Seelsorge an Bonner Uniklinik: Pfarrer Walter Koll hört nach 18 Jahren auf

Seelsorge an Bonner Uniklinik : Pfarrer Walter Koll hört nach 18 Jahren auf

Fast zwei Jahrzehnte lang begleitete der Seelsorger Koll Menschen in den Grauzonen des Lebens, er spendete sterbenden Patienten das Sakrament der Krankensalbung und war Ansprechpartner für Angehörige. Er meint heute: "Es heißt, mit den Jahren werde man dickhäutiger. Ich habe genau das Gegenteil erfahren."

Es sind viele Gespräche, die Walter Koll im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit geführt hat. Wie viele genau, kann er nicht sagen - Hunderte, wohl eher Tausende. Nach 18 Jahren im Dienste der Klinikseelsorge des katholischen Stadtdekanats Bonn nahm der katholische Pfarrer gestern Abschied vom Universitätsklinikum. Zukünftig wird der 61-Jährige eine halbe Stelle als Pfarrvikar in der Gemeinde Sankt Petrus übernehmen. Daneben wird er als geistlicher Begleiter für die Pastoral- und Gemeindereferenten im Erzbistum Köln arbeiten.

Einmal, so erinnert sich Koll, kam er zu einem sterbenden Mann, in dessen Familie etwas vorgefallen war. Seit längerer Zeit hatte der Patient keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn. "Ich bat seine Angehörigen zu versuchen, den Sohn zu benachrichtigen, damit er seinen schwerkranken Vater noch ein einmal besucht." Und tatsächlich sei er gekommen und habe sich mit seinem Vater ausgesprochen, erzählt Koll mit brüchiger Stimme, die Erinnerung noch immer lebendig. "Zwei Tage später ist der Vater gestorben."

Fast zwei Jahrzehnte lang begleitete der Seelsorger Menschen in den Grauzonen des Lebens und spendete schwerstkranken und sterbenden Patienten das Sakrament der Krankensalbung. Er war Ansprechpartner für Angehörige und hatte ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Ärzte, Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter. Zusammen mit weiteren fünf katholischen und zwei evangelischen Seelsorgern war er in dieser Zeit rund um die Uhr für jeden da, der geistlichen Beistand erwünschte.

"Es heißt, mit den Jahren werde man dickhäutiger, ich habe genau das Gegenteil erfahren", meint er heute. Eine Schwester habe ihm einmal gesagt, sie halte es für unprofessionell mit Patienten zu weinen. "Auch mir kommen manchmal die Tränen", gesteht Koll. "Ich habe kein Problem damit. Wichtig ist, wie man damit umgeht".

Die Arbeit an der Uniklinik bezeichnet der Pfarrer als seine Traumstelle, dennoch nimmt er nun Abschied. "Das Schwere ist, mit Menschen Dinge auszuhalten, die eigentlich nicht auszuhalten sind", so Koll. Getragen habe ihn in dieser Zeit vor allem seine Spiritualität. Doch es koste Kraft, und daher sei jetzt Schluss. "Ich denke, es ist einfach Zeit, noch einmal etwas anderes zu machen."

1995 begann Koll in der Seelsorge am Universitätsklinikum. Zehn Jahre lang war er leitender Pfarrer der Abteilung. In dieser Zeit gelang es, eine kleine aber feste Gottesdienstgemeinde in der Klinik aufzubauen. Außerdem war Koll Mitorganisator des Dialogkreises "Medizin und Theologie im Gespräch". Besonders wichtig aber sei ihm die christliche Beratungsstelle für Frauen im Zentrum für Pränataldiagnostik.

Seit zwölf Jahren finden Frauen und Familien, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, hier Rat. Kein leichtes Thema für einen katholischen Geistlichen. "Ich sehe die Lehre der Kirche als ein Ideal, aber es gibt Einzelfälle, die differenziert betrachtet werden müssen", erklärt Koll. "Ich habe gelernt, wir sind nicht dazu da, um zu urteilen, sondern um zu begleiten."

Gestern wurde der Pfarrer in der Mensa der Klinik mit einem Festgottesdienst verabschiedet. Bei einem anschließenden Empfang würdigten unter anderem Stadtdechant Schumacher und Vertreter aus der Klinik und des Klinikvorstands Kolls langjährige Arbeit.

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