Kinderbetreuung: Mama arbeitet nebenan

Kinderbetreuung : Mama arbeitet nebenan

Die Kita "Mobile Strolche" ist einer von vier Betriebskindergärten der Telekom. Das Betreuungsangebot hat viele Vorteile, weshalb die Warteliste auch sehr lang ist.

Es gibt wichtige Dinge zu besprechen an diesem Morgen bei den Mobilen Strolchen. Denn nächste Woche wird Laulaja fünf, und da möchte Amelie ganz genau wissen, wen das Geburtstagskind aus der Kita am Landgrabenweg einlädt. "Carl, Ville und mich auf jeden Fall", schlägt die Vierjährige vor. Sie erntet ein Nicken und frühstückt weiter.

Amelie und die anderen Kinder aus Mäuse-, Igel- und Maulwurfgruppe haben eine Gemeinsamkeit: Mindestens ein Elternteil arbeitet bei der Deutschen Telekom. "Wir wollen die Mitarbeiter bestmöglich dabei unterstützen, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren", sagt Katja Werz von der Unternehmenskommunikation. Dabei sei die betriebliche Kinderbetreuung ein Baustein. "Durch dieses Angebot können wir Fachkräfte anziehen oder sie nach der Elternzeit halten", so Werz.

Damit Mutter oder Vater einen der 54 Plätze für ihren Nachwuchs erhalten, müssen sie schnell sein. Da geht es den Telekom-Mitarbeitern nicht anders als anderen Eltern. "Ich war im dritten Monat schwanger, als ich mein Kind angemeldet habe", sagt Sabine van Riet, die im Bereich IT arbeitet.

Als Jannik fünf Monate alt war, habe sie die Wickel- gegen die Laptoptasche eingetauscht. "Am Anfang habe ich mich mit Randzeiten begnügt, nach zwei Jahren hatte ich einen Vollzeitplatz", sagt die Mutter des Fünfjährigen, die gerade ihr zweites Kind erwartet.

Die Eltern können Betreuungskontingente buchen, die von 20 bis 45 Stunden reichen. "Wir haben ganzjährig werktags von 7 bis 19 Uhr geöffnet", beschreibt Kita-Leiterin Andrea Pfeil einen Vorteil, der Eltern wie Erzieherinnen zugute kommt.

"Da die Kita in den Ferien nicht schließt, können wir auch außerhalb der Ferien Urlaub machen", so Pfeil. Die Leiterin und ihr 15-köpfiges Team sind selbst keine Angestellten der Telekom, sondern arbeiten für die Kasseler Firma "Impuls - Soziales Management". "Für diesen Bereich wollten wir Fachleute haben", begründet Werz die Entscheidung für den Dienstleister, der sich auf Betriebskitas spezialisiert hat. Die Telekom übernimmt alle Betriebskosten abzüglich der Elternbeiträge.

"Die Eltern erwarten schon ein gewisses Niveau, und wir bieten es ihnen", sagt Pfeil. So ist jede Mitarbeiterin mindestens staatlich anerkannte Erzieherin. "Außerdem erhält jede von Impuls einen eigenen Fortbildungsetat, und es gibt Supervision für uns", erzählt Pfeil, deren Kolleginnen zwischen 22 und Anfang 40 sind.

Betreut werden Kinder ab vier Monaten bis zum Schuleintritt. Doch sämtliche paradiesische Zustände täuschen nicht darüber hinweg, dass auch hier die Nachfrage nach Plätzen höher ist als das Angebot. "Da wird man schon gefragt, was man denn tun müsse, um den Zuschlag zu erhalten", erzählt van Riet, die auch im Elternrat sitzt.

Leiterin Pfeil möchte keine genauen Zahlen nennen: "Aber die Warteliste ist sehr lang." Die Telekom, meint Werz, sei allerdings auch nicht dafür zuständig, ein gesamtgesellschaftliches Problem zu lösen. Lindern aber tut sie es.

Gegessen, gespielt, gestritten und geschlafen wird am Landgrabenweg wie in jeder anderen Beueler Kita auch. Nur vielleicht etwas internationaler. Silvia ist drei und spricht Deutsch nur bei den Mobilen Strolchen.

"Zu Hause sprechen wir Chinesisch und nennen sie mit ihrem chinesischen Namen Xiaofei", sagt Mutter Xien Wang. Das Kind habe Deutsch in der Kita gelernt, sagt Wang, die in der Zentrale arbeitet und selbst sehr gut Deutsch spricht.

Die anderthalbjährige Naé hingegen hat gerade zum ersten Mal "chaussure" (Schuh) gesagt, berichtet Erzieherin Johanna Kasperek: "Was Sprachen angeht, lernen wir auch dazu", meint sie schmunzelnd. Groß geschrieben wird das Miteinander, was bei altersübergreifenden Gruppen beginnt und bei Waffelverkäufen für den guten Zweck in der Kantinen-Zentrale noch lange nicht endet. So unterstützt jede Gruppe ein eigenes Patenkind in Ghana.

Doch Afrika ist gerade weit weg, denn Amelie hat herausgefunden, was das Beste an Laulajas Geburtstag ist: "Da fahren wir ins Piratenland." Zufällig fällt der Kita-Ausflug auf diesen Tag. Und so feiern alle Kinder mit dem Mädchen.

Betriebskindergärten

Am Firmenstandort Bonn gibt es vier betriebliche Kindertagesstätten der Deutschen Telekom. Dazu zählen die Kleinen Wolkenstürmer in Dottendorf, Wirbelwind nahe der Rheinaue, Buntes Rabenhäuschen im Johanniterviertel und die Mobilen Strolche in Beuel-Süd. Insgesamt bieten die Einrichtungen 350 Kindern einen Betreuungsplatz.

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