Rechtsextremistischen Ideologen zielen auf Unterhaltungswert

Rechtsextremistischen Ideologen zielen auf Unterhaltungswert

Polizei spricht von zwei bedeutenden Organisationen - Integrationsrat tagt in Bonn

Bonn/Rhein-Sieg-Kreis. (dab) Die rechtsextremistische Szene im hiesigen Raum hat sich nach Polizeiangaben verändert. Zwar bedienten sich Rechtsextremisten weiterhin der Symbole des Nationalsozialismus, doch mittlerweile "dominiert ein modernes Gewand", heißt es in einer Mitteilung der Behörde an den Integrationsrat.

Für die Sitzung heute um 18 Uhr im Stadthaus (Ratssaal) hatten die Internationale Liste, die Liste Gemeinsam für Integration und die Friedensliste eine Anfrage zum Thema Rechtsextremismus gestellt. "Musik ist ein wichtiger Träger ideologischer Botschaften geworden", so die Polizei. Das Internet spiele ein bedeutende Rolle.

Die rechtsextremistischen Ideologen zielen laut Polizei auf den Unterhaltungswert ihrer potenziellen Anhänger. "Eine Kombination von Freizeit- und Unterhaltungswert mit politischen Inhalten, die um einen fremdenfeindlichen Kern und die Verherrlichung, zumindest die Verharmlosung des Nationalsozialismus kreisen, sind heute Kennzeichen des zeitgenössischen Rechtsextremismus."

Der entwickele sich zu einem "attraktiven" Angebot, bei denen Unterhaltung und Gruppenzugehörigkeit zum Lebensgefühl würden. 2005 habe es vier Gewalttaten (Körperverletzungen) gegen Migranten gegeben, eine in Bornheim, drei in Bonn. Drei Täter stammten aus der rechtsextremen Szene, einer wohne in Rheinland-Pfalz, die anderen stammten aus der Bonner Obdachlosenszene.

Erkenntnisse über deren Mitgliedschaft in der rechtsextremen Szene liegen der Polizei nicht vor. Nach deren Angaben wurden 2006 zwei Migranten körperlich angegangen und verletzt. Für eine Tat sei ein in der Szene bisher nicht auffällig gewordener Deutscher verantwortlich.

Laut Polizei gibt es zwei "bedeutende" rechtsextremistische Organisationen: Der Kreisverband Rhein-Sieg der NPD sei strafrechtlich in den vergangenen Jahren nicht in Erscheinung getreten. Die Kameradschaft Sturm Rhein-Sieg sei ein loser Verband; Straftaten seien nicht festgestellt worden. Daneben gebe es Gruppen von Jugendlichen, die der Skinheadszene zugerechnet werden. Sie seien durch Straftaten unter Alkoholeinfluss aufgefallen.