Geschäfte auf dem Brüser Berg: Post schließt zum Jahresende

Geschäfte auf dem Brüser Berg : Post schließt zum Jahresende

Elisabeth Kocziak ist entsetzt. „Wo bekomme ich denn in Zukunft Briefmarken?“, fragt die Seniorin und steckt die beiden frankierten Umschläge in den gelben Kasten. Sie hat gehört: Ende des Jahres schließt die Post auf dem Brüser Berg.

„Das wäre aber sehr schlecht für die vielen älteren Bewohner hier auf dem Brüser Berg“, ergänzt sie ungläubig. Bis jetzt versorgte Cabbar Gündogdu den „Bonner Balkon“ mit allen Serviceleistungen rund um den Brief- und Paketversand mit der Deutschen Post, war Anlaufstelle für Postbankgeschäfte. Doch damit ist Ende des Jahres Schluss:

Zum 31. Dezember schließt der Schreibwarenladen mit integrierter Postfiliale nach zehn Jahren. Das war allerdings keine einfache Entscheidung für den Unternehmer. „Ich hatte keine andere Wahl. Die Voraussetzungen haben sich nun mal verändert.“

Zum 30. November hat die Postbank ihren Rückzug aus der Partnerfiliale angekündigt. „Aber nur mit der Provision für die Dienstleistungen aus dem Brief- und Paketversand kann ich nicht überleben“, kalkuliert Cabbar Gündogdu.

„Das Geschäft ist unter diesen Bedingungen für mich nicht mehr tragbar. Schließlich muss ich Miete bezahlen und habe Personalkosten.“ Daher müsse er die Notbremse ziehen. „Ich weiß, dass hier viele ältere Menschen leben. Aber ich muss unternehmerisch denken und handeln.“ Wie groß der Bedarf am Standort Brüser Berg ist, das weiß er aus Erfahrung. „Durchschnittlich 100 Kunden kommen am Tag in meinen Laden.“

Die Deutsche Post DHL bestätigt auf Anfrage, dass der Inhaber der Partnerfiliale den Vertrag zum Jahresende gekündigt hat. Derzeit sei man auf der Suche nach einem neuen Standort.

Um auch weiterhin den gewohnten Service anzubieten, müsste der Konzern jedoch gar nicht so weit gehen. Denn Felicitas Lippold, die in direkter Nachbarschaft eine Agentur für Arbeitsvermittlung und Personalberatung betreibt, würde das übernehmen.

Sie verfügt sogar über beste Voraussetzungen. Denn in ihrem Ladenlokal an der Borsigallee war früher die alte Postfiliale untergebracht. „Es gibt sogar noch die Abtrennung für die Telefonzelle“, lacht sie und deutet auf den kleinen Raum neben dem Eingang.

Allerdings muss auch die Geschäftsfrau genau kalkulieren. „Ich würde gerne Postbank und Postfiliale hier unterbringen. Dafür würde ich auch zwei neue Arbeitsplätze schaffen“, erzählt sie. Erste Gespräche habe sie bereits geführt, eine Entscheidung sei allerdings noch nicht getroffen.

Auch in Sachen Fachwissen wäre sie die „Idealbesetzung“. „Ich habe fünf Jahre bei einer Bank gearbeitet. Ich kenne mich also aus“, fügt sie hinzu. Damit sich das Geschäft allerdings rechnet, müssten zwei Schalter und nicht wie bisher nur einer eingerichtet und besetzt werden. „In dem alten Geschäft standen die Kunden teilweise bis zur Tür. Das könnten wir mit zwei Schaltern ausschließen.“

Mittlerweile hat sich im Stadtbezirk die bevorstehende Schließung der Postfiliale herumgesprochen. Dass das gerade die älteren oder nicht mobilen Bewohner trifft, das ist Horst Erhardt vom Bürgerstammtisch bereits klar.

„In Zukunft müssen sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis nach Duisdorf fahren, um Briefmarken zu kaufen oder Pakete aufzugeben. Und wenn sie nicht zu Hause sind, wenn der Zusteller klingelt, können sie ihre Sendung ebenfalls im Nachbarort abholen“, so Erhardt.

Deshalb hofft er ebenso wie Felicitas Lippold, dass die Verhandlungen mit dem Konzern positive verlaufen. „Das wäre im Sinne aller Bewohner auf dem Brüser Berg“, so die Geschäftsfrau. Bereits heute trifft sie sich mit Verantwortlichen des Logistikkonzerns, um über eine eventuelle Fortführung zu verhandeln.

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