Flüchtlingshilfe in Bonn: Zwei Syrer berichteten über ihren Weg nach Deutschland

Flüchtlingshilfe in Bonn : Zwei Syrer berichteten über ihren Weg nach Deutschland

Die Flüchtlingshilfe kann nach wie vor engagierte Unterstützer gebrauchen. Deshalb freute sich Ralf Knoblauch, Diakon der Gemeinde Sankt Laurentius in Lessenich, sehr über das rege Interesse an dem Vortrag zweier Syrer, die im Familienzentrum über ihre Flucht und ihr Leben in Deutschland berichteten.

Der Termin war bewusst gewählt, denn es war der Jahrestag des Satzes „Wir schaffen das“, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel am 31. August 2015 für eine heftige Debatte sorgte.

Bashar Abdo und Nidal Rashow hatten es zu dem Zeitpunkt längst nach Deutschland geschafft. Beide flohen aus ihrem Heimatland Syrien vor dem Krieg, oder besser gesagt: vor dem Militärdienst, der sie gezwungen hätte, in diesem Krieg zu kämpfen und IS-Terroristen, aber auch Zivilisten, töten zu müssen. Die beiden berichten regelmäßig über ihre Flucht und ihr Leben in Deutschland.

Die Veranstaltung in Lessenich begann mit der Vorführung der Trommelgruppe von Marc Vandamme, einem Film zu Syrien und endete mit einem Empfang. Dazwischen berichteten die Flüchtlinge: Abdo, 26 Jahre alt, machte sich kurz nach Abschluss seines Computertechnik-Studiums mit dem Auto auf den Weg in die Türkei.

Sechs Monate lang arbeitete er in Istanbul unter teils unwürdigen Zuständen, um Geld für die Schlepper zu verdienen, die ihn und andere nach Griechenland bringen wollten. „Ich habe legale Wege gesucht, aber die gab es nicht. Erst im zweiten Anlauf konnten sie Griechenland erreichen und machten sich auf den Weg nach Italien.

An der Grenze hielt die Polizei sie auf, also versuchten sie es über Serbien. Abdo kam bis nach Skopje, wo ihn die Polizei wieder nach Griechenland schickte. Dort verschaffte man ihm einen illegalen Reisepass, mit dem er über Belgrad und Paris nach Hamburg fliegen konnte, wo er seinen Asylantrag stellte. In Bonn macht er derzeit ein Praktikum bei der Telekom.

Der Englischlehrer Rashow flog zunächst nach Algerien, reiste dann durch die Wüste nach Libyen und wurde in einer Küstenstadt mit 50 anderen Flüchtlingen in einem Drei-Zimmer-Appartement eingepfercht. Sie waren illegal dort, durften nicht raus und keinen Krach machen. Nach 13 Tagen kam die Polizei.

Nur mit Glück konnte der 30-Jährige das Gefängnis wieder verlassen und eine Passage auf einem Boot bekommen. Darin waren rund 400 Flüchtlinge im Maschinenraum untergebracht, nach 17 Stunden wurden alle vom italienischen Roten Kreuz gerettet. Von Sizilien aus ergatterte er einen Flug nach Nizza, von dort einen Zug nach Frankfurt.

Die Flucht dauerte lange, war entbehrungsreich und kostete Abdo etwa 6000 und Rashow 7000 Euro. Jetzt sind beide in Bonn, beteiligen sich am Begegnungscafé der katholischen Kirchengemeinde Sankt Thomas Morus und haben Deutsch gelernt. Diskriminierung habe er als syrischer Kurde eher von andren Flüchtlingen als von Deutschen erfahren, sagte Rashow.

Er hat eine Anstellung unter anderem in einem Jugendheim. „Ich bin froh, dass ich keine Post mehr vom Jobcenter bekomme“, sagte er. Beide wollen in Deutschland bleiben, wo sie sich gut aufgehoben fühlen.

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