Dreharbeiten zu "Recht kommt"

Das sagt das Museum Koenig zum Böhmermann-Video

Bonn. Nach den Dreharbeiten von Jan Böhmermanns Musikvideo zu "Recht kommt" im Bonner Museum Koenig gab es Lob und Kritik für das Museum. Im Mittelpunkt der Diskussionen: Die Sprache.

Beim Anblick des Musikvideos "Recht kommt" schauten vermutlich viele Bonner und Ortskundige erstaunt: Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann rappt in seiner Rolle als "POL1Z1STENS0HN" im Bonner Museum Koenig. 

Dort fand im September 1948 die Eröffnung des Parlamentarischen Rates statt, der bekanntlich das Grundgesetzt erarbeitet hat. Das Museum gilt als Geburtsort der Bundesrepublik. Und so passte es inhaltlich natürlich perfekt zu Böhmermanns Botschaft im Video. Doch ist ein Museum der richtige Drehort für ein Musikvideo - und für Böhmermann? In den sozialen Netzwerken finden sich viele positive Reaktionen, aber auch ein paar kritische.

Auf GA-Anfrage verriet Sabine Heine, Sprecherin des Museum Koenigs, nun einige Details zum Filmdreh. Außerdem berichtete sie von den Reaktionen aus Museumskreisen zu Böhmermanns Video. "Die Anfrage vom Filmteam kam ganz kurzfristig", sagte Heine. Knapp fünf Tage vor dem Dreh am 24. Januar habe das Team erst angerufen. Am Telefon habe sie sich wegen des Zeitdrucks dann direkt für eine Zusage entschieden, so Heine. "Wir sind ein politisch freier Ort und stehen für alle offen."

"Das Museum versteht sich als Ort des Diskurses und des Dialogs. Besonders fühlt es sich allerdings aufgrund der Zeitgeschichte der Demokratie verpflichtet. Insofern waren uns die Aufnahmen zu dem Video samt seinem satirischen Inhalt sogar willkommen, sind sie doch Ausdrucksform einer lebendigen und gelebten Demokratie", schreibt das Museum zudem in einem Post auf seiner Facebookseite.

Jedoch musste sich das Filmteam bereit erklären, die Regeln des Museums einzuhalten, beispielsweise die Exponate nicht zu beschädigen oder die Besucher nicht zu stören, so Heine. "Ein kleines Problem war für uns nur, kurzfristig Mitarbeiter zu finden, die das ganze betreuen." Doch insgesamt sei alles recht entspannt abgelaufen, auch der Direktor des Museums habe gelassen auf den Dreh reagiert.

In dem Video "Recht kommt", das in der ZDF-Show "Neo Magazin Royale" am Donnerstagabend lief, rappt Böhmermann in seiner Rolle als "POL1Z1STENS0HN" über die Macht der Gerichte, huldigt der Leistung von Rechtsanwälten und Richtern und teilt gegen Gangsterrapper wie Bushido und Haftbefehl aus.

Das Team habe mit den Dreharbeiten angefangen, bevor das Museum geöffnet hatte. Dennoch zogen sich die Arbeiten bis nach der Eröffnung hin, sodass auch schon einige Besucher eingetrudelt waren. "Es war aber nie das ganze Museum durch das Filmteam besetzt gewesen. Die haben sich ja nur in manchen Teilen des Museums aufgehalten", so Heine. Viele Szenen seien im Lichthof gedreht worden, manche im Treppenhaus und manche bei den Vitrinen in der oberen Etage. Circa drei Stunden hätten die Dreharbeiten gedauert.

Sprache im Video sei gewöhnungsbedürftig

Obwohl schon öfter Filmteams im Museum gedreht hätten, sei Böhmermanns Dreh besonders spannend gewesen, sagte Heine. "Böhmermann ist eine sehr öffentlichkeitswirksame Person, die auch nicht ganz unumstritten ist. Er teilt auch gerne aus." So bestand halt auch die Möglichkeit, dass er gegen das Museum austeile. "Doch mir ist nichts eingefallen, was er hätte kritisieren können", so die Pressesprecherin.

Dennoch, so ganz wohl ist Heine bei manchen Stellen im Video nicht. "Für den Inhalt und die Wahl der Sprache ist allein Jan Böhmermann verantwortlich. Unser feministisches Herz blutete etwas beim Anblick der armen Justitia, die sich doch ganz schön nackig machen musste. Außerdem wurde sie mit nicht gerade feinen Worten benannt", heißt es in dem Facebookbeitrag des Museums zu Böhmermanns Video. Die Sprache sei eben gewöhnungsbedürftig. Das sei gefährlich, wenn sich junge Leute dies unreflektiert zum Vorbild nehmen würden, sagte Heine. "In dem Format der Satire, für das Böhmermanns Beiträge stehen, hat die Sprache sicher ihre Berechtigung." Doch wünsche sie sich natürlich, dass die Schüler, die künftig das Museum besuchen, nicht so sprechen würden, sagte Heine lachend.

Das Video habe die Belegschaft auch in der Montagsrunde beschäftigt. Viele hätten sich darüber amüsiert. Dennoch waren sich alle einig: Die in dem Video verwendete Sprache passt nicht zum Museum Koenig. Heine hätte im Übrigen auch nichts dagegen, wenn Böhmermann-Fans ins Museum kämen, um sich die Drehorte anzuschauen oder Selfies zu machen. "Nur dann sollte der Besuch dennoch reflektiert sein und die Besucher sollten sich klar machen, welchen hohen Stellenwert Gerechtigkeit und Demokratie an diesem Ort haben."