Ortseingang Adendorf

Wirbel um Linksabbieger auf der L123

Am Ortseingang von Adendorf baut Straßen NRW einen Abbieger von der L123 ins Neubaugebiet.

Am Ortseingang von Adendorf baut Straßen NRW einen Abbieger von der L123 ins Neubaugebiet.

Adendorf. Eine Baustelle von Straßen NRW auf der L123 am Adendorfer Ortseingang in Sichtweite der Burg sorgt derzeit für Gesprächsstoff: Der Landesbetrieb baut hier nämlich derzeit einen Linksabbieger ins Neubaugebiet Am Scheesberg. Begründung: Das erhöhe die Sicherheit.

Dass der Linksabbieger dazu auch tatsächlich einen Beitrag leistet, will Volker Gütten, Vorsitzender der Ortsvertretung, auch nicht bestreiten. Was Gütten aber moniert: „Die Maßnahme ist unverhältnismäßig und hätte mit weniger Aufwand auch schonender umgesetzt werden können.“ Schließlich sei für den Linksabbieger das komplette Eingangsbild des Ortes verändert worden, da mehrere alte Bäume gefällt wurden.

Bei Straßen NRW sieht man das anders. Alfred Sebastian, Abteilungsleiter für den Bereich Betrieb und Verkehr in der Straßen NRW-Regionalniederlassung Ville-Eifel, verweist auf ein im Rahmen des Bebauungsplanes erstelltes Verkehrsgutachten: „Das hat den Bau einer Linksabbiegespur und einer Querungshilfe empfohlen.“ Der Hintergrund: Die neue Einmündung befindet sich unmittelbar am Ortseingang mit einem einseitigen Zweirichtungsradweg, der in der Ortslage nicht weitergeführt wird.

Das Neubaugebiet erzeugt aber laut Sebastian „eine höhere Verkehrsbelastung durch ein- und ausfahrende Fahrzeuge sowie eine zusätzliche Erhöhung der über die Landesstraße querenden Fußgänger und Fahrradfahrer“. Dieser richtlinienkonforme Ausbau des Einmündungsbereichs einschließlich der erforderlichen Sichtbeziehungen erfordert nach Aussage von Alfred Sebastian nun „Verkehrsflächen zu Lasten der vorhandenen Fahrbahneinengung sowie des vorhandenen Baumbestandes“.

Ortsvertretung sieht keine Notwendigkeit

In Abwägung der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer sei dann „Art und Umfang der Maßnahme zwischen den am Verfahren Beteiligten abgestimmt“, führt der Straßen NRW Experte aus: „Denn nicht allein die Leistungsfähigkeit einer Einmündung ist bei der Entscheidungsfindung maßgebend, sondern insbesondere der Verkehrssicherheitsaspekt.“ Letztendlich sei der Bau einer Linksabbiegespur und der Querungshilfe auch keine Maßnahme des Landesbetriebs, „sondern der Gemeinde“.

Für den Vorsitzenden der Ortsvertretung, Volker Gütten, ist genau das der Punkt: „Dem Landesbetrieb entstehen keine Kosten, sondern der Gemeinde.“ Genauer gesagt, dem Investor des Neubaugebiets. Gütten bleibt dabei: „Eine direkte Notwendigkeit eines solchen Rieseneingriffs ist und war nicht gegeben.“ Gütten verweist dabei auf jüngste Erfahrungswerte anlässlich einer größeren Kanalsanierung im Ort auf der benachbarten Pfarrer-Dr.-Hoffmann-Straße: „Damals ist der ganze Verkehr ohne Beanstandungen und ohne Linksabbieger über den Grimmersdorfer Weg auf die L123 abgeflossen.“

Dazu muss man wissen: Über den Grimmersdorfer Weg wird auch das Neubaugebiet Am Scheesberg erschlossen. Jetzt also den Bau des Linksabbiegers allein damit zu begründen, die 19 neuen Häuser des Neubaugebiets Am Scheesberg sicherer anzubinden, zieht aus Güttens Sicht nicht. Seiner Meinung nach hätten es auch weniger aufwendige Maßnahmen getan. Etwa die Verbesserung der Sichtbeziehung durch Aufweitung der Ein- und Ausfahrt auf den Grimmersdorfer Weg.

Kritik an der Genehmigung zur Baumaßnahme

Was ihn aber besonders ärgert: „Der Politik wurde unter der damaligen Führung des Beigeordneten mitgeteilt, dass eine Genehmigung des B-Plans nur bei Erteilung eines Auftrags zur Erstellung eines Linksabbiegers möglich wäre.“ So sei die Genehmigung für den Linksabbieger unter falschen Annahmen getroffen worden: „Dennoch ist davon auszugehen, dass mit der Erstellung des Linksabbiegers die Verkehrssituation sich deutlich verbessert. Art und Weise des Umgangs mit Informationen zwischen Politik, Verwaltung, Behörden und den Bürgern bedürfen aber der Nachbesserung.“ Was aus seiner Sicht bedauerlich bleibt: „Dem ganzen Prozess sind einige Solitärbäume zum Opfer gefallen, die auch so schnell nicht wieder zu ersetzen sind.“

Gemeindesprecherin Margrit Märtens weist in dem Zusammenhang allerdings nochmals darauf hin, „dass die Mitglieder des Ausschusses für Gemeindeentwicklung und Planung am 19. April 2016 einstimmig den Beschluss gefasst hätten, dem damals bezüglich des Adendorfer Neubaugebiets vorliegenden Gutachten und der darin ausgesprochenen Empfehlung, eine Linksabbiegerspur einzurichten, zu folgen.“ Nach ihrer Kenntnis belaufen sich die Kosten – einschließlich der gesamten Bau- und Erhaltungskosten – auf circa 450.000 bis 500.000 Euro.