Spiele womöglich ohne Belang?: Relegationschaos in Bonner Kreisligen

Spiele womöglich ohne Belang? : Relegationschaos in Bonner Kreisligen

Ein Einspruch des A-Ligisten SV Beuel gegen eine Wertung eines Spiels der abgelaufenen Saison führt zu einer Relegation, deren Ausgang möglicherweise nichtig ist. Auch die Aufstiegskonstellation könnte sich für die Kreise Bonn und Sieg dadurch verändern.

Kunstrasen statt Strand, Schienbeinschoner statt Sonnencreme, noch einmal Höchstleistung statt Urlaubsfeeling - einige Bonner Kreisligisten müssen auf die erhoffte Mannschaftstour noch warten. Denn der Kreis Bonn hat Relegationsspiele angewiesen. Ob die drittplatzierten B-Ligisten aus Wormersdorf oder Lengsdorf oder die Drittplatzierten der C-Liga (SC Widdig, Uni Bonn II und Rot-Weiß Merl II) trotz möglichen erfolgreichen Abschneidens den Gang in die nächst höhere Liga antreten, ist jedoch fraglich. Die Spiele werden pro forma ausgetragen. Fünf Mannschaften, vier Spiele - deren Ausgang möglicherweise vollkommen belanglos sind.

Der 1. FC Niederkassel muss zwar kein Relegationsspiel mehr austragen, doch auch für den Tabellenzweiten der A-Liga Sieg ist nicht klar, ob der bereits gefeierte Aufstieg Bestand hat. Denn der SV Beuel hat - wie berichtet - gegen eine Wertung der am Wochenende abgelaufenen Spielzeit Einspruch eingelegt. Im Duell bei den Sportfreunden Ippendorf kam ein Spieler zum Einsatz, der nach Meinung der Beueler nicht hätte spielen dürfen. Der Ippendorfer Akteur hatte eine Woche zuvor wegen einer vermeintlichen Beleidigung die Rote Karte gesehen. Nicht der erste Platzverweis der laufenden Saison für ihn. "Der Staffelleiter wollte eine Strafe von drei Wochen verhängen. Da die Ippendorfer damit nicht einverstanden waren, hat er das Verfahren ordnungsgemäß an das Kreissportgericht Bonn übergeben", so Norbert Schneider, Vorsitzender des Bezirkssportgerichts I. "Dort hat der Spieler ein Spiel Sperre wegen Unsportlichkeit erhalten." Offenbar ein Fehler. Laut Schneider hätte die Unsportlichkeit in Kombination mit der Wiederholungstat zwingend eine mindestens zehntägige Sperre plus einer weiteren Woche nach sich ziehen müssen.

Der Spieler hätte also möglicherweise nicht spielen dürfen. "Das Problem ist, dass die automatische Sperre von zwei Wochen nach Erhalt einer Roten Karte nicht ausgesetzt worden ist. Das hätte das Kreissportgericht anordnen können", so Schneider. Die Sportfreunde Ippendorf hätten auch einen entsprechenden Antrag stellen können. Dann hätte der Spieler auf jeden Fall spielen dürfen und eine möglicherweise folgende höhere Strafe wäre erst mit der Entscheidung abzusitzen gewesen. "Wir können ja keinen Spieler rückwirkend bestrafen", sagt Schneider.

Eine Aussetzung der automatischen Sperre ist aber offenbar nicht erfolgt. "Ob diese weiter galt, ist jetzt von den Sportgerichten zu klären."

1. FC Niederkassel würde demnach nicht in die Bezirksliga aufsteigen

Für den SV Beuel liegt jedenfalls ein klarer Regelverstoß vor, der weitreichende Konsequenzen haben könnte. "Theoretisch gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens, es bleibt alles wie es ist. Zweitens, Beuel bekommt die Punkte", sagt Schneider. Sollte Beuel tatsächlich die Zähler gutgeschrieben bekommen, würde es eine andere Aufstiegskonstellation geben. Dann käme der SV auf einen Quotienten von 2,25 und würde an Niederkassel (2,2) wieder vorbeiziehen: der Bezirksliga-Aufsteiger hieße entsprechend Beuel. Davon betroffen wären damit zahlreiche andere Kreisligisten, wie im Kreis Sieg der SV Kaldauen oder Adler Meindorf II, die beide nicht mehr aufsteigen würden. Im Bonner Kreis käme es zu Relegationsrunden.

Der 1. FC Niederkassel würde demnach nicht in die Bezirksliga aufsteigen. "Sollte da etwas kommen, werden wir versuchen, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen", sagt Marc Pfister, Vorsitzender des 1. FC Niederkassel. "Wir werden den Kreis Sieg mit ins Boot nehmen. Der Kreis muss für seine Vereine kämpfen." Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, will sich der Kreis Sieg nicht äußern. Eine Neuansetzung der Begegnung zwischen Ippendorf und Beuel hält Schneider für unwahrscheinlich.

Vorerst ist das Urteil des Kreissportgerichts (KSG) Bonn aufgehoben worden. Die von Ippendorf eingelegte Revision ist wieder zurückgenommen worden, da der Ausgang des Verfahrens für die Sportfreunde nach dem letzten Spieltag keine Bedeutung mehr hatte. Nachdem sich das KSG Bonn für befangen hat erklären lassen, ist das Verfahren nun an das KSG Köln übertragen worden. Dieses will schnell entscheiden. Möglich ist aber, dass das Verfahren bei einer weiteren Revision der anderen Vereine erneut vor das Verbandsgericht geht.

Der SV Beuel hat schon seit Wochen für beide Ligen geplant. Dennoch: "Fair wäre es natürlich, wenn Beuel und Niederkassel in der Bezirksliga spielen", so Manuel Lopez, Beuels Vorsitzender. Ähnlich sieht es auch Pfister, der sich wünscht, dass der Fußballverband Mittelrhein (FVM) die Liga auf 17 Mannschaften aufstockt. Ob es so einfach ist, ist aber fraglich. "Für eine Erhöhung der Mannschaftszahl in einer Bezirksliga sieht der FVM keine Veranlassung", sagt Markus Müller, Vorsitzender des Verbandsspielausschusses. Auch Schneider glaubt nicht an die Aufstockung: "Eine salomonische Lösung wird meiner Meinung nach nicht so leicht möglich sein. Vermutlich wird ein Verein in die Röhre gucken." Je nachdem auch einige Mannschaften, deren Relegation im Nachgang für nichtig erklärt werden könnten.