Verkehr in Rheinbach: Lärmschutzwände in Wormersdorf sind unzureichend

Verkehr in Rheinbach : Lärmschutzwände in Wormersdorf sind unzureichend

Die Bürger von Wormersdorf sprechen von Steuerverschwendung und fordern eine deutliche Nachbesserung an der A61. Die Lastwagen ragen über die Wände hinaus.

Einen intensiven Austausch an Briefen zwischen Gelsenkirchen und Wormersdorf pflegen Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin des Landesbetriebs Straßen-NRW in Gelsenkirchen, und Richard Feldmann von der Bürgerinitiative (BI) Lärmschutz für Wormersdorf in diesen Tagen. Feldmann hat jetzt für die Anwohner der A 61 die Kritik an der „völlig unzureichenden Wirkung“ der neuen Lärmschutzwand entlang der viel befahrenen Nord-Süd-Verbindung erneuert. Das von Sauerwein-Braksiek zurückgesandte Antwortschreiben findet die BI wenig befriedigend. „Auf die Tatsache, dass die Lärmschutzwand genau in dem bei Ostwind besonders kritischen Bereich endet und bereits vorher mit einer Höhe von drei Metern völlig unterdimensioniert ist, wird von ihr mit keinem Wort eingegangen“, erklärt Feldmann.

Hintergrund: Insbesondere bei Ostwind – meist bei Schönwetterlagen wie derzeit – treffe der Verkehrslärm der A 61 nahezu ungehindert auf den Ostteil von Wormersdorf. Anlieger, die etwa am Mühlenweg wohnen, hätten in den vergangenen Wochen und Monaten trotz der neuen, 557 Meter langen Schutzpalisaden den Eindruck gewonnen, dass sich die Situation nach der Errichtung der Wand zum Teil sogar deutlich verschlechtert habe, schildert der BI-Sprecher in seinem von 13 Mitstreitern unterzeichneten Schreiben an die Behördenleiterin.

Seit dem Frühsommer 2018 laufen die Bauarbeiten. Ausführlich ging die Direktorin des Landesbetriebs Straßen darauf ein, dass die Wand in ihren derzeitigen Abmessungen den gesetzlichen Erfordernissen entspreche. Gleichzeitig bedauert sie, dass die „Aufstellung der projektierten Lärmschutzwand“ an ein der Unterführung unterhalb der Autobahn „jedoch statisch nicht ausgelegt“ gewesen sei, weshalb die Arbeiten erst einmal ins Stocken geraten waren (der GA berichtete). Zunächst, so berichtete Sauerwein-Braksiek, musste an dem Brückenbauwerk am „Unterdorf“, der Straße zwischen Wormersdorf und Meckenheim (K 62), ein sogenannter Torsionsbalken gebaut werden, um die Schutzpalisaden auf die Unterführung daraufsetzen zu können. „Die sich daraus ergebende circa 36 Meter lange Lücke wird nach der baldigen Fertigstellung des Torsionsbalkens und der anschließenden Montage der Lärmschutzelemente geschlossen werden“, kündigte die Behördenchefin an. In dieser Woche haben Fachkräfte damit begonnen, die letzten Schutzwände anzubringen. Aber: Den Anwohner geht auch dieser Lückenschluss nicht weit genug. Die von der Behörde erwähnte Schließung der Lücke im „Unterdorf“ habe mit der Lärmproblematik absolut nichts zu tun, wendet die BI ein. Heißt: Vom Abschluss der Bauarbeiten erhoffen sich die Nachbarn des neuen Bauwerks keine signifikante Verringerung des Krachs von der Straße. „Fakt ist, dass die Wand mindestens um 400 Meter weiter Richtung Südosten verlängert werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen“, schreiben die Wormersdorfer, die weiterhin eine Nachbesserung, auch bei der Höhe der Wände, erwarten.

Da die gängigen Lastwagen bis zu vier Meter hoch sind (siehe Kasten), können die Anwohner die vorbeibrausenden Lärmquellen nicht nur hören sondern auch sehen. Grund: Im Mittel sind die fertiggestellten Schutzwände lediglich 3,50 Meter hoch, an ihren beiden Enden flachen sie sogar auf drei Meter ab. Dann sind nicht selten von vielen Stellen in Wormersdorf aus sogar die Logos der Logistikunternehmen und Speditionen zu erkennen. Nach Angaben des Landesbetriebs sind auf diesem Stück der A 61 täglich bis zu 70 000 Fahrzeuge unterwegs.

Sollten, wie vom Landesbetrieb veranschlagt, 1,8 Millionen Euro an für den Lärmschutz bei Wormersdorf investiert worden sein, so erklärte Feldmann, müsse „jemand die Verantwortung für diese Steuerverschwendung“ übernehmen, fordert er in seinem Schreiben an Sauerwein-Braksiek. „Wir werden trotzdem weiter für einen wirksamen Lärmschutz kämpfen, der diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient“, so der BI-Sprecher.