangen durch breiten, satten Streicherklang erzeugen die Choristen eine feierliche Stimmung, in die Fresu mit getragenen Melodien wunderbar warm einstimmt. Wenn dann das Akkordeon eine geradezu folkloristische, tänzerische Weise einstreut, mutiert das Orchester zur Perkussionsmaschine.

Zauberhafter Dialog

Es ist ein zauberhafter Dialog, der sich da auf der Strecke der 13 Stationen des Marienlobs entspinnt. Spannend ist der Kontrast zwischen ätherischer Chormusik, die jede der einzelnen Stationen eröffnet, und dem mächtig anschwellenden Orchesterklang, der die einzelnen Stücke vom Mittelalter in die Romantik bisweilen in die Opulenz süffiger Filmmusik katapultiert.

Dass in diesem Milieu auch feinster Jazz seine Möglichkeiten findet und nutzt, ist bemerkenswert: „Laude Novella Sia Cantata“, das dritte Stück des Marienlobes, bietet Fresu und Bonaventura ein reiches Improvisationsfeld. Gerade die Trompete hat hier – mitunter elektronisch zum kompakten Bläsersatz aufgebrezelt – tolle Momente, die sich dem ätherisch-himmlischen Singsang entgegensetzen. Ein Hauch von Höllenglut.

Musikalisch ist Fresus neues Projekt hochkomplex, voller Überraschungen und klanglichen Entdeckungen. Zudem wunderbar abwechslungsreich und mit besonderen Farben. Auch das Album selbst ist etwas Besonderes – in Anlehnung an die mittelalterliche Notenhandschrift ist es querrechteckig, und der erste Text im Booklet ist auf Latein.

Paolo Fresu, Daniele di Bonaventura: „Altissima Luce – Laudario di Cortona“ (Tuc Music)