Beueler Treff: „Austausch braucht Sprachkenntnisse“

Beueler Treff : „Austausch braucht Sprachkenntnisse“

Zur GA-Diskussion über die Zukunft der Städtepartnerschaft zwischen Mirecourt und Beuel kommen rund 80 Gäste. Der Komitee-Vorsitzende Bernard Schmitt plädiert dafür, den Fremdsprachenunterricht schon in den Grundschulen zu verorten.

Weder der Beueler Hans Lennarz noch der Mirecourter Jean-Marie Bastien beherrschten die Sprachen des jeweils anderen. Dennoch haben sie miteinander – mit Händen und Füßen – eine Städtepartnerschaft zustande gebracht, die heute immer noch sehr lebendig ist. Es geht also auch ohne Sprachkenntnisse – aber das wird heute immer schwieriger, da waren sich die Teilnehmer auf dem Podium des Beueler Treffs am Sonntag im Beueler Rathaus einig.

Dort moderierte GA-Redakteur Holger Willcke eine offene Diskussionsrunde mit mehr als 80 Gästen, bei der intensiv über den Spracherwerb gesprochen wurde. „Austausch braucht Sprachkenntnisse“, sagte der Mirecourter Bürgermeister Yves Séjourné. Ein Problem sei die Bereitschaft Jugendlicher, an den Schulen Deutsch zu lernen.

Zudem würden weniger Deutschlehrer ausgebildet. „Wir müssen Initiativen ergreifen, um diesen Spracherwerb zu fördern“, sagte er. Etwa zweisprachigen Unterricht. „Wir müssen in Frankreich die Fremdsprachenpädagogik auf den Prüfstand stellen.“

Der Mirecourter Komitee-Vorsitzende Bernard Schmitt plädierte dafür, den Fremdsprachenunterricht schon in den Grundschulen zu verorten – aber dafür fehlten ausgebildete Pädagogen. Denen könne man in Deutsch ausgebildete Assistenten an die Seite stellen - der nationale Kulturrat arbeite schon daran.

Die ehemalige Europaabgeordnete Ruth Hieronymi schlug vor, die bilingualen Gymnasien in Bonn in die Städtepartnerschaft einzubinden. Der frühere Bezirksbürgermeister Wolfgang Hürter gab zu bedenken, dass an den Schulen Französisch immer mehr zugunsten von Spanisch und Chinesisch als zunehmend wichtige Wirtschaftssprachen an Boden verliere. „Die kulturelle Komponente bleibt auf der Strecke.“

Dilledöppchen fahren nach Mirecourt

Wie kann es mit der Städtepartnerschaft weitergehen? Ein Zuschauer forderte grundsätzlich: „Wir brauchen mehr Courage.“ Auf Beueler Seite versuche man, den Jugendaustausch sowie den der Sportvereine aufrechtzuerhalten, „in dem Bestreben, dass Menschen, die zusammenkommen, ein Interesse daran entwickeln, die Sprache zu lernen“, sagte Bezirksbürgermeister Guido Déus. Dabei sei es auch wichtig, dass Menschen bei Austausch- oder Bürgerfahrten bei Gastfamilien unterkommen, sagte Klaus Ebert, der Vorsitzende des Beueler Komitees.

Auch auf Vereinsebene versuche man, neue Wege zu gehen, so Déus. So würden bei der Fahrt im Juni nach Mirecourt auch Vertreter der Oberkasseler Alten Kameraden und der Showtanzgruppe Dilledöppchen mitfahren. Die Zusammenarbeit mit dem Bonner Institut français für das Freundschaftsfest sei sehr fruchtbar gewesen - und ausbaufähig. „Wir als Bürgermeister müssen jetzt ein neues Kapitel aufschlagen“, sagte Séjourné. Der Brexit biete die Möglichkeit, die deutsch-französische Beziehung zu vertiefen. Die Zivilgesellschaft müsse aber bei der Finanzierung mithelfen. Und man könne über einen Austausch zwischen Branchen in beiden Städten sprechen. Willcke schlug der Mirecourter Ex-Wäscherprinzessin Lucie Claude vor, ein Beuel-Mirecourter Damenkomitee zu gründen. Sie dazu: „Wir sind nicht jeck genug.“

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