Statistik der Bonner Polizei: Kriminalität sinkt trotz gestiegener Körperverletzungen

Statistik der Bonner Polizei : Kriminalität sinkt trotz gestiegener Körperverletzungen

Weniger Einbrüche, mehr Körperverletzungen: Das ist die Bilanz der Bonner Polizei für das Jahr 2018. Gestiegen ist auch die Zahl der Sexualdelikte. Insgesamt gab es jedoch so wenig Delikte wie zuletzt 1996 - auch wegen der niedrigen Zahl bei der Straßenkriminalität.

Bonn und die Region sind sicherer geworden. So verzeichnete die Bonner Polizei (zuständig für die Stadt Bonn, Königswinter, Bad Honnef und den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis) im vergangenen Jahr 37 153 Delikte – 3686 weniger als 2017. „Das ist der niedrigste Wert seit 1996“, sagte Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa, die am Mittwoch gemeinsam mit Kripo-Chef Norbert Wagner die Kriminalstatistik für 2018 vorstellte.

Einbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist erneut gesunken. Schlugen Einbrecher 2017 noch 1401 Mal zu, waren es im vergangenen Jahr 1371 Fälle. Und: Mehr als 50 Prozent der Einbrüche scheiterten. Auch die Aufklärungsquote lässt sich sehen. Sie stieg von 9,9 auf 27,1 Prozent. Der Grund: Die Polizei konnte drei Tatserien klären, so Wagner. Die erste Serie endete im Januar 2018, als die Beamten einen 34-Jährigen in Beuel festnehmen konnten. Zwischen Oktober 2015 und Januar 2018 war er in 197 Wohnungen eingestiegen.

101 Taten, vor allem in Mehlem und Plittersdorf, verübte eine achtköpfige Bande – hauptsächlich Heranwachsende und ein 42-Jähriger. Fünf Mitglieder konnten im August festgenommen werden. 21 Einbrüche konnten schließlich einem 53-Jährigen nachgewiesen werden, der im Januar und Februar 2018 vor allem in Bonn unterwegs war und im August festgenommen wurde. Insgesamt wurden 122 Tatverdächtige ermittelt.

„Auch wenn die Zahlen sinken, bleibt Einbruch ein bestimmendes Thema“, so Wagner. Denn die Betroffenheit sei groß, die Opfer litten unter gravierenden Folgen – psychisch und physisch. Das Instrument der strategischen Fahndung, verankert im neuen Polizeigesetz, biete den Ermittlern gute Möglichkeiten (siehe „Strategische Fahndung in Bonn“).

Fahrraddiebstähle

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Fahrraddiebstähle – von 3061 auf 3175 Fälle. „Fast jede dritte Straftat der Straßenkriminalität ist ein Fahrraddiebstahl“, so Wagner. Daher werde man im Frühjahr eine Ermittlungsgruppe bilden, „die sich diesem Delikt gezielt widmen wird“. Denn die Aufklärungsquote ist mit 4,3 Prozent sehr gering. Im Kampf gegen Fahrraddiebe setzt die Polizei nicht nur auf Repression, sondern auch auf Prävention. So sollen Radfahrer ihre Räder registrieren, abschließen, individuell kennzeichnen, an sicheren Orten abstellen und den Ermittlungsbehörden die Daten zur Verfügung stellen. „Unser Ehrgeiz ist es, die Anzahl der Diebstähle zu reduzieren und die Aufklärungsquote zu steigern“, so Wagner.

Sexualdelikte

Zwar gab es weniger Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Übergriffe im besonders schweren Fall, insgesamt aber verzeichnete die Polizei mehr Sexualdelikte – 419 waren es 2017, 437 im vergangenen Jahr. Den Anstieg führt die Polizei vor allem auf eine Steigerung im Bereich exhibitionistischer Handlungen (ein Plus von 15 auf insgesamt 77 Fälle) und wegen „Einwirkens auf Kinder“ (Anstieg von vier auf 14 Fälle), dabei handelt es sich laut Polizei hauptsächlich um das Zugänglichmachen pornografischer Inhalte, zum Beispiel über das Handy.

Straßenkriminalität

Die Zahl der Raubüberfälle auf Straßen, Wegen oder Plätzen fiel um 75 auf 170 Fälle, die der gefährlichen und schweren Körperverletzungen um 91 auf 469 Taten. Insgesamt erfasste die Polizei 10 332 Fälle von Straßenkriminalität (2017: 12 221), der niedrigste Wert seit 1974.

Körperverletzungen

Insgesamt gab es mit 3697 Körperverletzungen ein Plus von 50 Fällen. Dies führt Brohl-Sowa vor allem „auf eine Steigerung der Ermittlungsverfahren im Rahmen häuslicher Gewalt“ zurück. Die Zahlen in diesem Bereich sind deutlich angestiegen: von 870 auf 965.

Betrug

Die Zahl der Betrugsdelikte ist deutlich zurückgegangen – von 5091 auf 4044 Fälle, von denen 75 Prozent aufgeklärt werden konnten. Kopfzerbrechen bereiten den Ermittlern die Telefonbetrüger, die es auf Senioren abgesehen haben. Seit geraumer Zeit sind in Bonn und der Region falsche Polizeibeamte unterwegs. Sie geben vor, die Opfer und ihr Eigentum vor Einbruch schützen zu wollen und fordern die Senioren auf, ihnen Schmuck und Bargeld zu überlassen, so Wagner. Zwar gebe es viele gescheiterte Versuche (98,17 Prozent), aber in 13 Fällen erbeuteten die Täter in 2018 insgesamt 423 600 Euro. Da die Täter häufig aus der Türkei agieren und der Tatort somit im Ausland liegt, spiegele sich der Anstieg nicht in der Statistik wider.

Kapitalverbrechen

Aus dem Bereich Mord und Totschlag verzeichnete die Polizei 2018 acht Fälle, alle blieben im Versuch stecken. Einmal wurde wegen fahrlässiger Tötung gegen Ärzte ermittelt, der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft. Außerdem gab es einen Fall von unerlaubtem Abbruch einer Schwangerschaft, bei dem ein Mann die Schwangere erheblich verletzt hatte. In diesem Bereich handele es sich überwiegend um Beziehungsdelikte, so Wagner.

Rauschgift

2218 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz stellte die Polizei 2018 fest (2017: 2095). Der Großteil (72,3 Prozent) waren Fälle, bei denen Cannabisprodukte im Spiel waren. Den Anstieg begründet die Polizei mit verstärkten Kontrollen in Tannenbusch und im Hofgarten. Dort sind die Ermittler seit Mitte 2017 aktiv, im November 2018 wurde außerdem die Ermittlungsgruppe Hofgarten gebildet. Seit Dezember wurden 26 Betretungsverbote ausgesprochen. In Tannenbusch haben die Ermittler vor allem die Dealer im Blick, die die Szene in Bonn (und darüber hinaus) mit Cannabis und Kokain versorgen, so Wagner. Dort wurden 321 Ermittlungsverfahren gegen 502 Tatverdächtige geführt, 26 Tatverdächtige wurden inhaftiert.

Bad Godesberg

5142 Straftaten verzeichnete die Polizei in Bad Godesberg – 382 weniger als 2017. Das ist der niedrigste Stand seit 1975. Das führt die Polizei auf ihr seit 2016 laufendes Präventions- und Interventionskonzept zurück. Auch in diesem Jahr wollen die Beamten gemeinsam mit der Stadt neuralgische Punkte im Stadtbezirk im Auge behalten.

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