50 Jahre Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt: Freundschaftsbogen von Bonn nach Frankreich

50 Jahre Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt : Freundschaftsbogen von Bonn nach Frankreich

Bürger aus Mirecourt und Beuel feierten drei Tage lang das 50-jährige Bestehen dieser deutsch-französischen Freundschaft. Das Gastgeschenk aus der Geigenstadt rührt viele Gäste.

Jeder weiß, wo das Rondell am Beueler Rheinufer ist, aber einen offiziellen Namen hatte es bislang nicht. Das hat sich jetzt geändert: Anlässlich des Festaktes zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt wurde am Samstag das Straßenschild enthüllt, das diesen Ort als „Mirecourtplatz“ benennt. Das passt, denn das Rondell spiegelt als Stätte der Begegnung Sinn und Zweck der Partnerschaft wider.

„Wenn wir da hinfahren, kommen wir nach Hause“, sagte Klaus Ebert, Vorsitzender des Beueler Partnerschaftskomitees. Was da 1957 mit dem Auffinden einer Glocke aus der Schwarzrheindorfer Doppelkirche in einem Mirecourter Glockenturm begann, habe sich zu einer einzigartigen Partnerschaft entwickelt. Dem kann sein Amtskollege auf Mirecourter Seite, Bernard Schmitt, nur zustimmen, und er setzte diese Bürgerpartnerschaft in einen größeren Zusammenhang. „Was früher passiert ist, hätte nie sein dürfen“, sagte er über die Kriege zwischen den beiden Ländern. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder auf den Weg des Nationalismus geraten.“

Auch bei den Reden der Offiziellen Samstagvormittag am Rheinufer stand die übergeordnete Beziehung beider Länder im Vordergrund – mit Blick auf die Europawahl kein Wunder. Nationalismus habe Europa nie gut getan, so der Europaabgeordnete Axel Voss. „Wenn unser vereintes Europa in Zeiten zäher Brexit-Verhandlungen eine Zukunft haben soll, muss es sich auf seine Grundwerte besinnen“, sagte Bezirksbürgermeister Guido Déus. Miteinander, Interesse an der anderen Sprache und Kultur, das alles pflege diese lebendige Städtepartnerschaft. „Unsere beiden Städte sind Teil der Geschichte Europas“, sagte der Mirecourter Bürgermeister Yves Séjourné. „Wir müssen weiter daran arbeiten, dass wir den Frieden wahren können. Vivre le jumelage!“

Mirecourtplatz mit Info-Tafel eingeweiht

Oberbürgermeister Ashok Sridharan betonte den Wert der Städtepartnerschaft zur Pflege der deutsch-französischen Freundschaft. Diese sei ein „Werkzeug im Dienste der Konsolidierung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern“, ließ die französische Botschafterin in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, mitteilen. Der kürzlich geschlossene Aachener Vertrag sei eine wichtige Basis, um den Ausbau der zivilgesellschaftlichen Kontakte auszubauen, sagte NRW-Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner.

Am Mirecourtplatz wurde auch eine Info-Tafel zur Entstehung der Partnerschaft eingeweiht, dann wurden die Flaggen Europas, Frankreichs und Deutschlands sowie von Beuel und Mirecourt gehisst. Nachmittags trafen sich die Beteiligten zum Freundschaftsfest auf dem Beueler Rathausvorplatz wieder. Laut Déus wollte man das Jubiläum bewusst nicht hinter verschlossenen Türen feiern, sondern in der Öffentlichkeit, damit die Partnerschaft in der Bevölkerung präsenter wird. Deshalb gab es auf dem Platz ein Bühnenprogramm mit zum Teil französischen Musikgruppen, außerdem Verkaufsstände für französische Käse- und Wurstspezialitäten sowie für Back- und Konditorwaren.

Bis in den Abend hinein wurde die deutsch-französische Freundschaft zelebriert, die für Bernard Schmitt eine Genugtuung darstellt. Er wuchs an der französischen Grenze zum Saarland auf, litt darunter, von den Franzosen als Deutscher beschimpft zu werden. Diese Feindschaft überwunden zu haben, sei für ihn Antrieb, sich seit 2008 im Mirecourter Partnerschaftskomitee zu engagieren, seit 2011 als Vorsitzender. Damals sei das Komitee überaltert gewesen, erzählte er. „Wir arbeiten an der Nachwuchsförderung.“

Das Problem sei, dass der Staat weniger Geld zuschieße als früher. Das Begegnungsfest begann schon am Freitagabend mit einer launigen Veranstaltung auf dem Rheinschiff Beethoven. Dort überraschte der Beueler Komitee-Ehrenvorsitzende Hans Lennarz damit, dass er bei seiner Ansprache den ehemaligen Präsidenten des Mirecourter Partnerschaftskomitees, Jean-Marie Bastien, telefonisch dazuschaltete. Der Mittachtziger konnte nicht selbst mit nach Beuel kommen, grüßte aber die Gesellschaft auf diesem Weg.

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