Kommentar zum Bürgerbegehren gegen Hallenbad in Dottendorf: Nur die halbe Wahrheit

Kommentar zum Bürgerbegehren gegen Hallenbad in Dottendorf : Nur die halbe Wahrheit

Jeder Appell, bei den Fakten zu bleiben, wäre wohl vergeblich: Mit dem neuen Bürgerbegehren gegen das Hallenbad in Dottendorf droht eine Schlammschlacht um die Zukunft der Bonner Bäder.

Es gibt für eine Sanierung der alten Gebäude ebenso Argumente wie für das Neubauprojekt. In der Auseinandersetzung bleibt die (ganze) Wahrheit aber schon jetzt gelegentlich auf der Strecke.

Ziemlich kühn ist die Behauptung der Bürgerinitiativen, ein Aus für die Wasserland-Pläne würde nicht automatisch erhebliche Sanierungskosten nach sich ziehen. Dabei ist doch sonnenklar, dass ohne den Neubau sowohl Kurfürsten- als auch Frankenbad modernisiert werden müssten – und zwar so schnell wie möglich, wie der Schulschwimmengpass nach der plötzlichen Schließung der Beueler Bütt belegt. Schlicht falsch ist auch die Aussage, das Wasserland biete nur zwei Bahnen mehr als die beiden alten Bäder zusammen. Tatsächlich sehen die Pläne auch mehrere kleine Becken und damit viel mehr Wasserfläche vor als bisher, außerdem deutlich erweiterte Öffnungszeiten. Und das sind nur zwei Beispiele.

Aber auch die Stadtverwaltung spielt nicht ganz fair. In ihrer Kostenschätzung für das Bürgerbegehren berücksichtigt sie zum Beispiel nicht, dass ein Teil der erwarteten Steuerersparnis beim Wasserland-Projekt erst nach etwa fünf Jahren greift – macht zusammen ein Minus von rund 2,5 Millionen Euro, ist also durchaus erheblich. Ebenso fehlt der Hinweis auf die Sanierungskosten des Frankenbades, die auch dann anfallen, wenn die neue Schwimmhalle kommt.

Das rechtfertigt aber in keiner Weise die persönlichen Angriffe, mit denen die Bürgerinitiativen seit Wochen den Oberbürgermeister überziehen. Ja, Sridharan ist ein Verfechter des Wasserland-Projekts. Ihm allerdings vorzuwerfen, er wolle eigene Interessen gegen den Bürgerwillen durchsetzen, geht zu weit. Die Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft ist weder sein Projekt noch das des Stadtwerke-Chefs Peter Weckenbrock – sondern der Mehrheitswille im demokratisch gewählten Stadtrat.

Die Art der Attacken auf Sridharan zeugt deshalb auch von einem zweifelhaften Demokratieverständnis einiger Wortführer in den Bürgerinitiativen. Dem legitimen Instrument des Bürgerbegehrens schaden sie damit. Höchstwahrscheinlich werden die nötigen 10.000 Unterschriften trotzdem zusammenkommen, und höchstwahrscheinlich wird es danach den zweiten Bürgerentscheid zur Bäderfrage geben. Jetzt, da anders als 2017 die wesentlichen Fakten auf dem Tisch liegen, ist das vielleicht gar nicht schlecht. Nach dem erneuten Votum der Bonner wird die zähe Debatte endlich beendet sein. So oder so.

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