Bundespräsident Joachim Gauck in Bonn: Mit der Maske in die virtuelle Welt des DZNE

Bundespräsident Joachim Gauck in Bonn : Mit der Maske in die virtuelle Welt des DZNE

An seinem zweiten Tag in Bonn hat Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Venusberg das neue DZNE-Forschungszentrum besucht.

Kurz hätte man denken können, Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt seien auf der Computermesse zu Gast. Im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) setzten beide eine schwarze Maske auf, mit der sie sich über einen spanischen Marktplatz bewegen konnten. „Jetzt fehlt nur noch der Kaffee“, sagte Daniela Schadt über ihren virtuellen Rundgang. Er gehörte zu einer der Stationen beim Besuch des Bundespräsidenten auf dem Venusberg im neuen DZNE-Forschungszentrum. Thomas Wolbers von der Arbeitsgruppe Altern & Kognition erforscht mit Hilfe von „Virtual Reality“ Probleme mit der räumlichen Orientierung.

Der Bund investiert Millionen in das lang angelegte Forschungsprojekt, dessen Zentrum in Bonn liegt. „Man klagt oft über die Regierung, aber an dieser Stelle investiert das Land viel Geld, gut angelegtes Geld für wichtige Forschungen“, sagte Gauck. Alleine der gerade bezogene Neubau, der noch nicht einmal offiziell eingeweiht ist, kostete 120 Millionen Euro. Ein Drittel zahlt davon der Bund, zwei Drittel das Land Nordrhein-Westfalen. Weitere 80 Millionen Euro werden deutschlandweit als Grundfinanzierung in die Erforschung von Demenzerkrankungen investiert.

Rheinlandstudie geht über Jahrzehnte

Was genau gemacht wird, führten die Forscher ziemlich anschaulich vor. Mit Bildern von Gehirnen und feinsten Nervensträngen. Der Vorstandsvorsitzende des DZNE, Pierluigi Nicotera, hatte in seiner Eingangsrede erklärt: „Es geht um Grundlagenforschung, aber auch um neue Medikamente und Diagnosemethoden.“

Die groß angelegte Rheinland-Studie ist ein wichtiger Puzzlestein bei diesem Vorhaben. Die Befragung von Probanden über Jahrzehnte soll Erkenntnisse bringen, warum Demenzerkrankungen ausbrechen. „Die Symptome treten meist spät auf. Wir hoffen rückblickend erkennen zu können, wie diese Krankheiten entstehen“, erklärte die Direktorin für Populationsforschung Monique Breteler. Aus diesem Grund werden von den Probanden im Verlauf der Jahrzehnte Blutproben genommen und Haarsträhnen gesammelt. Auf ihnen lagern sich beispielsweise Stresshormone ab, die ebenfalls in die Analyse mit einbezogen werden. Neue Bildgebungsverfahren ermöglichen den Forschern mittlerweile, das Gehirn besser zu untersuchen.

Der Leibnizpreisträger Frank Bradke erklärte, dass die intensiven Bemühungen seines Teams dazu dienten, dem Absterben von Nervenzellen, das zu Demenz führt, auf den Grund zu gehen. „Wir beschäftigen uns auch mit der Regeneration von Nerven, also ihrer Reparatur.“ In seiner gewohnt freundlichen Art wollte der Bundespräsident wissen, ob es unter den ehrgeizigen Forschern nicht auch mal Neid gebe. „Ich würde sagen, wir stacheln uns gegenseitig an“, antwortete Bradke. Gauck findet das gut, ist Forschung doch von „existenzieller Bedeutung. Wir wollen schließlich Zukunft.“

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