Kommentar zum Streit um das Pantheon: Was für ein Theater

Kommentar zum Streit um das Pantheon : Was für ein Theater

Als ob Bonn nicht schon genug Probleme hätte: Die Sanierung der Beethovenhalle entwickelt sich zur nächsten Millionenfalle, der Bäderstreit erzeugt nur noch Kopfschütteln, und die Stadtplanung schiebt einen stetig wachsenden Berg an unerledigter Arbeit vor sich her.

Jetzt ploppt auch noch das bühnenreife Muskelspiel von Pantheon-Theater und Kulturpolitik wieder auf. Bedauerlich dabei ist, dass es sich für den Betrachter nicht um eine Komödie, sondern eher um eine Tragödie handelt.

Aber warum liegen die Nerven der Akteure blank? Statt sich über die Besucherströme nach dem Umzug in die Halle Beuel zu freuen, verkrampft Theaterchef Rainer Pause zusehends im Umgang mit der Stadt, fühlt sich missverstanden und nicht ausreichend gewürdigt. Dass, was er auf der Bühne in seiner Paraderolle als Fritz Litzmann der Stadt gerne vorhält, nämlich fehlende Lockerheit im Umgang mit Bürokratie und Bürgern, scheint er selbst derzeit verloren zu haben.

Und was läuft bei der Stadt schief? Politik und Verwaltung stehen vor dem Dilemma, handeln zu wollen, aber offenbar nicht wirklich zu können. Will heißen: Wegen der erforderlichen Gleichbehandlung bezüglich anderer Kultureinrichtungen und Vereinen muss die Kulturverwaltung Handeln und vertraglich vereinbarte Zugeständnisse einfordern. Auf der anderen Seite will die Stadt das Pantheon als prominente Kultureinrichtung auch nicht verlieren. Entsprechend butterweich sind öffentliche Statements einiger Stadtrepräsentanten – die im nächsten Jahr anstehende Kommunalwahl lässt grüßen.

Stadt und Pantheon sind gegenüber den Bonner Steuerzahlern verpflichtet, die von beiden Seiten schriftlich akzeptierten Vertragsinhalte umzusetzen. Sollte die Faktenlage allerdings drei Jahre nach Vertragsabschluss inhaltliche Korrekturen erfordern, sind diese Änderung plausibel nachzuweisen. Nur so kann eine Neiddebatte in der freien Kulturszene vermieden werden.

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