Ulrich Schulze: Bei ihm dreht sich alles um "Alle Neune"

Ulrich Schulze : Bei ihm dreht sich alles um "Alle Neune"

Nicht nur in der Linde in Lessenich: Ulrich Schulze bringt alte Kegelbahnen auf Vordermann. Bowling ist dem 53-Jährigen zu langweilig.

Wie Kegeln geht, wissen viele. Wie Kegelbahnen funktionieren, nur wenige. Ulrich Schulze weiß es ganz genau, denn in seinem Job dreht sich alles um "Alle Neune": Der 53-Jährige bringt Bonns Kegelbahnen auf Vordermann.

Schon sein Vater tat das, und vor 14 Jahren übernahm Ulrich Schulze dessen Geschäft. "Ich bin schon als Kind mitgefahren", sagt er. Da durfte er die ersten Kugeln werfen. Später, als Jugendlicher, hat er sich natürlich als "Kegeljunge" Taschengeld dazu verdient und für Clubs die Kegel aufgestellt. Und selbstverständlich ist er heute Mitglied in einem Kegelclub.

Unter der Woche aber ist Ulrich Schulze beruflich in Gaststätten unterwegs, diesmal in der Linde in Lessenich/Meßdorf. Die Checkliste, was auf der Kegelbahn getan werden muss, hat er im Kopf: den Aufstellautomat überprüfen, Seile testen, die Bahn mit einer Wachsschicht versehen und abpolieren, die Kugeln überprüfen und ebenfalls polieren. "Ich brauche pro Bahn dafür eine halbe bis eine Dreiviertelstunde", sagt er. Im Gegensatz zu Bowlingbahnen, die von einer Maschine automatisch geölt werden, ist das bei den Scherenbahnen nur per Poliergerät in Handarbeit möglich.

Früher war mehr zu tun, da hatte fast jede Gaststätte mindestens eine Kegelbahn. Doch die Nachfrage geht zurück, manche Kneipen machen zu. In Lengsdorf zuletzt Schlössers Jupp, auch in der Petrus-Stube in Duisdorf wird nicht mehr gekegelt. Die Linde in Lessenich/Meßdorf hält die Tradition noch hoch, und in Kessenich gibt es mit Fürstenstube, Markusschänke, Karthäuser Hof und Burgwinkel sogar vier Gaststätten mit Kegelbahn.

Warum wollen immer weniger Leute kegeln und schwenken auf Bowling um? "Die jungen Leute wollen keine Verpflichtungen für feste Termine mehr eingehen, sondern lieber spontan etwas machen", glaubt Schulze. Und wenn es sie doch einmal auf eine Kegelbahn zieht, kennen sie die Spiele nicht. "Die wissen dann gar nicht, wie Fuchsjagd, 501, Schräge 6 oder Figurenkegeln geht." Er selbst findet Bowling langweilig, immer auf die Vollen ist nicht das Ding des erlernten Fliesenlegers.

Durch seinen Job kommt er gerade über die Runden. "Große Sprünge kann man davon nicht machen, die Zeit ist vorbei", sagt Schulze. "Aber man hat sein Auskommen und ist ein freier Mensch." An manchen Tagen kann er auf diese Weise schon um 14 Uhr zu Hause sein und Feierabend machen.

Allerdings schiebt er auch Notdienste. Dann kommt ein Anruf, wenn irgendwo die Bahn nicht mehr funktioniert. "Dann fährt man abends raus, wechselt abgebrochene Kegel, tauscht Platinen im Stellpult aus oder macht die Kegelstell-Anlage wieder gangbar." Schließlich ist jeder Tag, jede Stunde, in der die Gaststätte die Bahn nicht vermieten kann, ein Einnahmeausfall.

Auch die Kugeln tauscht er aus, wenn sie Macken haben. "Das passiert aber nur, wenn sie auf Metall treffen. Vom Kegeln selbst gehen die nie kaputt." Schulze nimmt sie mit und lässt sie im Werk neu abdrehen. Eine neue Kugel kostet übrigens 65 Euro pro Stück.

45.000 Kilometer legt der Kegelbahnpfleger pro Jahr für seinen Job zurück. Und für Interessenten, die das Kegeln lernen wollen, hat er nur einen Rat. "Man muss in einen Kegelclub, erst dort lernt man die ganzen Spiele, die es gibt."

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