Auftakt: Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" startet in Bonn

Auftakt : Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" startet in Bonn

Der Deutsche Akademische Austauschdienst eröffnete als Schirmherr die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit 2018“. Ziel ist es mehr Menschen dazu zu bewegen etwas für Klima und Gesundheit zu tun, statt das Auto zu nehmen.

Zwei sehr unterschiedliche Ansichten über die Bonner Fahrrad-Infrastruktur prallten am Freitag bei der Auftaktveranstaltung zur Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ vor der Zentrale des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in der Kennedyallee aufeinander. Dort sprachen unter anderem Bürgermeister Reinhard Limbach, der Bonn auf einem sehr guten Weg zu mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer sieht, und Annette Quaedvlieg, Vorsitzende der Bonner Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), aus deren Sicht die Stadt zu sehr auf einen autogerechten Stadtverkehr setzt und zu wenig für die Radler tut.

Limbach stellte einige Maßnahmen vor, die die Stadt für das Ziel, sich 2020 Fahrradhauptstadt zu nennen, umsetzt: etwa die neue Radstation, die nächste Woche eingeweiht wird, und die rund 100 Fahrradmietstationen, die noch in diesem Jahr im Bonner Stadtgebiet aufgestellt werden sollen. Für Quaedvlieg nicht genug. „Ich glaube, wir könnten die Zahl der Fahrradfahrer in dieser Stadt noch deutlich erhöhen“, meinte sie. Die Stadt, forderte sie, müsse schneller die Radinfrastruktur verbessern.

Sie war zuvor mit anderen Teilnehmern an der Aktion, die zum 14. Mal vom ADFC Bonn/Rhein-Sieg, der AOK Rheinland/Hamburg und der Stadt Bonn durchgeführt wird, in einer kleinen Sternfahrt zum Gebäude des DAAD gefahren. Der ist 2018 Schirmherr der Aktion und Direktor Michael Harms ein gutes Vorbild: „Ich bin autolos und passionierter Radfahrer“, sagte er. Jeden Tag 20 Minuten am Rhein entlang zur Arbeit und zurück zu fahren, sei sein Beitrag zu Klimaschutz sowie nachhaltiger Mobilität und gut für die eigene Gesundheit.

Seine Organisation will sich als fahrradfreundlicher Betrieb zertifizieren lassen und hat viel dafür getan: sichere Abstellplätze in der DAAD-Tiefgarage, eine Radstation, Fahrradbeauftragte und neun neu angeschaffte Betriebsfahrräder. Auch Kollegen etwa in Brüssel, Hanoi und Tokio würden sich an der Aktion beteiligen, bei der 2017 im Bonner Raum 2233 Beschäftigte aus 405 Unternehmen mitmachten. Diese Zahl wolle man toppen, sagte Maria Steels, Regionaldirektorin der AOK, die aufrief, Kollegen zum Mitmachen zu motivieren. Dafür muss man bis 31. August an mindestens 20 Tagen mit dem Rad zur Arbeit gefahren sein, Kombinationen mit Bus und Bahn sind erlaubt. Die Bestätigungen dafür müssen bis 17. September eingereicht werden, Infos dazu gibt es auf www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de. Auch die Uni macht mit: www.mit-dem-rad-zur-uni.de. Wer mitmacht, kann bei einer Verlosung etwas gewinnen.

Klaus Peter und Satu Ulvi sind dabei. Peter ist Fahrradbeauftragter beim Bundesrechnungshof und fährt täglich 23 Kilometer von Remagen dorthin und zurück. Man komme fitter zur Arbeit: „Mit dem Rad habe ich viel mehr Power.“ Er bemängelte den Zustand vieler Radwege, vor allem entlang des Rheins seien sie zu eng. Ulvi arbeitet bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Finnin ist seit 17 Jahren in Bonn und war anfangs von den Radwegen beeindruckt. Das habe sich geändert: „In den 17 Jahren wurde in Finnland viel mehr für die Fahrradinfrastruktur gemacht als hier“, sagte sie. Woran das liegt? „Es gibt keine Autolobby in Finnland.“

Sie sei keine ängstliche Radfahrerin. „Ich will keine langen Umwege fahren, um dem Autoverkehr auszuweichen.“ Vielmehr wolle sie sich zeigen: Radfahrer müssten im Straßenverkehr präsent sein, um im Bewusstsein zu bleiben.

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