EM als Wegbereiter für Tokio: Bonner André Sanita bei Fecht-EM in Düsseldorf

EM als Wegbereiter für Tokio : Bonner André Sanita bei Fecht-EM in Düsseldorf

Bonner Florettfechter André Sanita einziger Bonner beim Turnier in Düsseldorf. Das Teamergebnis ist von großer Bedeutung für die Olympia-Qualifikation.

Mit großem Optimismus gehen die deutschen Florettfechter am Montag bei der Heim-Europameisterschaft in Düsseldorf (bis 22. Juni) an den Start. Den Eindruck hat man jedenfalls, wenn man mit André Sanita spricht. Der 27-Jährige ist der einzige Vertreter des OFC Bonn bei den Titelkämpfen und freut sich auf den Heimauftritt. „Ich kann mich noch gut an die fantastische Atmosphäre bei der WM in Leipzig vor zwei Jahren erinnern. Das war top. Motivierter kann man als Fechter dann eigentlich nicht sein. Für mich ist Heimpublikum auf jeden Fall gut“, blickt Sanita voraus.

Bundestrainer Uli Schreck, der mit der Florett-Nationalmannschaft im Bundesleistungszentrum in Bonn trainiert, war vergangene Woche mit seinen Schützlingen im Trainingslager in Tauberbischofsheim. Für die EM nominiert hat er neben Sanita den viermaligen Weltmeister Peter Joppich, Luis Klein (FC Tauberbischofsheim) und Peking-Qlympiasieger Benjamin Kleibrink. Für den ehemaligen OFC-Fechter ist es ein doppeltes Heimspiel. Der mittlerweile 33-Jährige ist gebürtiger Düsseldorfer und wechselte Anfang des Jahres vom FC Tauberbischofsheim zum DFC Düsseldorf.

Und nach seinem Comeback 2015 – er hatte drei Jahre pausiert – ist Kleibrink so gut wie lange nicht. Beim ersten Weltcupturnier der Olympia-Qualifikation wurde er in St. Petersburg Dritter. Damit schürt der Linkshänder die Hoffnung, sich über die Einzelrangliste für 2020 in Tokio zu qualifizieren. „Ihm und auch Peter ist das zuzutrauen“, sagt Schreck.

Sanita muss eher auf die Mannschaft setzen. „Das ist für mich persönlich die beste Möglichkeit, nach Tokio zu kommen“, stellt er fest. Hintergrund: Drei Mannschaftsfechter dürfen auch in der Einzelkonkurrenz starten, unabhängig von der Rangliste. Sanita: „Wir wissen, dass es schwer wird, aber es ist nicht unmöglich. Wenn wir in den kommenden Turnieren alle unsere Topleistung abrufen, können wir es schaffen.“

Frankreich als großer Konkurrent

Das Problem: Die Deutschen müssen sich bis zum Ende der Qualifikation im Frühjahr 2020 als beste europäische Mannschaft hinter den auf jeden Fall qualifizierten besten vier Nationen etablieren. Diesen Platz nehmen derzeit die starken Franzosen ein. Bundestrainer Schreck macht klar: „Ich sehe für uns nur eine Chance, wenn Frankreich wieder den Sprung unter die besten Vier schafft. Dann müssten wir aber immer noch Mannschaften wie Großbritannien und Polen hinter uns lassen.“

Das alles ist Zukunftsmusik, denn erst einmal steht die EM an, und Mitte Juli wartet mit der Weltmeisterschaft das nächste hochkarätige Turnier, bei dem es zudem die doppelte Punktzahl für die Ranglisten gibt. „EM und WM sind die Wegbereiter für die Olympia-Qualifikation. Wenn da jetzt keine Ergebnisse kommen, dann kann man sich Tokio abschminken“, macht Schreck klar. Ergebnisse heißt im Falle der EM mindestens Halbfinale. Schreck: „Wenn wir einen ganz großen Schritt machen wollen, müssten wir auch bei der WM unter den besten Vier landen.“

Sanita, der zwischenzeitlich durch eine Handverletzung zurückgeworfen worden war, will seinen Teil dazu beitragen. „Ich hatte zuletzt noch ein paar Probleme, die aber muskulär bedingt waren. In Düsseldorf werde ich weitgehend beschwerdefrei fechten können“, sagt der Bonner.

Die Einzelkonkurrenz wird am Montag entschieden, der Mannschaftswettbewerb findet am Donnerstag statt. Die besten Medaillenchancen haben die deutschen Säbelfechter, angeführt vom zweimaligen Europameister Max Hartung (Dormagen), der zuletzt den Weltcup in Madrid gewann.

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