Weiberfastnacht und Rosenmontag: Bonn setzt im Karneval auf bewährtes Sicherheitskonzept

Weiberfastnacht und Rosenmontag : Bonn setzt im Karneval auf bewährtes Sicherheitskonzept

Für Festausschuss, Stadt Bonn, Polizei und Stadtwerke hat an Weiberfastnacht und Rosenmontag die Sicherheit der Bürger oberste Priorität. An beiden Tagen feiern jeweils 150.000 Jecke in der Stadt.

Wenn an den fünf tollen Tagen die Narren in Bonn ausgelassen und fröhlich Karneval feiern, herrscht auch bei einigen Behörden und Institutionen der Ausnahmezustand. Dieser Aggregatszustand bei Polizei, Ordnungsamt, Stadtwerken und Festausschuss bezieht sich allerdings auf Anspannung, Aufmerksamkeit und Einsatzbereitschaft.

Damit in Bonn Zehntausende Menschen sich dem Frohsinn nahezu uneingeschränkt hingeben können, müssen viele Dienststellen bereits Wochen im Voraus qualifizierte Arbeit leisten und an den Tagen von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch hochkonzentriert sein. „Dieser Aufwand und Einsatz ist es uns wert, weil wir als Stadt Bonn den Karneval bejahen und unterstützen. Wir wollen, dass die Bonner fröhlich Karneval feiern können“, erklärte Carsten Sperling vom städtischen Ordnungsamt.

Strenge Sicherheitsvorgaben des Landes

Weiberfastnacht und Rosenmontag sind die Tage, die den Veranstaltern und den Sicherheitskräften die meiste Arbeit abverlangen. An beiden Brauchtumstagen sind jeweils mehr als 150.000 Menschen in Bonn kostümiert und feiernd unterwegs. „Wenn der Karneval auf Hochtouren ist, können wir eigentlich nur noch reagieren. Deshalb ist eine seriöse Vorbereitung und Absprache mit allen Beteiligten im Vorfeld unerlässlich. Wenn diese Arbeit verantwortungsvoll erledigt ist, können wir den Karneval beruhigt auf uns zukommen lassen“, erklärte Klaus Kapellner, Leiter der Polizeiwache Bonn-Innenstadt und seit vielen Jahren Einsatzleiter an Karneval.

Seit der folgenschweren Panik bei der Love-Parade 2010 in Duisburg existieren landesrechtliche Vorgaben für die Veranstalter von Großveranstaltungen wie den Rosenmontagszug: Sie müssen ein Sicherheitskonzept erstellen. Die Stadt berät hierbei den Festausschuss als Veranstalter und stellt als Ordnungsbehörde ein Einvernehmen mit Polizei und Feuerwehr über das Sicherheitskonzept her.

"Bewährtes Konzept"

Auf 38 Seiten ist geregelt, wer was wann zu tun hat. Das gilt sowohl für die Vorbereitung als auch für den Ernstfall. „Das Konzept hat sich bewährt und wird jedes Jahr aktualisiert“, sagte Axel Wolf, der seit 15 Jahren für den Festausschuss Bonner Karneval als Zugleiter für den Rosenmontagszug verantwortlich ist. Der Karnevalsfunktionär weiß, dass jede weitere Auflage ein Stöhnen bei den Karnevalsvereinen auslöst. „Ich kann das aus Sicht der Vereine sogar manchmal nachvollziehen. Aber die Sicherheit für Mensch und Tier hat für den Festausschuss oberste Priorität. Da darf es keine Ausnahmen und keine Nachlässigkeiten geben“, betonte Wolf.

An Rosenmontag werden 730 Wagen- und Sicherheitsbegleiter für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Bonner Zugs sorgen. Für diesen personellen Aufwand hat sich der Festausschuss die Mithilfe eines Sicherheitsdienstes gegönnt. „An der Sicherheit dürfen und wollen wir nicht sparen. Die Jecken im Zug und am Zugwegrand sollen unbeschwert feiern können“, so der Zugleiter. Die Sicherheitsbegleiter sind den 82 Festwagen zugeteilt.

Sicherheitskräfte kommunizieren über Funk

Per Funk sind die Sicherheitskräfte mit der Koordinierungsgruppe in der Feuerwache 1 am Lievelingsweg in Kontakt und können sofort alle Vorfälle durchgeben. Die Koordinierungsgruppe ist sozusagen die Zentrale, die im Notfall die erforderlichen Entscheidungen trifft und Gegenmaßnahmen einleitet. Dort sitzen Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst, Ordnungsamt und Festausschuss zusammen und koordinieren Arbeit und Aufgaben. Der Festausschuss hat für diesen verantwortungsvollen Job einen Profi gewinnen können. „Der ehemalige Präsident der Bundespolizei, Jürgen Bischof, sitzt für uns als Veranstaltervertreter in der Koordinierungsgruppe. Er hat in seiner aktiven Zeit viele Großeinsätze geleitet und weiß, was im Notfall zu tun ist“, erklärte Axel Wolf.

Aufgrund der terroristischen Anschläge bei Großveranstaltungen in jüngster Zeit haben Polizei und Ordnungsbehörde 2017 erstmals ein Sperrstellenkonzept erarbeitet und umgesetzt. Für 2018 liegen zwar keine besonderen Erkenntnisse vor, die einen Anschlag befürchten lassen. Aber eine abstrakte Gefahrenlage existiert laut Polizei schon. Und deshalb wird der Festausschuss im Sicherheitskonzept wieder Stellen in der Innenstadt vorsehen, an denen Zufahrten versperrt werden – zum Beispiel am Bertha-von-Suttner-Platz. „Dafür werden auch Großfahrzeuge der SWB, von Bonnorange und des Tiefbauamtes eingesetzt“, so Sperling.

Klaus Kapellner wird als Polizeieinsatzleiter an Rosenmontag deutlich mehr als 100 Beamte im Einsatz haben, hinzu kommen 50 Mitarbeiter vom Stadtordnungsdienst. „Sollte es eine besondere Einsatzlage geben, können wir deutlich mehr Polizisten abrufen“, betonte Gerd Peter, Leiter der Polizeiwache Ramersdorf.

Zugleiter Axel Wolf ist bezüglich der Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Stadt voll des Lobes: „Wir können in Bonn stolz sein, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Wir sind ein eingespieltes Team, bei dem sich jeder auf den anderen verlassen kann.“

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