Kommentar zu höreren Vereinsmieten: Mit Umsicht mehr fordern

Kommentar zu höreren Vereinsmieten : Mit Umsicht mehr fordern

Grundsätzlich muss eine klamme Kommune ihre Vermögenswerte konsequent nutzen, bevor sie ihren Bürgern noch tiefer in die Taschen greift. Insofern ist es absolut konsequent, dass die Stadt Bonn nun ihre Immobilien zu Marktpreisen bewertet hat.

Nur auf dieser Grundlage lässt sich schließlich beurteilen, welche Mieten sich dafür erzielen lassen. Auf den ersten Blick ist es außerdem auch gerecht, wenn alle Vereine zu den gleichen Konditionen behandelt werden.

Bei genauer Betrachtung sind natürlich weder alle Vereine noch alle Immobilien gleich. Der eine hat viele Mitglieder und ordentliche Reserven. Der andere hat aber nur wenige Mitglieder und zudem vielleicht in einer Lage gemietet, wo Mietpreise in den vergangenen Jahren durch die Decke geschossen sind. Vergleichbarkeit ist also schwierig.

Unter den aktuellen Vorzeichen muss man fürchten, dass Folgendes passiert: Zuerst wird – mehr oder weniger überzeugend – eiserner Sparwille demonstriert. Dann kümmert sich jedes Ratsmitglied um seine Günstlinge. Am Ende gibt es unter dem Strich mehr Ausnahmen als Vollzahler. Der Konsolidierungsbeitrag schmilzt dahin. Und faktisch bleibt alles beim Alten. Bonn wird sich auf Dauer diesen Wildwuchs nicht leisten können.

Andererseits hat niemand ein Interesse daran, für ein paar Tausend Euro Mehreinnahmen das lebendige Vereinsleben trockenzulegen, das der Stadt ein Gesicht gibt und ihren Bürgern viel Lebensqualität bietet. Statt auf Maximalforderungen zu setzen und dann in (fast jedem) Einzelfall Zuschüsse aus anderen Etats zu gewähren, wären moderate Mietpreissteigerungen über einen längeren Zeitraum vermutlich der bessere Weg.

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