Kommentar zur Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt: Weckruf für die Jugend

Kommentar zur Städtepartnerschaft Beuel-Mirecourt : Weckruf für die Jugend

Bürger aus Mirecourt und Beuel feierten drei Tage lang das 50-jährige Bestehen dieser deutsch-französischen Freundschaft. Das Gastgeschenk aus der Geigenstadt rührt viele Gäste.

Die wichtigste Erkenntnis des dreitägigen deutsch-französischen Freundschaftsfestes lautet: Die 50 Jahre alte Städtepartnerschaft zwischen Mirecourt und Beuel steht auf festen Füßen und ist gerüstet für eine Neuausrichtung des europäischen Miteinanders auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen. Als Beobachter und Gast des Jubiläums konnte man den Geist des Treffens bei allen Teilnehmern wahrnehmen – die Aussöhnung beider Nationen ist gelungen, der Blick muss in die Zukunft gerichtet sein. Man war sich darin zu Recht einig, dass nur durch ein couragiertes Handeln auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen, ein Auseinanderdriften Europas verhindert werden kann. Lebendige Städtepartnerschaft,wie die zwischen Beuel und Mirecourt, tragen zum Abbau von Vorurteilen bei und helfen, Abschottung zu verhindern. Sorge bereitet indes der Rückgang des Interesses am Erlernen der Sprache des Nachbarn.

Bildungspolitiker beider Nationen sind gefordert, Anreize für Schüler durch geschickte Maßnahmen und Angebote zu schaffen. Berufspraktika und Ausbildungslehrgänge im Nachbarland sowie die gegenseitige Anerkennung der Lerninhalte und Schulabschlüsse helfen, Sprachbarrieren abzubauen. Ein ständiges Beklatschen des Geleisteten reicht nicht aus, um junge Menschen für eine Fortführung der deutsch-französischen Freundschaft zu begeistern. Aber Vorsicht: Politik ist nicht alleine dafür zuständig, dass Deutsche und Franzosen sich als Freunde verstehen. Alle gesellschaftlichen Gruppierungen müssen dazu ihren Beitrag leisten.

Dass das in Beuel und Mirecourt in den vergangenen fünf Jahrzehnten so vorbildlich funktioniert hat, lag vor allem an den handelnden Personen. Menschen wie Hans Lennarz und Jean-Marie Bastien, die die Folgen des Zweiten Weltkriegs und die Aussöhnungsbemühungen von Adenauer und de Gaulle als junge Männer erlebt haben, standen und stehen für die deutsch-französische Freundschaft. An den Soldatengräbern von Verdun reichten sie sich gemeinsam mit Vertretern der Enkelgeneration die Hände – ein einzigartiges Beispiel dafür, dass gegenseitige Achtung und Verständnis füreinander Freunde und Freude schaffen. Dieser Geist muss in die nächsten Generationen übertragen werden. Longue vie à votre jumelage.

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