JVA Rheinbach: Neuer C-Flügel eingeweiht - Platz für mehr Häftlinge

Mehr Raum für Häftlinge : Neuer C-Flügel in der JVA Rheinbach eingeweiht

Für 34 Millionen Euro hat das Land in der JVA Rheinbach einen neuen Flügel für mehr Häftlinge gebaut. Die Anlage ist mit modernsten Sicherheitsstandards versehen und wurde jetzt eingeweiht.

Was eigentlich viel zu schade zum Wegwerfen ist, sollte idealerweise wiederverwertet werden. Im großen Stil ist das in der Rheinbacher Justizvollzugsanstalt (JVA) geschehen. Im neu gebauten C-Flügel der JVA stecken nämlich große Mengen des zwischen Ende 2015 und Mitte 2016 abgerissenen früheren Hafthauses, welches noch aus dem Jahr 1914 stammte. Einen Berg von 25 000 Kubikmetern Abraum hatten die Abrissbagger angehäuft. Die darin enthaltenen Steine aus "gutem preußischem Feldbrandstein", wie Paul Pruß, Leiter der Bauverwaltung der JVA Rheinbach, den 105 Jahre alten Baustoff nennt, verhelfen dem neuen, viergeschossigen Neubau zu Stabilität. Nach drei Jahren Bauzeit ist der C-Flügel mit 220 Hafträumen bezugsfertig.

Den symbolischen Schlüssel überreichen Gabriele Willems (v. l.), Peter Biesenbach und Elisabeth Wallrath (r.) an Renate Gaddum. Foto: GA/Matthias Kehrein

34 Millionen Euro hat sich das Land die neue Immobilie mit modernster Sicherheitstechnik kosten lassen - drei Millionen Euro mehr als zum Beginn der Bauarbeiten kalkuliert. Probleme bereitete während der Bauzeit vor allem das Flachdach. Die Tatsache, dass das Dach beileibe noch nicht fertig war, hielt freilich Thomas Kutschaty (SPD), seinerzeit NRW-Justizminister, nicht davon ab, im Mai 2017, wenige Tage vor der Landtagswahl, zum Richtfest des C-Flügels einzuladen. Eine Tatsache, die heute noch im Ministerium durch die Flure geistert, wie Peter Biesenbach (CDU), seit 2017 Justizminister in NRW, während der symbolischen Schlüsselübergabe berichtet.

Neue Sicherheitsstandards

"Damals hat noch das Dach gefehlt. Heute ist alles dran und drauf", erklärte Biesenbach. Der Ressortchef erinnerte daran, dass an noch vielen Gefängnissen im Land so emsig gearbeitet werden müsse wie in Rheinbach. "Der Zustand der JVAs ist - gelinde gesagt - traurig", sagte Biesenbach. "Uns steht noch viel Arbeit bevor." Aber: Der Neubau werde den Inhaftierten und den tagtäglich engagiert arbeitenden Mitarbeitern zugutekommen, so der Minister.

Dass mit dem Neubau ein seit mehreren Jahren währender Modernisierungsprozess an den drei anderen Hafthäusern der JVA seinen Abschluss gefunden hat, nehmen offenbar auch die Gefangenen zur Kenntnis, wie Gabriele Willems, Geschäftsführerin des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW, entdeckt hat. Sie fand im Internet eine Onlinebewertung des Rheinbacher Gefängnisses. "Supernettes Personal, Essen super, eigenes Ernährungsprogramm, voll toll. Rheinbach ist immer einen Aufenthalt wert", zitierte die BLB-Chefin. "Dass soll jetzt nicht als Aufforderung zu Straftaten verstanden werden", fügte Willems hinzu. Hintergrund: Der BLB NRW ist Eigentümer und Vermieter fast aller Immobilien des Landes NRW.

Bereits geschlossen ist übrigens das riesige Loch an der Außenumwehrung der JVA, das während der Bauphase als besonders gesicherte und gut beachte Baustellenzufahrt diente. Die Baustelle selbst war mit einer zusätzlichen meterhohen Mauer inklusive Stacheldraht, Kameras und Sensoren umwehrt.

Kapazität für Häftlinge erhöht

Der neue winkelförmige C-Flügel setzt am Knotenpunkt des Kreuzbaus an und ist mit einer Länge von circa 80 Metern symmetrisch zu dem gegenüberliegenden Flügel A. Der zweite Gebäudeschenkel zweigt in nordwestliche Richtung ab und weist eine Länge von etwa 65 Metern auf. Dank dieses zusätzlichen Gebäudeteils erhöht sich die Kapazität der JVA von 550 auf nunmehr 645 Gefangene. Nicht nur mehr Räumlichkeiten sind entstanden sondern auch mehr Raum in jeder einzelnen Zelle: Im neu entstehenden Zellentrakt sind die Hafträume mit bis zu 11,5 Quadratmetern bemessen, anstatt wie bisher mit 7,7 Quadratmetern.

Heißt: Es gibt drei Quadratmeter mehr Platz während der Zeit der Haft. "Eine angemessene Unterbringung und Beschäftigung der Gefangenen in der JVA Rheinbach ist zugleich der Garant für eine erfolgreiche Resozialisierung", sagte Bürgermeister Stefan Raetz. Gleichzeitig bleibe die JVA einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt Rheinbach. "Die Haftbedingungen wie die Arbeitsbedingungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich verbessert", so Raetz.

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