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Kleingartenverein "Am Ennert": Wildschweine pflügen Gärten um

Kleingartenverein "Am Ennert" : Wildschweine pflügen Gärten um

Nach dem Bergfriedhof in Küdinghoven haben sich die Wildschweine jetzt die Kleingartenanlage "Am Ennert" vorgenommen und nach Herzenslust umgegraben. "Es ist fast kein Garten verschont worden. Die Wildschweine haben alles umgepflügt. Den finanziellen Schaden kann man kaum beziffern, aber es handelt sich sicherlich um mehrere tausend Euro", erklärte Günter Malorny, Vorsitzender des Kleingartenvereins.

Bereits kurz vor Weihnachten hatten die Schwarzkittel die Anlage besucht, aber der Schaden hielt sich damals noch in Grenzen. "Jetzt kommen die Tiere fast jede Nacht. Sie schlüpfen unter den Zäunen her und rennen quer durch die Anlage", so Malorny weiter.

Die Kleingärtner hatten in all den Jahren noch nie Ärger mit Wildschweinen, hin und wieder aber mal mit Rehen. "Wir haben uns an die Stadt und den zuständigen Förster gewendet und um Hilfe gebeten. Die wurde uns aber von beiden Seiten verwehrt", ärgerte sich der Kleingärtner.

Bernd Sommerhäuser, zuständiger Revierförster des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, erklärte dem GA auch, warum er nicht helfen konnte: "Zum einen liegt die Fläche außerhalb unseres Jagdreviers. Zum anderen ist die Anlage ein befriedeter Bezirk, in dem gar nicht gejagt werden darf. Ich habe dem Vorstand empfohlen, einen stabileren Zaun um das Gelände zu bauen, der Wildschweinen einen Zugang unmöglich macht."

Und bei diesem Thema beginnt für Malorny das nächste Probleme. Einen neuen Zaun können sich die Kleingärtner nicht leisten und außerdem vertritt der Vorsitzende die Meinung: "Das Gelände gehört der Stadt Bonn. Wir zahlen dafür jährlich 12 300 Euro Pacht. Die Stadt kann uns jetzt als Verpächter nicht hängen lassen. Sie ist nach unserer Auffassung für die Erneuerung des an vielen Stellen zerstörten Zauns zuständig."

Gefragt, warum die Wildschweine in diesem Winter so viele Schäden anrichten, antwortete Sommerhäuser: "Der Fall liegt ähnlich wie in Küdinghoven. 2011 war ein sogenanntes Mastjahr mit vielen Bucheckern und Eicheln. Dadurch haben sich die Wildschweine stark vermehrt. 2012 haben die Bäume wenig Früchte abgeworfen, und der große Wildschweinbestand hat jetzt Hunger und findet im Wald zu wenig zu fressen." Deshalb kämen die Sauen aus dem Wald und suchten nach Nahrung, vor allem nach tierischem Eiweiß. Und das fänden die Tiere am schnellsten unter der Grasnarbe oder im Kompost.

Malorny hat das Wildschwein-Problem an den Stadtverband der Kleingärtner weitergeleitet. Deren Vorsitzender, Peter Terlau, will das Thema bei der nächsten Sitzung im März auf die Tagesordnung bringen. "Die Stadt Bonn unterstützt den Stadtverband jährlich mit 12 500 Euro. Wir hoffen jetzt, dass wir von diesem Geld etwas abbekommen, um die Schäden in der Anlage beseitigen zu können", hofft Malorny.

Die Stadtverwaltung hat das Problem am Ennerthang jetzt laut Presseamt geprüft. "Die Bundesstadt Bonn ist nur Eigentümerin der als Kleingartenanlage genutzten Grundstücke. Die umliegenden Waldflächen, aus denen die Wildschweine vermutlich stammen, sind Teil des staatlichen Eigenjagdbezirks Ennert", so eine Mitarbeiterin des Presseamts.

Die Stadt regt an, dass Gespräche zwischen dem Verein und dem Staatlichen Forstamt geführt werden sollten, ob eine Bejagung im Umfeld der Anlage zu einer Verbesserung der Situation führen könnte. Ansonsten bliebe nur eine wildschweinfeste Umzäunung der Anlage.

Für solche und ähnliche Unterhaltungsmaßnahmen werde dem Stadtverband der Kleingärtner ebenjener - oben erwähnte - Betrag von 12 500 Euro ( finanziert aus den jährlichen Pachteinnahmen) jährlich zur Verfügung gestellt, so die Stadt.

Wildschweine machen aber nicht nur Bewohnern in Beuel zu schaffen. Auch auf dem Südfriedhof in Dottendorf haben sie vor einiger Zeit ihr Unwesen getrieben und Gräber verwüstet.

Kleingartenverein

Die Kleingartenanlage "Am Ennert" wurde 1966 in Holzlar eröffnet. Sie grenzt direkt an den Waldrand des Naturschutzgebiets Ennert und an die Pützchens Wiesen. Auf dem fast 40 000 Quadratmeter großen Gelände sind 108 Gärten untergebracht. Damit ist diese Kleingartenanlage die größte von insgesamt 22 in Bonn und Umgebung.