"Blamage in Bonn": Beethovenhalle im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes

"Blamage in Bonn" : Beethovenhalle im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes

Wegen der deutlichen Erhöhung der Sanierungskosten hat der Steuerzahlerbund die Bonner Beethovenhalle als Beispiel für Verschwendung öffentlicher Gelder ins Schwarzbuch aufgenommen. Der Verband spricht von einer "Blamage in Bonn".

Explodierenden Baukosten der öffentlichen Hand widmet der Bund der Steuerzahler in seinem 46. Schwarzbuch ein Sonderkapitel: Vier von zehn Hochbauten, die zwischen 2010 und 2015 in Deutschland fertiggestellt wurden, sind nach Verbandsangaben teurer geworden als geplant. Ursachen seien unrealistische Wirtschaftlichkeitsberechnungen vor Projektstart, „chaotisches Controlling“ und ungesunder Zeitdruck.

Letzteren sieht der Bund der Steuerzahler auch als Hauptgrund für die Ausgabensteigerung bei der Sanierung der Beethovenhalle, die schon im November 2018 abgeschlossen sein und rund 61 Millionen Euro kosten sollte. Die Stadt Bonn rechnete zuletzt nach vielen Verzögerungen mit einer Fertigstellung im April 2020 und Gesamtkosten von 94 Millionen Euro. Das war der Stand im September – inzwischen dürfte die Prognose wegen noch offener Nachforderungen von Baufirmen weiter gestiegen sein. Einen aktualisierten Überblick wird die Stadtverwaltung wohl zur nächsten Sitzung des Projektbeirates Beethovenhalle am 20. November vorlegen.

„Zeitdruck ist bei Sanierungen und Bauen im Bestand der schlechteste Berater“, kommentiert der Bund der Steuerzahler den Fall Beethovenhalle in seinem Schwarzbuch. „Um den Termin einzuhalten, wird oft mehr Geld ausgegeben als geplant. Und Baufirmen können Mondpreise aufrufen.“

Die Stadtverwaltung reagierte am Dienstag mit einer langen Pressemitteilung auf die Veröffentlichung aus Berlin. Die Mehrkosten seien „unvermeidlich“ gewesen. Dank des landesweiten Baubooms könnten Firmen höhere Preise durchsetzen als erwartet. Außerdem seien massive Probleme bei der Kampfmittelsondierung aufgetreten (auch wenn letztlich keine Munition unter der Halle gefunden worden ist). Trotz „sorgfältiger Voruntersuchungen“ sei zudem erst im Lauf der Sanierung klar geworden, wie problematisch der Untergrund sei, so die Stadtverwaltung. Hohlräume mussten untersucht und stabilisiert werden, was sowohl Zeit als auch Geld kostete. Die Beethovenhalle war bekanntlich auf den Trümmern einer alten Klinik errichtet worden.

Da die Halle unter Denkmalschutz stehe, habe es keine Alternative zur Sanierung gegeben, heißt es in der Stadtmitteilung weiter. „Die Mehrkosten sind für alle Beteiligten hochgradig ärgerlich“, ließ sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan zitieren. Das Projektteam versuche alles, um den Anstieg zu begrenzen. Der OB will aber auch Konsequenzen für künftige Großprojekte ziehen: „Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit der Beethovenhalle werden wir darauf achten, dass künftig genügend Zeit für die Vorbereitung und Realisierung der jeweiligen Baumaßnahme eingeplant wird.“

Der Verein Bürger für Beethoven, der lange für den geplatzten Festspielhaus-Neubau gekämpft hatte, nutzte den Schwarzbuch-Eintrag für erneute Kritik an der Hallensanierung. „Seit fast drei Jahren fällt monatlich durchschnittlich eine Million Euro an Mehrkosten an“, erklärte der Vorsitzende Stephan Eisel. „Wegen der denkmalgerechten Sanierung wird es keine Verbesserung der Akustik geben. Und es ist unklar, wie die spätere Nutzung aussieht, denn ein Businessplan liegt nicht vor.“