Bonner Drogenszene: Alkoholverbot an der Unterführung?

Bonner Drogenszene : Alkoholverbot an der Unterführung?

Die Blumenhändlerin an der Bonner Südunterführung stellt einen Bürgerantrag zur Verlagerung der Szene am Bahnhof. Die Stadt kontrolliert bereits verstärkt.

Monika Lunge betreibt in der Unterführung zwischen Kaiserplatz und Poppelsdorfer Allee seit 17 Jahren einen Blumenstand. Bis jetzt hat sie sich dort immer recht wohl gefühlt. Doch das ändert sich gerade. Die Floristin beklagt, dass sich zunehmend alkoholisierte und drogensüchtige Personen in der Unterführung aufhielten und einige sie und ihre Kunden auch schon belästigt hätten. Die Geschäftsfrau hat sich nun mit einer Beschwerde per Bürgerantrag an die Stadtverwaltung gewandt. Doch viel gebracht habe das bisher nicht, sagt sie.

Zuletzt habe es vor ihrem Laden eine blutige Auseinandersetzung mit mehreren sichtlich alkoholisierten Männern gegeben, berichtet sie. Einer von ihnen sei dabei mitten in ihre Blumen gefallen. Als die Polizei kam, seien die Unruhestifter bereits weg gewesen. „Ich wünschte mir, das Ordnungsamt würde hier öfter kontrollieren.“

Normalerweise hätten bis vor einigen Wochen höchsten zwei bis drei Bettler an der Unterführung gesessen. „Die haben auch kaum jemanden gestört“, meint Lunge. Doch nachdem die Großbaustelle am Bonner Loch eingerichtet worden sei, habe sie den Eindruck, dass sich die Drogen- und Alkoholszene mehr und mehr an die Unterführung nach Poppelsdorf verlagert habe. Zumal dort im Kiosk nebenan seit einiger Zeit Alkohol verkauft werde.

Passage wird zum Angsttraum

Henriette Reinsberg kann die Klage von Monika Lunge gut nachvollziehen. „Das Problem ist aber, dass man keinem Menschen verbieten kann, sich dort aufzuhalten“, sagt die CDU-Stadtverordnete, die selbst in der Südstadt wohnt und beinahe täglich durch die Unterführung zum Rathaus geht. „Ich habe aber mitbekommen, dass Passanten sagen, sie trauten sich kaum noch, durch die Unterführung zu gehen. Das geht natürlich nicht. Deshalb müssen wir uns überlegen, was wir tun können“, sagt Reinsberg. Zumal die enge Passage auch von vielen Familien mit Kindern genutzt werde.

Reinsberg spielt damit auf den offenen Alkoholkonsum vor allem von Männern an, der aus ihrer Sicht durch den Bierverkauf am Kiosk noch befördert wird. „Die Frage ist, wie die Stadt Bonn als Eigentümerin der Läden den Alkoholverkauf dort unterbinden kann.“ Ein weiteres Problem sei, dass oberhalb der Bahnunterführung ganz offen mit Drogen gehandelt werde und sie dort auch konsumiert würden.

Blumenhändlerin Lunge hat der Verwaltung in ihrem Bürgerantrag vorgeschlagen, ähnlich wie im Bonner Loch im Bereich der Unterführung ebenfalls ein Alkoholkonsumverbot zu erlassen. Doch anders als im Bonner Loch gebe es für die Unterführung keine „belastbaren Zahlen beziehungsweise Statistiken, aus denen sich eine abstrakte Gefahrenlage ableiten ließe, deren Ursache auf den Konsum von Alkohol der sich dort aufhaltenden Personen zurückzuführen sei“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung, die mit dem Bürgerantrag auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung Bonn am 25. April steht. Aus diesem Grund gebe es keine rechtliche Ermächtigungsgrundlage, um Alkoholkonsum an der Unterführung zu verbieten.

Alkoholverkauf am Kiosk unterbinden

Allerdings, so teilt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann auf GA-Nachfrage mit, habe der Ordnungsdienst die Kontrollfrequenz deutlich erhöht und setze dies auch fort. Auch werde darauf geachtet, dass der Kioskbesitzer keinen Alkohol zum Konsum an Ort und Stelle verkaufe. Schließlich besitze er keine gaststättenrechtliche Konzession. „Es ist richtig, dass der Kiosk seitens der Stadt verpachtet ist. Wir stehen derzeit mit dem Betreiber des Kiosks in Gesprächen, dass dort künftig kein Alkohol mehr verkauft wird“, sagt Hoffmann.

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