Arbeitskreis informiert zu Opferschutz: Wo Gewaltopfer in der Region Hilfe bekommen

Arbeitskreis informiert zu Opferschutz : Wo Gewaltopfer in der Region Hilfe bekommen

Der Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg hat in dritter Auflage ein Handbuch herausgegeben. Es bietet einen komprimierten Überblick über Hilfsangebote und Beratungsstellen in der Region.

Die Themen Opferschutz und Gewalt sind sensibel. Solange die Bürger nicht mit dem Thema konfrontiert werden, sind sie selten umfassend informiert. Betroffene befinden sich nach einem traumatischen Erlebnis meist in einer Ausnahmesituation und sind nicht in der Lage, rational zu denken. Umso wichtiger ist es, dass die Opfer schnell und unkompliziert Hilfe bekommen.

Der Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg hat aus diesem Grund in dritter Auflage ein Opferhilfehandbuch herausgegeben. Es bietet unter anderem einen komprimierten Überblick über Beratungsstellen, medizinische Hilfe, Notfallnummern und Netzwerke in der Region. In den Rathäusern, beim Opferschutz selbst, bei einigen Ärzten und Cafés liegt das Handbuch aus. „Vielen ist nicht bewusst, welche Ansprüche und Rechte sie haben“, so Irmgard Küsters, Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Bonn. „Die Opfer müssen keine Anzeige erstatten, um Hilfe zu bekommen.“

„Luisa ist hier“

Das Opferhilfehandbuch klärt Betroffene nicht nur über ihre Rechte, sondern auch über die Möglichkeit finanzieller Unterstützung auf. Zudem weist das Handbuch auf das Gewaltschutzgesetz hin. „Betroffene müssen nicht erst warten, bis etwas passiert. Sie können sich vorher Hilfe holen“, sagt Küsters.

Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Kampagne „Luisa ist hier“. Dieses Hilfsangebot richtet sich an Frauen in Kneipen, Café und Restaurants, die sich in einer Situation unwohl fühlen und Hilfe benötigen. „Dieser Code soll bewirken, dass Frauen unmittelbar Hilfe von dem geschulten Personal bekommen“, sagt Katja Schülke, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bonn. „Bereits niederschwellige Hilfe vermittelt ein Gefühl der Sicherheit.“ Der Code bewirkt vor allem, dass Frauen ihre Notlage nicht erst erklären müssen, bevor sie Hilfe bekommen, sondern umgehend gehandelt wird. Durch die Kampagne können sich die Gaststätten positionieren und öffentlich Haltung zeigen. Bislang sind insgesamt zwölf Bonner Kneipen und Restaurants an der Kampagne beteiligt. Zusätzlich zu der Kampagne, die im Opferhilfehandbuch erläutert wird, klärt das Buch auch über die Anonyme Spurensicherung (ASS) auf. Dieses Verfahren ermöglicht Opfern auch Jahre nach einem Übergriff, Befunde für ein mögliches Gerichtsverfahren zu sichern. „Die wenigsten Frauen erstatten direkt Anzeige“, so Maria Mensching vom St. Marien-Hospital Bonn. „Alle Betroffenen sollten die gleichen Chancen bekommen.“

Spuren werden zehn Jahre aufbewahrt

In Bonn ist die ASS ist im Gemeinschaftskrankenhaus St. Elisabeth, St. Marien-Hospital, Johanniter-Krankenhaus und in der Uniklinik möglich. Die gesicherten Spuren werden zehn Jahre im Institut für Rechtsmedizin der Universität Bonn aufgewahrt. Zwar sollten Betroffene sich möglichst zeitnah untersuchen lassen, zum Teil sind Spuren aber noch Tage später dokumentierbar. Wichtig ist für alle Betroffenen zu wissen, wo sie die benötigte Hilfe bekommen.

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