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Offene Ganztagsschule in Bonn: 341 neue OGS-Plätze ab Sommer

Offene Ganztagsschule in Bonn : 341 neue OGS-Plätze ab Sommer

Die Lage an den Offenen Ganztagsschulen (OGS) in Bonn hat sich vor dem morgen tagenden Schulausschuss noch nicht entspannt. Ab dem kommendem Schuljahr sollen in Bonn 7441 Kinder ganztägig betreut werden.

Zwar soll die Stadt laut Beschluss des Finanzausschusses zum kommenden Schuljahr an ihren Grundschulen 191 bislang nicht eingeplante weitere OGS-Plätze schaffen. Die könnten also zur jährlich festgelegten Steigerungsrate von 150 Plätzen an Bonns Grundschulen hinzuaddiert werden. Kommt es zur Erhöhung von insgesamt 341 OGS-Plätzen, würde die Gesamtzahl aller OGS-Nutzer also ab Sommer bei 7441 Kindern liegen. Finanzieren ließe sich das aus der Erhöhung der Elternbeiträge für Besserverdiener, erläuterte die Stadt im Finanzausschuss.

Doch noch sind die einzelnen OGS-Anwärterfamilien darüber noch nicht informiert. "Die Frage, wie die OGS-Plätze verteilt werden, kann erst nach der Ratssitzung, wenn die Entscheidung gefallen ist, beantwortet werden", sagte der stellvertretende Stadtsprecher Marc Hoffmann am Montag dazu auf GA-Frage. Die SPD bringt deshalb in den heutigen Schulausschuss einen weiteren Dringlichkeitsantrag ein. OGS-Plätze müssten weiter zielgerecht aufgestockt werden. "Wir haben von vielen Absagen gehört", erklärt Bärbel Richter dem GA. Es sei wichtig, von der Verwaltung zu erfahren, wo genau welcher Bedarf bestehe.

Der dürfte der Stadt auf jeden Fall auch von der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Paul-Klee bekannt sein. Zwei Familien klagen dem GA gegenüber, dass ihr Nachwuchs zwar einen Platz im dortigen ersten Schuljahr, aber bisher keinen in der OGS erhalten habe. Ihnen sei bei der Anmeldung versichert worden, das mit der Nachmittagsbetreuung gehe für sie als berufstätige Eltern schon klar, erläutert Mutter Annette Windmeisser. Doch dann kam mit dem ablehnenden Zwischenbescheid "der Schlag ins Gesicht", ergänzt Mutter Ilka Engelhardt.

"Derzeit existiert ein eher geringes OGS-Angebot an Paul-Klee", sagen die beiden. Ihnen seien mehr als eine Handvoll andere frustrierte Eltern kommender i-Dötzchen bekannt. Die Anzahl der Plätze müsse also unbedingt erweitert werden. Was beide als dringenden Appell an den Oberbürgermeister schrieben.

Sie seien "ziemlich ratlos und verzweifelt", sagt Engelhardt. Als Gesamtschullehrer mit 80 beziehungsweise 70 Prozent Arbeitszeit hätten ihr Mann und sie einen sehr stressigen Alltag. Jetzt werfe der OGS-Bescheid die Planungen auch an ihren Schulen über den Haufen. "Es ist ehrlich gesagt zum Heulen. Obwohl wir uns immer um die Kinder anderer kümmern, müssen wir jetzt auch noch den Spagat zwischen Schule und eigener Kinderbetreuung machen", so Engelhardt. Kindergarten- und OGS-Plätze seien in Bonn keine Selbstverständlichkeit. Ihre beiden Kinder hätten sie nur noch in einem Privat-Kindergarten untergebracht, den sie ganz selbst bezahlen. Ab Sommer müsse dann wohl eine Kinderfrau ihr Schulkind betreuen: pro Monat für über 1000 Euro zuzüglich Sozialversicherungsbeiträge. "Wir sind entsetzt, dass die Stadt hier schon wieder nicht auf unsere Bedürfnisse eingehen kann."

Annette Windmeisser und ihr Mann sind zu 100 beziehungsweise 60 Prozent berufstätig. Erhält der Sohn keinen OGS-Platz, wäre eine Option, die Arbeitszeiten zu reduzieren. "Dies entspricht jedoch nicht der Erwartung unserer Arbeitgeber." Ohnehin beunruhige sie, dass im Fall der Erweiterung der OGS-Plätze mit Qualitätseinbußen zu rechnen sei: Es würden in keinem Fall der Betreuungsschlüssel und die räumliche Kapazität proportional aufgestockt, habe man den Eltern erklärt. Sie erkenne an, dass die Stadt sparen müsse. Bei OGS sei das jedoch der falsche Ansatz. "Eine städtische Familienpolitik, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf - ganz zu schweigen von Karriere - fördert, sieht anders aus", so die Mutter.

Gestern Nachmittag gibt sie dann für sich Entwarnung: Sie habe vom OGS-Büro gehört, im Paket der zusätzlich geplanten Plätze sollen doch auch einige für die Paul-Klee-Schule drin stecken.