Singen, Sehen und Sagen: Weihnachtsspezial im Pantheon ist bewährt kritisch

Singen, Sehen und Sagen : Weihnachtsspezial im Pantheon ist bewährt kritisch

Bewährt kritisch: Das Weihnachtsspezial 2018 mit Rainer Pause und Norbert Alich im Pantheon gehört zur Adventszeit wie Spekulatius und Tannengrün. Das Spezial ist in den kommenden Wochen noch öfters zu sehen.

Soll man das so sagen – der Countdown läuft? Kein Monat mehr bis zum Fest. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass einer wie Hermann Schwaderlappen (Norbert Alich) in eine wie auch immer geartete, vorweihnachtlich-besinnliche Stimmung verfallen könnte, scharf gegen Null tendiert. Bei Fritz Litzmann (Rainer Pause), seinem Kameraden vom „FKKVB Heimatverein Rhenania n.V. 1983“, sieht die Sache schon anders aus. Der möcht' schon wollen, kommt aber nicht dazu, denn schon das erste von Kapellmeister Stephan Ohm angestimmte Lied „Tochter Zion“ wird von seinem Nebenmann gnadenlos zerlegt. So war es und so wird es alle Jahre wieder sein, denn „Fritz und Hermann packen aus“ gehört im Pantheon zum Advent wie Spekulatius und Tannengrün.

Und seien wir doch mal ehrlich: Eigentlich hat diese kritische Betrachtung bislang völlig bedenkenlos heruntergesungener Zeilen doch auch 'was Erfrischendes. So man denn den Anblick des verdrießlich dreinschauenden Herrn Schwaderlappen mit diesem Wort in Verbindung bringen möchte.

Oder man hält es wie Litzmann und freut sich auf den Duft von Kardamom und Koriander auf dem Bonner Weihnachtsmarkt. Vielleicht sollte er sich vorsorglich noch einen genehmigen, denn der Vereinsvorsitzende grätscht schon wieder dazwischen. Kardamom? Koriander? Nichts da. „Altes Frittenfett, das ist alles.“ Dabei ist Schwaderlappen nur bedient, weil Weihnachten die für ihn schönste aller Jahreszeiten überhaupt unterbricht. Und weil – als sei's damit nicht genug – die Heiligen Drei Könige ihm mit ihrem Gold, Weihrauch, Myrrhe diese ganze Schenkerei erst eingebrockt haben. Nicht umsonst feiern die Protagonisten seiner schwarzgallig-zeitgemäßen Weihnachtsgeschichte „Finchens Globalisierung“ die Festtage lieber in den Shopping Malls dieser Welt.

Politisch korrekte Drei Könige

Für Litzmann hingegen ist das Problem, vor das Kaspar, Melchior und Balthasar die politisch korrekten Mitteleuropäer stellen, ein ganz anderes. Denn einer der drei Herren war ja wohl – nun ja, hm – , von der gleichen Hautfarbe wie die Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius. Und so mühen wir uns hierzulande mit der Sprache: „Was man sieht, darf man nicht mehr sagen und was man nicht sehen kann, muss man dazu sagen.“ Das hat schon nahezu philosophische Qualität.

Was bescheren uns die Herren dieser Tage außerdem noch? Ein wunderbar sonores „Nessun Dorma“ und den insgeheimen Weihnachtswunsch des Sängers, Wasser in Wein verwandeln zu können. „Herrlich, ich würd' nur noch am Rhein stehen und abfüllen.“ Das allerdings dürfte dieser Tage etwas schwierig werden.

Abgemischt wird das Ganze zu guter Letzt mit einer solidarischen Prise Ostalgie. Schwaderlappens hämischer Hieb nach Berlin und dem bislang dort unvollendeten Flughafenbau geht allerdings nach hinten los: „Nicht fertig werden? Das können wir hier auch. Nur bei uns heißt das Beethovenhalle.“

Das Weihnachtsspezial wird auch am 30. November, 2., 7. und 8., 16. bis 22. sowie 26. Dezember gezeigt. Karten bei den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen, unter www.pantheon.de und (0228) 212521.

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