Kommentar zum Künstlerbudget in Bonn: Fataler Vorgang

Kommentar zum Künstlerbudget in Bonn : Fataler Vorgang

Die Ratskoalition wollte den Etat des Generalmusikdirektors drastisch kürzen. Jetzt gibt es doch 800.000 Euro für das Beethoven Orchester.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Unser Beethoven Orchester ist für die Stadt Bonn nicht nur ein Aushängeschild, sondern ein Pfund, mit dem die Beethovenstadt weltweit wuchern kann und es auch tut. In der Bonner Kulturfamilie gebührt dem Orchester deshalb der erste Rang. Um so fataler ist der Vorgang um das Künstlerbudget des neuen Generalmusikdirektors, das - wie alle Positionen im Haushalt – aufgrund der pauschalen Kürzungen nicht vom Rotstift verschont geblieben war.

Ob Versehen oder nicht: Fakt ist, dass die Jamaika-Koalition diese Einsparsumme von bis zu 350.000 Euro wie so viele andere schmerzhafte Einschnitte im Haushalt fest eingeplant hatte. Und 350.000 Euro sind kein Pappenstiel, wie Kulturdezernent Martin Schumacher zu Recht deutlich macht. Diese Summe 'mal eben an anderer Stelle einsparen zu können, ist angesichts des ohnehin auf Kante genähten Haushalts wohl nahezu unmöglich.

Dass die Koalition in dem Fall zurückrudert und es bei den 800.000 Euro für das Künstlerbudget belässt, mag aus kulturfachlicher Sicht richtig sein. Obgleich die Bezirksregierung im Rahmen der letzten Haushaltsgenehmigung dringend zum Sparen vor allem im Kulturbereich angemahnt hat.

Desaströs ist jedoch die Außenwirkung: Jamaika wird sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, bei der etablierten Kultur wieder beide Augen zuzudrücken und anderswo das Sparpogramm knallhart durchzuziehen. Das Einsparvolumen beim vom Aus bedrohten Deutschen Museum liegt nur unwesentlich höher, bei den Stadtteilbibliotheken lag es weit darunter. Eine solche Politik ist den Bürgern in der Tat nur schlecht zu vermitteln.