Kommentar zum Handwerk : Azubis fördern

Der Handwerkspräsident verspricht: Die Rückkehr zur Meisterpflicht sorgt für mehr Kapazitäten, dadurch sinken Preise. Von der Politik fordert er Entlastungen für Azubis.

Auf den dringend benötigten Handwerkerbesuch müssen Kunden oft wochenlang warten.  Die Auslastung der Betriebe ist hoch, und es fehlt an Nachwuchskräften. Wirtschaftlich geht es vielen Gewerken blendend. Über kurz oder lang werden die Kunden für deren Dienste wohl tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnet zwar mit fallenden Preisen, weil durch die Wiedereinführung des Meisterzwang in einigen Berufen mehr Wettbewerb entstehen soll.

Doch realistisch ist ein anderes Szenario. Es werden zu wenige junge Leute ausgebildet. Das betrifft vor allem Berufe mit schlechtem Image, etwa dem des überall benötigten Klempners. Auch fällt es vielen aus Altersgründen ausscheidenden Meistern schwer, einen Nachfolger zu finden. Unter dem Strich führt dies zu einem abnehmenden Angebot und eher zu steigenden Preisen.

Hinter dieser Entwicklung stehen neben der demographischen Entwicklung, also einer sinkenden Zahl von Schulabgängern, Fehler von Betrieben und Politik. Ein sicherer Bürojob oder ein Studium ist für zu viele junge Leute attraktiver als etwa die Arbeit auf dem Bau. Das Studentenleben mit vielen Vergünstigungen lockt mehr als eine 40-Stunden-Woche mit einer geringen Vergütung. Allein mit einer Imagekampagne wird sich an diesem Nachteil des Handwerks nichts ändern. Es muss auch finanziell attraktiver werden, dort eine Ausbildung anzustreben. Die Vorschläge des Zentralverbands, Azubis ähnlich zu fördern wie Studenten, könnten positiv wirken. Am Ende haben davon alle etwas. Denn irgendwann braucht jeder mal einen bezahlbaren Fachmann oder eine bezahlbare Fachfrau.