TKSV Duisdorf: Eine Bonner Ringer-Ära geht zu Ende

TKSV Duisdorf : Eine Bonner Ringer-Ära geht zu Ende

Der frühere Bundesligist TKSV Duisdorf zieht seine Mannschaft aus der Ringer-Oberliga zurück und wagt einen Neuanfang in der Landesliga.

Die Entscheidung ist gefallen: Der Traditionsclub TKSV Bonn-Duisdorf, eine Institution im Ringen hierzulande, wird nach 42 erfolgreichen Jahren in der Ersten und Zweiten Bundesliga den Rückzug aus der Oberliga antreten und künftig in der Landesliga kämpfen. Dort wollen die Duisdorfer vor allem ihrem hoffnungsvollen Nachwuchs eine geeignete Plattform bieten, um dann wieder gestärkt den Aufstieg in die Oberliga anzutreten.

Die Bonner haben glorreiche Zeiten in der Sporthalle an der Schmittstraße hinter sich. 1976 schaffte der TKSV den viel umjubelten Aufstieg in die Bundesliga. 1986 qualifizierten sich die Bonner sogar für die Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Ringer-Ikonen wie Peter Nettekoven, Peter Diefenthal, Rolf Monschau, Wolfgang Gentzen oder Oskar Segers prägten viele Jahre den Club und begeisterten die TKSV-Fans mit ihren Kampfkünsten.

Kurios war die Saison 1983/1984. Die beendete der TKSV mit nur einem Sieg, der aber in die Annalen einging. RWG Mömbris-Königshofen hatte auch nur einen Kampf gewonnen, und zwar mit 20:17 in der Hinrunde gegen den TKSV. Im Rückkampf ging es nun darum, welche Mannschaft absteigen muss. Sage und schreibe 1425 Zuschauer – das ist bis heute Rekord – verwandelte den Ringertempel an der Duisdorfer Schmittstraße in einen Hexenkessel. Als der TKSV dann mit 22,5:14,5 die Oberhand behielt und Mömbris absteigen musste, floss das Bier später in Strömen, der Jubel kannte kaum Grenzen.

Zeit in der Ersten Liga bleibt unvergessen

„Keine Frage, der Verein hat unzählige großartige Erlebnisse zu erzählen. Und die Zeit in der Ersten Liga bleibt unvergessen. Aber aufgrund der heutigen Ligenstruktur war es jetzt eine vernünftige Entscheidung, die uns Raum gibt, die vielen jungen Talente sukzessive heranzuführen“, unterstreicht Abteilungsleiter Dirk Schubert. Der TKSV hatte die Saison 2018 in der Oberliga als Tabellenletzter der Staffeln Rheinland und Westfalen abgeschlossen. Da aber sowieso zu wenige Mannschaften in der Oberliga antraten, hätten die Bonner nicht absteigen müssen. Doch Schubert und Co. entschieden sich dafür, neue Wege einzuschlagen. „Klar hätten wir weiter in der Oberliga bleiben können. Doch für unsere jungen Talente ist es alles andere als spaßig, jede Woche gegen die alten Hasen Niederlagen zu kassieren.“

Wenn man sich die momentane Ligazusammensetzung im Deutschen Ringerbund betrachtet, kann man die Entscheidung der Duisdorfer gut nachvollziehen. Nachdem sich vor zwei Jahren einige Vereine in die Deutsche Ringer Liga (DRL) abgespalten hatten, verzichtete der Deutsche Ringer Bund (DRB) auf eine Zweite Bundesliga. Somit wurde die Oberliga plötzlich zum Unterbau der Bundesliga, was die Vereine vor große Probleme stellte.

2019 wieder Ausrichter des Final-Six-Turniers

Der Sprung von der Oberliga in die Bundesliga ist viel zu groß. Für einen Oberligameister, der aufsteigen „muss“, ist der finanzielle Mehraufwand gar nicht zu stemmen. In der Bundesliga sind Vereine, die über einen Saisonetat von 250.000 Euro verfügen, eher im hinteren Drittel anzusiedeln. Zudem sind die Kosten in der Oberliga, die jetzt faktisch die Zweite Liga ist, angestiegen. Vereine, die sich von außerhalb Verstärkung holen, müssen bis zu 5000 Euro für einen solchen Athleten pro Saison auf den Tisch legen. Schubert: „Welcher Verein kann solche Summen bereitstellen, wenn nicht gerade ein gut betuchter Sponsor im Hintergrund mitwirkt? Den Weg, den wir jetzt gehen, haben ja einige Vereine bereits eingeschlagen. Ich bin sicher, wir werden in der Landesliga interessante Lokalderbys haben.“

Außerdem ist der TKSV auch 2019 wieder Ausrichter des großen Final-Six-Meisterschaftsturniers, das im Dezember vor 400 begeisterten Zuschauern stattfand. Dort wurde der holländische Club KSV Simson Landgraaf Oberligameister 2018, der seit Jahren mit einer Gastberechtigung in der zweithöchsten Liga startet. Da laut Statuten aber kein niederländischer Verein in der Ersten Liga antreten kann, wird Landgraaf wie immer für die Oberliga planen können.