Ulrich Twrsnick: Bonner Nato-Sprecher feiert 70. Geburtstag

Ulrich Twrsnick : Bonner Nato-Sprecher feiert 70. Geburtstag

Ulrich Twrsnick ist als Oberst im Generalstab nur theoretisch im Ruhestand. In Bonn kennt man ihn als Schiedsmann.

Anfang Juni wird Ulrich Twrsnick seinen 70 Freunden und Gästen aus Uruguay, Chile, den USA, der Schweiz und einigen weiteren Ländern dieser Welt gegenüberstehen. Anlass ist die Nachfeier seines vor wenigen Wochen begangenen 70. Geburtstags. Damit werden auch Erinnerungen an Monate oder Jahre seines umtriebigen Lebens als Soldat wieder lebhaft. „Nirgendwo habe ich länger als fünf Jahre gelebt“, fasst er heute seine aktive Zeit als Luftwaffenoffizier zusammen.

Nur theoretisch könnten die inzwischen schon mehr als zehn Jahre seiner Bonner Sesshaftigkeit somit die Schlussfolgerung nahelegen, dass er sich nach seiner Pensionierung zur Ruhe gesetzt haben könnte. Das Reihenhaus an der Mehlemer Oberaustraße mit Blick aufs Siebengebirge hat seine Frau Gisela ausgesucht. So, wie die vielen anderen, in denen die Familie mit ihren beiden Töchtern oft nur für wenige Jahre gewohnt hatte. „Es war einfach immer schöner, im eigenen Haus zu leben“, sagt der frühere Oberst Twrsnick. Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu, dass es sich „unterm Strich“ auch immer gerechnet habe.

Seit 2008 lebt er mit seiner Frau, die er 1983 als Stewardess während einer dreijährigen Auszeit von der Luftwaffe auf dem Flug ins sudanesische Khartum kennengelernt hatte, in Bonn und es ist zu vermuten, dass beide auch dortbleiben werden. Dank diverser Sozialer Netzwerke, durch die Gisela von Metzen-Twrsnick den Kontakt zu den Freunden in aller Welt pflegt, vermissen beide auch im eher ruhigen Mehlem nicht viel. Manchmal vielleicht das Fremde als Herausforderung. Er sei früher „ein blinder Fan der Vereinigten Staaten“ gewesen. „Amerikanische Rosinenbomber hatten mich ja am Leben gehalten“, reflektiert der in der Blockade Berlins geborene Twrsnick heute. Nach einer dreimonatigen Reise mit dem Wohnmobil durch die Staaten habe diese Liebe einige Risse bekommen. Jetzt sieht Twrsnick seine Auseinandersetzung mit China als spannende Herausforderung für die Zukunft.

Wer Ulrich Twrsnick als Bonner Schiedsmann besucht, wird schon von weither die amtliche Tafel mit dem NRW-Wappen neben seiner Haustür entdecken, von der er jedoch nicht weiß, dass sie nur für den Moment seines Besuchs dort hängt. Obwohl zuletzt noch Oberst im Generalstab, scheint Twrsnick auf Titel und Auszeichnungen wenig Wert zu legen. Doch wer ihn im Rahmen einer Privatklagesache kennenlernt, bei der vor dem Gang zum Gericht eine Schiedsperson hinzugezogen werden muss, wird sich über die zahllosen Bierkrüge in dem ansonsten streng und sachlich eingerichteten Büro im Erdgeschoss seines Hauses wundern. „Vor allem Reminiszenzen an Geschwaderstandorte in Spanien“, erklärt Twrsnick, der vier Jahre als Verteidigungsattaché in Madrid lebte. Dann nimmt er behutsam einen Krug in die Hände, der nicht auf Spanien verweist, sondern an seine Hamburger Wehrpflichtzeit erinnert. Bis er dort angekommen war, hatte er schon einige Umzüge hinter sich. Als er acht Jahre alt war, floh seine Familie mit ihm von Ost- nach West-Berlin. Sein Vater wurde Fliegerarzt. Erst in Karlsruhe, dann bei der NATO in Fontainebleau bei Paris.

Dort ging Twrsnick zur Schule und machte sein Abitur. Seine perfekten Französisch- und Englischkenntnisse waren später nicht nur hilfreich, als er schon als Jugendoffizier unterwegs war. In den 1970er Jahren, wo von Wehrdienstverweigerern „Soldaten sind Mörder“ skandiert wurde, bewährte sich nicht nur Twrsnicks polyglotte Bildung, sondern es wurde auch sein rhetorisches Talent geschult, was ihn später zum Sprecher von NATO und Verteidigungsministerium werden ließ. „In der Zeit, wo andere Löcher buddeln mussten, hatten wir als Jugendoffiziere in den evangelischen Akademien gesessen und über Ethik und Moral diskutiert“, erinnert sich Twrsnick, der von sich sagt, nie „Angst vor Sternen“ gehabt zu haben, die manch einen seiner Kameraden befiel, wenn sie einen Oberst oder General vor sich sahen. Durch sein Elternhaus, in dem so berühmte Generäle wie Hans Speidel oder Georg von Baudissin verkehrten, hatte er gelernt, Menschen nach ihrem Intellekt und nicht nach Dienstgraden zu respektieren.

Im Gespräch bringt er Begrifflichkeiten wie „Macht“, die er innehatte und „Demut“, die er den Möglichkeiten gegenüber empfand, sie zu benutzen, in einen Satz. Waffen außer zu Verteidigungszwecken zur Umsetzung politischer Ziele einzusetzen war und ist für ihn Motivation und Legitimation zugleich, Soldat zu sein. Auch heute noch ist der seit zehn Jahren pensionierte Oberst ein gefragter Gastredner und Berater. Und er möchte auch weiterhin über die relevanten Themen dieser Zeit diskutieren. Dafür ist er jederzeit ansprechbar.