Hilfe von ganz oben: Bonner „Schmutzengel“ in der City

Hilfe von ganz oben : Bonner „Schmutzengel“ in der City

Stelzen, Müllmann-Outfit und Flügelchen: So mancher Passant rieb sich beim Anblick des Bonner „Schmutzengels“ ungläubig die Augen. Am Dienstag tauschte der von der Stadtreinigung zum „obersten Schmutzbeauftragten“ ernannte Cherub kurzlebige Einkaufstüten gegen wiederverwendbare Stoffbeutel aus.

Mit der Aktion will Bonnorange anlässlich der „Europäischen Woche zur Abfallvermeidung“ auf die Reduzierung von Verpackungsmüll aufmerksam machen „Hintergrund ist der hohe Verbrauch von Plastiktüten“, erklärte Antje Vödisch von Bonnorange. „Allein in Deutschland werden pro Jahr 6,1 Milliarden Tüten genutzt. Aneinandergereiht würden sie den Äquator 46 Mal umrunden.“ Für die Produktion der Tüten werden jährlich rund 184 000 Tonnen Kunststoff verschwendet, so Vödisch. „Um auf humoristische Art auf umweltfreundliche Alternativen aufmerksam zu machen, haben wir uns deshalb passend zur Jahreszeit für die Figur des 'Schmutzengels' entschieden.“

Und der war schwer zu übersehen. Mit einer Größe von über zweieinhalb Metern und ausgestattet mit einem überlangen Besen sowie 100 orangefarbenen Stoffbeuteln stakste der Engel auf seinen Stelzen durch die Innenstadt. Jedes Mal, wenn er jemanden mit einer Einkaufstasche aus Plastik sah, sprach er die Passanten an, überredete sie zu dem Tauschgeschäft und half sogar beim Umpacken des Einkaufs.

Einer, der das Angebot des „Schmutzengels“ ohne zu zögern annahm, war der 14-jährige Julius Köster. „Ich finde die Idee gut“, sagte er. „Einen Stoffbeutel schmeißt man nicht so schnell weg.“ Auch Marianne Moss aus Bad Godesberg war von der ungewöhnlichen Aktion begeistert. „Super Sache“, sagte sie. „Ich bin auch gegen Plastiktaschen. So ein Jutebeutel ist perfekt für den Alltag und wirklich praktisch.“ Gespielt wurde der „Schmutzengel“ von Reinhard Witt aus dem hessischen Wöllstadt, bekannt durch das Artistik- und Jonglageduo „Spinning-Twins“. „Unsere Welt soll sauberer werden“, sagte Witt. „Ich benutze daheim selbst Stoffbeutel – die sind aber nicht so schön orange.“

Neben der Aktion gab es von Mitarbeitern der Stadtreinigung zudem noch Tipps, wie man Plastiktüten vermeiden kann. So soll man zum Beispiel das ungefragte Einpacken von Waren an der Kasse in Plastiktüten ablehnen und den Einkauf lieber in einem Rucksack oder Korb transportieren.