Sparpläne in Bonn: Jugendverkehrsschule fällt dem Rotstift zum Opfer

Sparpläne in Bonn : Jugendverkehrsschule fällt dem Rotstift zum Opfer

Noch wird dort Fahrunterricht für Kinder und Jugendliche angeboten - doch schon bald soll die Jugendverkehrsschule geschlossen werden.

Es ist ordentlich was los an der Kreuzung Bonner Straße/Shell-Ring: "Vorsicht Geisterfahrer", "nicht über die durchgezogene Linie fahren", "wo bleibt der Uhu-Blick?". Wilhelm Thönnes ruft, mahnt, warnt, wirft die Arme in die Luft. Wie ein Dirigent. Doch er leitet kein Orchester, sondern der Klasse 4 c. Die 20 Mädchen und Jungen der Beueler Josefschule sind an diesem Morgen zur Jugendverkehrsschule an den Landgrabenweg gekommen, um ihre Fahrkünste zu trainieren.

Noch wird dort Fahrunterricht für Kinder und Jugendliche angeboten. Doch das könnte sich bald ändern, denn: "Die Verwaltung plant den Neubau eines Kombibades mit Saunalandschaft in Bonn. Das Sport- und Bäderdezernat bevorzugt einen Standort im rechtsrheinischen Teil der Bonner Rheinaue", berichtet Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt Bonn. Derzeit würden auf Beschluss der Politik verschiedene Standortalternativen im Bonner Stadtgebiet eingehend geprüft und bewertet.

Unabhängig davon, ob das Bad am Landgrabenweg gebaut wird oder nicht, steht die Jugendverkehrsschule auf der Kippe. Denn der Schulausschuss habe im Rahmen der Etatberatungen mehrheitlich beschlossen, die Einrichtung mit Ablauf des aktuellen Schuljahres 2014/2015 aufzugeben. "Die endgültige Entscheidung trifft der Rat", erklärte Schmitz.

Für Schüler und Lehrer ist der Verkehrsparcours jedoch ein wichtiges Element der Verkehrserziehung. "Wir üben heute die erste Stunde mit den Rädern im Schonraum, bevor es in der zweiten Einheit in den Straßenverkehr mit den Polizisten geht", erklärt Klassenlehrerin Judith Sielaff. "Die Kinder lernen hier erst einmal richtig aufzusteigen und sammeln Erfahrungen", sagt sie. Und das ist gar nicht so einfach.

Auch der Blick über die richtige Schulter beim Start will gelernt sein. "Ich unterrichte nun seit sechs Jahren und stelle fest, dass die Motorik bei Kindern nachlässt. Sie können zwar alle mit dem Handy umgehen, aber ein Fahrrad zu nutzen, fällt einigen ganz schön schwer", sagt Platzwart Thönnes. Immer ermahne er die Kinder, sie sollten mehr draußen spielen, sich bewegen. "Dann bekommen sie ein ganz anderes Gefühl fürs Rad", sagt Thönnes.

Gerade in der heutigen Zeit, mit schnellen Autos und zunehmendem Verkehr, sei das Training wichtig. "Man muss viel vorsichtiger sein, als früher. Dass auf dem Parcours ein Fehler nicht gleich mit einer Verletzung endet, ist Gold wert", so der Trainer. "Das Training soll ihnen Sicherheit geben. Denn viele haben das zehnte Lebensjahr vollendet, das heißt, sie dürfen nicht mehr auf dem Gehweg fahren", betont die Lehrerin. Und für viele Kinder habe der Übergang in die weiterführende Schule die Konsequenz, dass sie mit dem Rad zum Unterricht fahren werden.

"Die meisten Schüler überschätzen ihre Fähigkeiten und müssen auf dem Übungsplatz oft Lehrgeld bezahlen. Sie gehen in der Regel viel demütiger vom Platz", berichtet Judith Sielaff. Das Training ist für die Grundschüler wichtig, um das große Ziel zu erreichen: die Fahrradprüfung, die für die Viertklässler in diesem Schuljahr auf dem Stundenplan steht.

Die 10-jährige Mia fährt viel mit dem Rad in Beuel: "Ich fahre schon seit ich fünf Jahre alt bin. Meine Mutter hat mit mir geübt." Die Lehrstunde auf dem Parcours findet sie toll: "Hier ist kein Verkehr, und wir können alles in Ruhe üben."

Die Jugendverkehrsschule der Stadt Bonn ist eine verkehrspädagogische Einrichtung. Dort gibt es montags bis freitags Radfahrunterricht für Grund- und Förderschüler. Nachmittags werden Mofakurse angeboten. Eine Vermietung des Geländes für private Veranstaltungen, zum Beispiel für Geburtstagsfeiern ist laut Stadt grundsätzlich nicht möglich.

Stadtverwaltung soll Standort für Kombibad suchen

  • Freibäder werden 2015/16 zwar erst mal nicht geschlossen, trotzdem will die Ratsmehrheit sich dem Vorschlag der Verwaltung anschließen, ein neues Kombibad zu bauen - als Frei- und Hallenbad mitsamt einer Sauna. Wenn dieses realisiert wird, dürfte es aber eng werden für das Ennertbad und die Beueler Bütt.
  • Als Standort für dieses neue Kombibad sind drei Orte in der engeren Wahl: Der eine ist die Jugendverkehrsschule in der Beueler Rheinaue, die anderen liegen auf der linken Rheinseite. Es sind das Miesen-Gelände an der Dottendorfer Straße und ein Grundstück im Norden von Bad Godesberg.
  • Die entsprechenden Beschlüsse fallen im Zuge der Haushaltsberatungen jetzt im Stadtrat. Danach wird die Stadt Bonn mit der Investoren- und Standortsuche beginnen.
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